Causalität (Ursachlichkeit) bezeichnet das Verhältnis der Ursache zur Wirkung. Entweder sagt man von einem Dinge, es chabe Causalitäto, indem man ihm dadurch irgendeine bestimmte Wirkungsart und Wirkungskraft zuschreibt, oder man spricht von der C. als einem metaphysischen Gesetze, wonach das Verhältnis von r. und Wirkung eine allgemeine und notwendige Beziehung in der Wirklichkeit ausdrücke. Im letztern Sinne spricht sich das Gesetz der C. in der gewöhnlichen Ausdrucksweise wohl am besten so aus: Jedes Ding Ien seine Ursache.» Doch zeigt eine genauere Überegung, daß dies nur insofern gelten kann, als die von uns gewöhnlich als solche bezeichneten Dinge nur vorübergehende Produkte des allgemeinen Naturlebens sind, daß auf das eigentlich wesenhafte Sein der Begriff der C. nicht anwendbar ist, und daß der präzisere Ausdruck jenes Gesetzes lauten muß: «Alles Geschehen, Werden und Verändern hat seine Ursache.v *0 dieser allgemeinen Form ist der Satz der C. ein beherrschendes Prinzip, unter welchem wir die ganze Mannigfaltigkeit der äußern wie der innern Erfahrung in Verbindung und Beziehung setzen. Bei der Auffassung und Feststellung jedoch einzelner causaler Verhältnisse fallen diese selbst nicht unmittelbar in die Erfahrung; wir nehmen nicht dasjenige wahr, wodurch ein Ding in das andere eingreift, sondern wir müssen uns an die konstante Aufeinanderfolge gewisser Ereignisse halten und können nur darauf das Urteil gründen, daß das eine die Ursache des andern sei: wir können das propter hoc nur aus dem post hoc erkennen. Diese Unwahrnehmbarkeit und Unbegreiflichkeit des wirklichen Causalverhältnisses hat mißt, sind unter K aufzusuchen. die mannigfachsten philos. Theorien über die C. hervorgerufen. Cartesius und besonders seine Nachfolger, welche deshalb als Occasionalisten bezeichnet werden, glaubten sich so helfen zu können, daß sie das sonst als Ursache bezeichnete Geschehen nur die gelegentliche Veranlassung (causa occasionalis) nannten, auf Grund deren Gott die Wirkung hervorbringe. An die Stelle dieses fortwährend sich wiederholenden setzte Leibniz das einmalige Wunder der prästabilierten Harmonie, wonach die Veränderungen der Dinge ein für allemal so geordnet sind, daß sie miteinander im ursächlichen Verhältnis zu stehen scheinen, obwohl sie in Wahrheit ganz unabhängig voneinander, nur in vorherbestimmter Harmonie verlaufen. Tiefer drang der Skeptizismus von David Hume, welcher die C. für einen rein subjektiven, aus der Beobachtung stetiger Wiederholungen desselben Zeitverhältnisses entspringenden Begriff erklärte. So richtig dies für die einzelne Anwendung des allgemeinen Causalitätsprinzips ist, so wenig konnte doch diese Lehre Kant genügen, als er dem Ursprung dieses Prinzips selber nachforschte und die Begründung desselben in der eigentümlichen Organisation der menschlichen Vernunft untersuchte. Das Resultat lautete bei ihm so, daß der Begriff der C. unter den angeborenen Stammbegriffen, den Kategorien, zu suchen sei, mittels deren die Vorstellung der Erfahrungswelt überhaupt erst zu Stande kommt, und daß er deshalb als allgemeines Gesetz der Verknüpfung für alle sinnlichen Erscheinungen, aber auch nur für diese und nicht für die Dinge an sicho gelte. Zwar vermochte Kant diese Grenze der Anwendung des Causalitätsbegriffs weder in der theoretischen noch besonders in der praktischen Philosophie festzuhalten: allein sein bleibendes Verdienst bleibt der Nachweis von der Apriorität des Causalgesetzes, d. h. davon, daß dasselbe eine im Wesen der erkennenden Vernunft angelegte und deshalb unvermeidliche Voraussetzung über den Zusammenhang der Wirklichkeit enthält. Diese Bedeutung hat unter den nachkantischen Philosophen ganz besonders Schopenhauer betont, welcher sich außerdem das besondere Verdienst erwarb, die zu vielen Mißvertändnissen Anlaß gebende Verwechselung zwischen m metaphysischen Prinzip der C. und dem logischsychol. Prinzip des zureichenden Grundes durch scharjsinnige Analyse zu zerstören. Vgl. Schopenhauer, Uber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunder (4. Aufl., Lpz. 1875).