FeedCharon
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Charon, nach der griech. Mythe der Sohn des Erebos und der Nyr, 0 die Verpflichtung, die Verstorbenen über die Flüsse der Unterwelt zu führen; für seine Muhe erhielt er ein Fährgeld, einen Obolos (ungefähr einen Groschen), den man deshalb den Toten in den Mund gab. Wie nach alter Anschauung diejenigen, die auf der Oberwelt keine Begräbnisstätte gefunden hatten, als Schatten an den Ufern des Acheron umherirren mußten, so glaubte man dann auch, daß die Toten, die keinen Obolos hätten, warten müßten, bis C. sich erweichen lasse, sie überzusetzen. C. wird dargestellt als ein Greis in der Eromis (dem kurzen, Arme und rechte Schulter freilassenden Gewande der Schiffer und Handwerker). Virgil schildert ihn als finstern Alten mit struppigem Barte und schmutziger Kleidung. Auf etrusk. Monumenten, wo C. oft als der rächende Vergelter von Übelthaten im Leben erscheint, führt er meist einen Hammer. Zuletzt wurde C. zu einem Repräsentanten der Unterwelt und des Todes überhaupt und lebt als solcher noch jetzt im Volksglauben der Neugriechen fort. Vgl. Krüger, „C. und Thanatoso (Charlottenb. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 195Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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