FeedCharakterlosigkeit
AllerleiBrockhaus 1882

Charakterlosigkeit mit sehr kenntlicher Individualität vereinigt, ja jene kann selbst ein bezeichnender Zug von dieser sein. Darin jedoch, daß jemand überhaupt einen C. hat, liegt noch keine Bürgschaft für den sittlichen Wert dieses C., obgleich ohne C. die Moralität immer nur auf schwachen Füßen stehen wird. Der C. ist das, wozu sich der Mens durch beharrlichen Willen selbst macht; und folgli kommt erst durch ihn im Menschen sowohl das Gute als auch das Böse zur vollen Ausbildung. Man sollte deshalb von angeborenem C. nur im Sinne der psychol. Individualität sprechen; für den C. im moralischen Sinne bringt der Mensch zwar die Anlagen und Veranlassungen in seiner Persönlichkeit mit auf die Welt, aber den wirklichen C. in diesem Sinne erwirbt er erst durch die bewußte Thätigkeit des sittlichen Wollens. Obgleich also der C. immer nur ein Resultat der Selbsterziehung des Menschen sein, nicht aber von außen angelehrt oder angebildet werden kann, so gehört es doch mit zu den Hauptaufgaben der Pädagogik, auf sittliche

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 187Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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