Cerigo, das alte Kyth'êra, jetzt wieder offiziell Kytherion, die südlichste der Jonischen Inseln, von deren Hauptreihe aber ganz abgesondert, vor der südöstl. (Malean Lakoniens, dem stürmischen Kap Malia (Maléa), und am Eingange zum Griechischen Archipel gelegen. Die nördlichste Spitze der Insel, Kap Spathi (bei den Alten Platanistus), wird durch die 7 km breite Strada di Cervi von der noch mit dem lakonischen Festlande zusammenhängenden Halbinsel Elaphonisi (alt Onugnathos, «Eselskinnbackeno) getrennt. Die Insel, welche eine Eparchie des griech. Nomos Argolis und Korinthia bildet, hat einen Flächeninhalt von 277 qkm bei einem ziemlich gerundeten Küstenumfange, welcher eine bergige, höhlenreiche Oberfläche mit felsigen Rändern umschließt. Wie bei den übrigen Jonischen — bilden auch hier Getreide, Wein, Oliven, Südfrüchte, Schafe und Ziegen, Hasen, Kaninchen, Wachteln, berühmter Honig und die verschiedensten Seetiere die Hauptprodukte. Der durch die Lage der Insel, als eines Schlüssels zu zwei Meeren, besonders begünstigte Handel wird hauptsächlich mit den Erzeugnissen der starken Viehzucht und mit Rosinen betrieben. Die Bevölkerung betrug 1879 13259 Seelen und besteht meist aus Griechen. Kapsali, die Hauptstadt an der Südküste der Roee und Bischofssitz, zählt 1214 C. und hat eine Reede, mehrere Klöster und Kirchen. Südöstlich von C. liegt die kleine Insel Cerigotto, im Altertum Agiléa oder Agila her bern und als Zufluchtsort der Seeräuber früer berüchtigt, 10 Em groß. Die antike Hauptstadt Kythera mit ihrem Hafenplatz Skandeia lag ungefähr in der Mitte der Ostküste der Insel. Als Kolonie der Phönizier bildete C. lange Zeit die natürliche Mittelstation zwischen deren Niederlassungen in den östl. und westl. Meeren und den Hauptplatz für die Fischerei der Purpurschnecken an der lakonischen Küste und für die Verarbeitung des Hie derselben, weshalb sie auch die Purpurinsel hieß (Porphyrüsa oder Porphyris). Auch war sie der Platz, wo der von Askalon stammende Kultus der 0 Astarte (s. d.) auf griech. Boden zuerst Wurel schlug und von wo aus er sich als Dienst der Aphrodite-Urania oder Kythereia über alle Länder der Hellenen ausbreitete. Von den Phöniziern ging die Insel zunächst in den Besitz der Argiver über, wurde aber schon frühzeitig von den Spartanern, für die sie wegen ihrer Lage von der größten Wichtigkeit war, erobert, denen sie von den Athenern nur zeitweise entrissen wurde. Später kam sie unter die Herrschaft der Römer, dann den Byzantiner, fiel nachher an Venedig und teilte seit der Auflösung dieser Republik(1797) das Geschick der Jonischen Inseln (s. d.).