Chamisso (Adelbert 804 eigentlich Louis Charles Adelaide de C amisso de Boncourt, einer der bedeutendsten deutschen Lyriker, auch als Naturforscher bekannt, wurde 30. Jan. 1781 auf dem Schlosse zu Boncourt in der Champagne geboren. Er wanderte 1790 mit seinen Eltern aus, wurde 1796 Page bei der emahlin iedrich Wilhelms II. von Preußen, in welcher Stellung er uchte. das Pön Gymnasium zu Berlin besuchte, 1798 ähnrich und 1801 Lieutenant in einem berliner Regiment. Da sich durch den Feldzug von 1806 seine ienstverhältnisse auflösten ——1 er als Kriegsgefangener auf Paß nach Frankrei „kehrte 1807 nach Berlin zurück, und ward 1808 aus dem Militärdienst entlassen. An-Von des J. 1810 reiste er aufs neue nach Frankreich. on hier aus gelangte er in den Kreis der Frau von Stasl in Genf und Coppet, wo er seine naturhistor. und medizin. Studien begann, welche er dann seit dem Herbst 1812 in Ber in fortsetzte. Er begleitete 1815—18 als Naturforscher Otto von Kotebue auf der vom Grafen Romanzow veranstalteten Reise um die Welt. Nach seiner Rückkehr ließ er sich wiederum in Berlin nieder, wo er eine Anstellung am Botanischen Garten erhielt, zum Mitglied der Akademie der es anplieblet ernannt wurde und sich ein glückliches Familienleben schuf. Er starb daselbst 21. Aug. 1838. Schätzbare Beiträge zur Völker⸗ und Länderkunde enthalten seine „Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise unter Kotzebue » (3. Bd. von Kotzebues Entdeckungsreiseß, Weim. 1821) und seine Reise um die Welto, die zuerst in dem ersten und zweiten Teil seiner «Werker erschien. Ferner veröffentlichte er eine 1e, welchs der nutzbarsten und schädlichsten Gewächse, welche wild oder angebaut in Norddeutschland vorkommeny (Berl. 1827). Seine letzte wissen-Icer die Arbeit war die interessante Schrift: weit ausgebreitetern Ruf erwarb sich C. durch seine dichterischen Produktionen. Bereits 1804—6 gab r mit Varnhagen von Ense einen »Musenalmanachh heraus. Er schrieb 1813 das originelle Märhen 4Peter Schlemihlo, welches zuerst 1814 durch seinen Freund Fouqué in Druck erschien, in verschiedene Sprachen übersetzt und durch Cruikshank geistvoll illustriert wurde. Durch viele seiner Gedichte, Balladen und Romanzen geht ein düsterer und schmerzlicher Zug; das Wilde, Schroffe, Herbe und Herzerschütternde ist darin mit Vorliebe behandelt. Doch gelang ihm auch vorzüglich die dichterische Behandlun komischer und satirischer Stoffe. Manche seiner Balladen und Romanzen können als vollkommene Meisterstücke in ihrer Art bezeichnet werden. Nicht 0.1. zeichnen sich viele seiner Lieder durch Tiefe und Innigkeit des Gefühls aus. Wegen seiner Großartigkeit ist besonders das Gedicht «Salas y Gomeze» hervorzuheben, in Terzinen geschrieben, welche C. meisterhaft zu handhaben verstand. Eine Sammlung der «Gedichtey erschien Biogt 1831 in Leipzig (21. Aufl., Berl. 1879; mit iographie von Hesekiel und um 91 Gedichte vermehrt in der Nationalbibliothek sämtlicher deutscher Klassiker o, Berl. ohne Jahr; mit Zeichnungen von Schmitz, humann u. a., Berl. 1874). Seit 1832 redigierte C. mit G. Schwab und deten mit F. von Gaudy den von A. Wendt gegründeten „Deutschen Musenalmanach». Seine 4 Werke f. Berl. von Hitzig, 6 Bde., Lpz. 1836—39 6. Aufl., Berl. 1874) enthalten zugleich seine Biographie und seine Briefe. Eine Sammlung der Werker in 4 Bänden erschien 1879 in Berlin; eine illustrierte Ausgabe in 2 Bänden daselbst 1876. Vgl. S «über C.s Ruue Zeit⸗ (Münch. 1879); K. Fulda, 4C. und eine Zeito (Lpz. 1881). ö Ehamois (rz.), Gemse; in der Färberei u. s. w. übliche Bezeichnung für gelbbraun.