Charleroi, Stadt in der belg. Provinz Hennegau, an der schiffbaren Sambre, zwischen Mons und Namur und mit diesen sowie mit Brüssel durch Eisenbahnen verbunden, zählt 16500 E. Die erste Befestigung des Ortes, der ursprünglich Charnoy hieß, unternahmen 1666 die Spanier, die ihn auch nach ihrem König Karl II. benannten. Das Anrücken eines franz. Heeres 1667 hinderte sie, den Bau zu vollenden. Ludwig XIV. ließ denselben durch Vauban sogleich fortsetzen und vollenden. Hierauf wurde C. im Frieden zu Aachen 1668 an Frankreich abgetreten, in dem von Nimwegen 1678 an Spanien zurückgegeben, 1693 von den Franzosen unter Marschall Villeroi und 1697 wieder von den Spaniern erobert. Die Festung 1, mel 1746 sich an den Prinzen von Conti ergeben, siel aber 1748 durch den Aachener Frieden an Esterreich zurück. Während der Revolutionskriege wurde sie 1794 von den Franzosen viermal eingeschlossen und beschossen, jedoch dreimal entsetzt und erst, als die Besatzung auf einige Hundert zusammengeschmolzen war, 25. Juni durch Kapitulation genommen, worauf das Schleifen der Festungswerke erfolgte. Da der Feldzug von 1815 die Wichtigkeit dieses Punktes von neuem praktisch bewies, 10 ward die Festung wiederhergestellt, aber nach dem neu eingeführten belg. Landesverteidigungssystem (1859) gleich den übrigen Festungen der Südgrenze wieder abgerissen. Die Stadt ist der Sitz eines Gerichtshofs erster Per Mitte besitzt ein königliches Gymnasium. C. ist der Mittelpunkt einer fortwährend sich entwickelnden Eisen⸗ und Kohlenindustrie; der 0 Bezirk (er begreift 16 Hovlenern mit mehr als 5000 E.) ist Ubersäet mit Kohlengruben und Hüttenwerken aller Art: Hohöfen, Coksöfen Schmelzhütten, Walzwerke, Glashütten, Eisenfabriten u. s. w. mißt, sind unter K aufzusuchen. Der Kanal von Charleroi, 1832 eröffnet, bildet von dieser Stadt aus eine für den Steinkohlentransport höchst bequeme Wasserstraße nach Brüssel, woselbst er in den Kanal von Willebroek zwischen Brüssel und Antwerpen einmündet.