Cuvier (George Leopold Chretien Frédérie Dagobert, Baron von), berühmter bamd Naturforscher, geb. 23. Aug. 1769 in der damals württemb. Stadt Mömpelgard (Montbeliard), besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, seit 1784 die Karlsakademie zu Stuttgart und wurde 1788 Hauslehrer bei dem Grafen d'Heriex auf dem Schlosse Fiquainville in der Normandie, wo ihn die Nähe des Meers zu naturhistor. Untersuchunen veranlaßte. Er wurde dort mit dem Abbe essier bekannt, der durch seine Verbindungen mit pariser Gelehrten C. 1795 einen Ruf nach Paris als Professor an der Centralschule des Pantheon verschaffte. Kurz nachher wurde C. zum Gehilfen Mertruds, des Lehrers der vergleichenden Anatomie am Jardin des Plantes, ernannt und begann eine naturhistor. Sammlung zu gründen, die zur größten Europas geworden ist. Im J. 1796 zum Mitgliede des Nationalinstituts ernannt, wurde er 1800 Daubentons Nachfolger am Collége de France, 1808 Rat der neuen kaiserl. Universität und mit der Einrichtung von Akademien in den neuen Gebietsteilen des Kaiserreichs, in Italien, Holland und den Hansestädten betraut, 1813 Requétenmeister im Staatsrate und nach Mainz als außerordentlicher Kommissar gesandt, um die Bewohner des linken Rheinufers zur Erhebung gegen die Verbündeten zu vermögen, die jedoch so rasch vordrangen, daß C. umzukehren gezwungen war. Im J. 1814 wurde C. Staatsrat, 1818 Mitglied der Dardrasthhen Akademie, 1819 zum Rang eines arons erhoben, von Ludwig XVIII. in den Kabinettsrat berufen und erhielt 1822 die Oberaufsicht über die prot.⸗theol. Fakultäten. Unter Ludwig Philipp behielt er alle Amter und Würden, wurde 19. Nov. 1831 Pair von Frankreich, und sollte zum Minister des Innern ernannt werden, als er am 13. Mai 1832 starb. C. suchte die Zoologie 1—5 die vergleichende Anatomie zu gründen und erhob diese letztere zuerst zur Wissenschaft. Nachdem er mit eisernem Fleiße eine zahllose Menge Tiere und besonders die noch wenig gekannten Weichtiere untersucht, gab er die „Leçons d'anatomie comparéen (5 Bde., Par. 1801—5; neue Ausg., von vielen seiner Schüler rordep und M besorgt, Par. 1840; deutsch von roriep und Meckel, 4 Bde., Lpz. 1808—10) heraus, die er in den Mémoires pour servir à Thistoire de Lanatomie des mollusqueso (Par. 1816) ergänzte. Von diesen Untersuchungen ausgehend, tellte er den Satz auf, daß das Tierreich aus einer beiche, der Anzahl von Typen (Embranchements) bestehe, deren jeder seine besondere, von den andern unabhängige Ausbildung zeige: Wirbeltiere, Mollusken, Gliedertiere, Strahltiere. In den Recherches sur les ossements fossileso (4 Bde., 1812; 4. Aufl. 1835) wandte er die Sätze der verr Osteologie auf die vorweltlichen Wireltiere an. Bei diesen Untersuchungen wurde C. besonders von Laurillard unterstützt. Im Verlaufe der geognost. Untersuchungen des pariser Beckens, die er mit Alex. Brongniart unternahm, kam C. zuerst zu der Ansicht, daß abwechselnd Fluten vom Süßwasser und vom Meer die Erdoberfläche verändert haben müssen. C. besaß in hohem Grade die Fähigkeit, wissenschaftliche Forschungen allgemein verständlich und in glänzender Sprache darzulegen. Ausgezeichnet in dieser Hinsicht ist namentlich die Einleitung zu dem letztgenannten Werke, der besonders gedruckte und vielfach aufgelegte Discours sur lées révolutions de la surface du globe et sur les changements qu'elles ont produits dans le règne animab (deutsch von Nöggerath, 2 Bde., Bonn 1830; von Giebel, Lpz. 1851). Cis Hauptwerk ist Le regne animalb (4 Bde., Par. 1817; anelh von Schinz, Stuttg. 1818), dessen zweite gänzlichumgearbeitete Auflage 1829 fg. erschien (5 Bde.; deutsch von Voigt, 6 Bde., Lpz. 1831 — 42). Viele Ausgaben des Werks, zum Teil reich illustriert, sind seither erschienen. In Verbindung mit Valenciennes begann er schon 1828 seine Histoire naturelle des poissonso (22 Bde., Par. 1828 — 49), die von jenem fortgesetzt, aber nicht beendet wurde. Auf dem Gebiete des Unterrichtswesens entwickelte C. gleichfalls eine unermüdliche Thätigkeit; er vertrat mit Eifer die Interessen der prot. Kirche Frankreichs und erlangte für sie die Errichtung von 50 neuen Pfarreien. In der Kammer unterstützte er aus Liebe zur Ordnung die 1e sder wilkurlichen während er auf der andern Seite jeder willkürlichen Verletzung der Volksrechte sich widersetzte. Fremdes Verdienst erkannte er stets mit Gerechtigkeit an; mit der deutschen Sprache und Litteratur vertraut, verfolgte er mit Leichtigkeit die Entwickelung der deutschen Naturforschung. Vgl. Lee, cMemoirs of Baron C.v (Lond. 1833) und Pasquier, loge de C.v» (Par. 1833).