FeedChärkow
ErdkundeBrockhaus 1882

Chärkow, Khärkow, Hauptstadt des europ.⸗ russ. Gouvernements gleiches Namens (54494 qkm mit 11 Kreisen und 2027165 E.) in der slobodischen Ukraine, am Udy (einem rechten 7 5 des Donez), welcher hier den Lopan und die Charkowka aufnimmt und dadurch die Stadt in drei Teile teilt, dessen Stagnation aber die Luft im Sommer bisweilen sehr ungesund macht, und ist durch Eisenbahnen mit Jelisawetgrad, Kursk und Rostow verbunden. Die Stadt ist eine der schönsten Südrußlands und zählt (1879) 101175 C., darunter viele Adelige und reiche Kaufleute. Ein Teil trägt noch das Gepräge des Dorfs, aus welchem die Stadt 1650 durch den Kosakenhetman Chmelnizki entstanden ist; ein anderer hat lange, Wiun und breite, aber ungepflasterte, bei nasser Witterung unwegsame Straßen mit hölzernen Giebelhäusern; ein dritter ist modern in europ. Weise Gebindt mit großen Plätzen und palastähnlichen Gebäuden. Der Ort ist Sitz eines Civilgouverneurs und des Erzbischofs von C. und Achtyrka und hat seit 1804 eine Universität, zu welcher eine Bibliothek, ein botan. Garten, ein Naturalien⸗, ein Münz⸗ und ein physik. Kabinett gehören, zwei Gymnasien, eine Handelsschule, drei Banken, eine öffentliche, eine Handels⸗ und eine Landesbank, ein Seminar, eine weltliche und eine geistliche Kreisschule, eine Pfarr⸗ und eine Lancasterschule, ein adeliges Fräuleinstift, ein Waisenhaus, eine Kathedrale mit 95 mhohem Glockenturm, eine lutherische und 16 andere Kirchen, zwei Klöster, ein Theater und einen hübschen Stadtgarten. Es bestehen hier eine 1838 gegründete Wollhandelskompagnie und 62 Fabriken von Manufakturen mit einer jährlichen Produktion von 1766 000 Rubel, darunter Wollwäschereien, Maschinenfabriken, Lichtfabriken, Färbereien, Lackierfabriken, Equipagenfabriken und Seifensiedereien. Bei weitem ein 250 ist der Zbwischenhandel, den namentlich ein Woll⸗, drei ferde- und drei Jahrmärkte fördern, von denen der kretschenskische (vom 6. bis 26. Jan. alten Stils) einen Umsatz von mehr als 5 Mill. Rubel hat. Die 14tägige Wintermesse beginnt mit dem großen Pferdemarkte, zu welchem bis 10000 Pferde gebracht werden. Zur eigentlichen Messe erscheinen Kaufleute aus allen Teilen des Reichs, daher die vielen Logierhäuser und großen Bazars der Stadt. Die Hauptgegenstände des Handels sind Wolle, Hornvieh, Getreide, Wein, Thee, Zucker u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 192Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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