Charakterbildung hinzuwirken, weniger durch vieles Ermahnen und Zureden als durch aufmunterndes Beispiel, bildenden Umgang, kräftige Geistesnahrung und Einführung in Ideenkreise, welche geeignet sind, selbständige Entschlüsse zum Guten zu wecken, die Keime zu nützlichen Lebensplänen zur Reife zu bringen und das Niedrige und Gemeine in seiner Verächtlichkeit erscheinen zu lassen. nißt, sind unter K aufzusuchen. In den Künsten wird als charaktervoll oder charakteristisch die Auffassung und Darstellung des individuell Bestimmten und in sich Bedeutsamen verstanden im Gegensatze zum Idealen als der diunichung des Gemüts durch anschauliche Versinnlichung großer Ideen. So z. B. sind Shakspeares Dramen unübertroffene Muster von treffender und scharfer Charakteristik, wozu Schillers Dramen den Gegensatz einer mehr idealen Schöpfung bilden. Ahnlich steht die niederländ. Malerschule zur italienischen im Gegensatze der Charakteristik zum Ideal. 2 Endlich wird das Wort C. in seiner ursprünglichsten Bedeutung, wo es ein Eingeschnittenes oder Eingeprägtes bedeutet, für Schriftzeichen gebraucht, und es spielt diese Bezeichnung eine eigentümliche Rolle in der philos. Zeichensprache (ingua characteristica), mit der sich unter anderm auch Leibniz beschäftigt hat. Vgl. Trendelenburg, „Histor. Beiträge zur Philosophied (Bd. 3, Berl. 1867). harakterrollen sind in der Schauspielkunst Rollen, deren vorherrschende Aufgabe in der durchbelent r Darstellung individueller Eigentümlichkeit esteht, im Gegensatz zu Rollen, die entweder bloß rhetorische Aufgaben darbieten oder nur die allgemeine Eigenheit ihrer Gattung zeigen. Es gibt daher C. in allen Fächern, in den jugendlichen wie in den ältesten, in denen, welche Lachen, wie in denen, welche Abscheu erregen sollen. Zu den jugendlichen C. gehört Hamlet, zu den ältern Philipp II., zu den dasen Bolingbroke. Kleinere C. fallen häufig in as Gebiet der achargierten Rollen». Bei Dichtern von 164.r. Schöpfungskraft, wie Shakspeare, haben alle Gestalten so viel individuelles Leben, daß man versucht wird, die hervortretenden Gestalten sämtlich für C. zu erklären. Auch möchte man an die Schauspielkunst überhaupt die Forderung stellen, daß sie jeder Rolle ein individuelles Gepräge zu geben, sie als C. zu behandeln bemüht sein solle.