Cerinthus, der erste bekannte christl. Gnostiker, welcher den Üübergang des Judenchristentums zum Gnostizismus bezeichnet. Er bildete die schon bei den Juden sich findende Lehre, daß die Weltschöpfung und Gesetzgebung nicht unmittelbar von Gott, sondern durch die Vermittelung von Engeln geschehen sei, auf eine den Monotheismus gefährdende Weise weiter aus, indem er, was nach jüd. Anschauung doch immer im Dienste des alleinigen Gottes geschehen sein sollte, der selbständigen Wirksamkeit beschränkter und untergeordneter Engelwesen zuschrieb. Daneben hielt er jedoch die judaistische Lehre von der Notwendigkeit der (hristen dung und Gesetzbeobachtung auch für die Christen und die sinnliche Hoffnung auf ein 1000jähriges Reich Christi auf Erden fest. Auch über die Person Christi lehrte er wie das ältere Judenchristentum, daß auf den Menschen Jesus der Heilige Geist (oder Ein heiliger Geist, d. h. ein Engelwesen) herabgekommen und mit ihm bis zur Kreuzigung verbunden geblieben sei. Die spätern Kirchenlehrer Udel in die Lehre des C. vielfach die schon ausgeildetern Meinungen des Gnostizismus hineingetragen und dadurch das geschichtliche Verständnis seiner wirklichen Anschauungen erschwert. Mit der Person des C. hat sich die Sage vielfach Apostels und ihn bald zu einem Hauptgegner des Apostels Paulus und Wortführer des strengsten Judaismus in der apostolischen Zeit, bald zu einem Widersacher des Johannes gemacht, gegen welchen dieser sein Evangelium und seine Briefe, namentlich den ersten, geschrieben haben soll. Als gegen Ende des 2. Jahrh. der Chiliasmus (s. d.) in der Renbe zahlreiche Gegner fand, schrieben diese die Offenbarung Johannes dem C. zu, um den Montanisten, den eifrigsten Vorkämpfern des Chiliasmus in jener Zeit, die apostolische Autorität für ihre Lehre zu entziehen. „en 1888 (Zur Quellenkritik des Epiphanioso (Wien 1865); Harnack, „Zur Quellenkritik