FeedChamonix oder Chamouny
ErdkundeBrockhaus 1882

Chamonix oder Chamouny, ein Hochthal der Landschaft Faucigny im franz. Depart. Hochsavoyen, bewässert von der Arve (s. d.), ist vom Col de Balme (s. d.) bis zur Schlucht der Arve unterhalb Les Houches ungefähr 24. Em lang, durchschnittlich 2 km breit und hat die Richtung von NO. nach SW. —1 von den schroffen Felswänden der Rette der liguilles Rouges und des Brévent, links von den Hinsu Nadeln und den Firnkuppen des MontblancMassivs eingeschlossen, ist C. eins der imposantesten Thäler der Alpen und wird alljährlich von Tausenden von Touristen besucht. Die ausgezeichnetsten unkte sind auf der rechten Thalseite die Flegere (1806 m) und der Mont-Breévent (2525 m), welche mit dem Col de Balme die lohnendste Aussicht auf das Thal und die Riesenkette des Montblanc gewähren; auf der linken Seite die Gletscher du Tour, d'Argentidre, des Bossons und du Bois, letzterer mit dem aussichtsreichen Montanvert und der Quelle des Arveyron (s. d.); der obere Teil des Boisgletschers, das Eismeer (Mer de glace), wird von den Gletschern du Talefre, de Lechaud und du Tacul gebildet; mitten in der Ciswüste des Talefregletschers erhebt sich als Oase, mit spärlicher nordischer Vegetation bekleidet, der Felskopf des Ruberr oder Courtil (2787 m). Von den das Thal überragenden Hochgipfeln wird am häufigsten der hö ste, der 4810 mehohe Montblanc bestiegen. Hauptort des Thals, welches ungefähr 4000 E. zählt, ist das Dorf C., auch nach dem 1090 hier gestifteten mißt, sind unter K aufzusuchen. Benediktinerkloster Prieuré de C. genannt, 1050 m über dem Meere, 1855 zum Teil abgebrannt, ein stattlicher Ort, großenteils aus Gasthöfen bestehend, mit (1876) 491, als Gemeinde 2406 E. Haupterwerbszweige sind das Gasthofs⸗ und das Führerwesen, welch letzteres einer vom Staate kontrollierten Ordnung unterworfen ist, der Handel mit den Mineralien der Montblancgruppe und mit dem trefflichen weißen Honig des Thals. Außer dem Hauptort und zahlreichen Weilern besitzt das Thal die Pfarrdörfer Argentiere und Les Houches. Früher gemieden und mit seiner Umgebung unter dem Namen Les Monts Maudits verrufen, nur hier und da von den Bischöfen von Genf besucht, wurde das Thal, seit im J. 1741 die Engländer Wyndham und Pococke die landschaftliche Schönheit desselben kennen lernten, immer häufiger bereist und ist einer der beliebtesten Stationspunkte der Alpen geworden. Topographisch und naturhistorisch untersucht wurde es namentlich von Saussure (1760), Bourrit (1775), de Luc, Pictet u. s. w. Mit Genf ist C. durch eine treffliche Poststraße verbunden, welche in einer Länge von ungefähr 84 kmeüber Salanches, Cluses und Bonneville dem Lauf der Arve folgt; eine Eisenbahn ist projektiert. Ins Wallis nach Martigny (Martinach) führt der Saumweg über den Col de Balme und der uldes über die Tete Noire, nach SW. in das Thal des Bonnant (Val de Montjioie), der aussichtsreiche Col de Voza (1810 m). Von den zahlreichen beschwerlichen und gefährlichen Gletscherpässen, die von C. über das Montblanc-Massiv —1 Courmayeur an der Dora und in das schweiz. Val Ferret führen, werden der Col du Geant (3415 m) und die Cols d'Argentiere (3520 m) und du Tour am meisten begangen. Vgl. Venance Payot, „Guide itinéraire au Montblanco (Genf 1869). Chamos hieß der Nationalgott der Moabiter (s. d.), welchem sogar Menschenopfer, wenigstens I dargebracht, und auch vom israel. König Salomo Höhen bei Jerusalem geweiht wurden. Gemäß der wahrscheinlichsten Bedeutung seines Namens ist er ein Gott der Zeit oder des Kriegs.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 173Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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