FeedConversationsstücke
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Conversationsstücke heißen in der Bühnensprache gewisse, meist lustspielartige Stücke, die sich in der Sphäre der höhern Stände bewegen und im Dialog den gewählten Ton der feinern Gesellschaft festhalten. Entwickelung und Darstellung mächtiger Leidenschaften sind ihnen fremd; das Hauptgewicht wird in ihnen vielmehr auf eine geistvolle Conversation gelegt. Obschon die C. dazu beitragen, den Geschmack des Publikums für das heroische und histor. Schauspiel, für gewaltige Katastrophen und hochpoetische Kompositionen zu schwächen, so haben sie andererseits doch das Verdienst, daß sie dem Sinn der Menge für das bloß Possenhafte, Rohe, Derbe und Gemeine ein Gegengewicht bieten. Wiewohl es auch ernste C. mit tragischen Situationen gibt, so Anadern man doch darunter vorzugsweise das feine, moderne Lustspiel, wie es unter den Deutschen namentlich Bauern-Aue u. a., und in Dune neuerdings Emile lugier, der üngere A. Dumas, Feuillet, Sardou u. a. mit vielem Erfolge kultiviert haben. n der Malerei versteht man unter C. solche Bilder, welche Scenen des gewöhnlichen Lebens darstellen und, ohne einen idealen Zweck zu verfolgen, eine möglichst genaue Nachahmung der Wirklichkeit anstreben. Die Künstler dieser Gattung von Gesellschaftsmalerei sondern sich in zwei Hauptruppen. Die einen lieben die derben, komischen notive; sie wählen daher gern Gegenstände aus den niedern Kreisen des Volks, sog. «Bambocciadeno: Trinkgelage, Spielpartien, Hochzeiten Kirchweihen, Verrmidern kurz Momente, in welchen das Treiben der niedern Volksklassen von der heitern Seite zur Erscheinung kommt. Andere Meister bewegen sich in den Regionen der mittlern, wohlhabenden Stände, stellen die kleinen Leiden und Freuden des häuslichen Lebens und des gewerblichen Verkehrs, sowie Conversationsscenen im eigentlichen Sinne dar. Beide Arten dieser Gattung wurden von den niederländ. Malern des 17. Jahrh. mit großem Erfolge zu eigenen Kunstgattungen ausgebildet, und für die erste Art sind Teniers, Ostade, Brouwer, für die zweite Terburg, Metsu, Jan Steen, G. Dow, Mieris unübertroffene Muster.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 577Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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