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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Chasaren, ein südosteurop., wahrscheinlich finn.⸗türk. Stamm, der bei den griech. und lat. Schriftstellern des Mittelalters als Katziri, Akatziri, Akatiri erscheint. In dem Völkergedränge, besonders seit den bulgar. Wanderungen des 7. Jahrh., wurden sie weiter südlich in die Gebiete des Kaukasus vorgeschoben, wo sie den heraufdringenden Mohammedanern begegneten und mit diesen um den Besitz von Derbent, Georgien, Armenien und der nordwestpers. Grenzländer kämpften. Seit dem 8. Jahrh. befestigten sie gegen die tetraxitischen Goten ihre Macht in der Krim; ihre Fürsten (Chakane) traten vom Islam zum 5. den w über. Ihr jüd. Glaube hat im 10. ahrh. den mit Unrecht verdächtigten Briefwechsel des span. Juden Chisdai Ben-Isaak und des Chasarenkönigs Joseph Ben-Ahron veranlaßt (von Joh. Buxtorf mit dem Buch «Cosari und neuerdings von Harkawy in Röttgers Russ. Revue », 1875, herausgegeben). Das Reich der C. erstreckte sich von der Emba zum Dnjepr und Bug; es reichte vom Kaspischen Meere, welches 1000 ihnen noch jetzt von den Arabern das Meer von Chasar (Bahr Khazar) heißt, dann vom Pontus und den südl. Abhängen des Kaukasus um Derbent, wo es an die mohammed. Besitzungen grenzte, bis zur mittlern Wolga, zum Quellgebiet des Donez und über Kiew hinaus ur Oka. Die Chasarenfürsten standen gewöhnlich in gutem Vernehmen mit dem Byzantinischen Reiche. Ihre alte Hauptstadt Balandshar (Belendsher), das jetzige Astrachan, lag unfern der Mündung der Wolga oder des Itil. Mit Hilfe byzant. Architekten wurde 835 eine neue Residenzerbaut, Sarke oder Weißstadt (das Bjelaweschie der Russen, d. i. Weißturm, in der Nähe der katschalinischen Kosakenstaniza) genannt, welche den C. in der Folgezeit, nachdem die Petschenegen von den Usen bereits über den Don gedrängt waren, als Grenzfestung gegen das erstere Volk diente, aber schon um 1300 in Trümmern lag. Mit den griech. aumeistern kam auch wohl Konstantin aus Thessalonich, der sich später Cyrillus nannte, in das Land der C. und bekehrte das ganze Volk oder wenigstens einen Teil desselben zum Christentume. Swiatoslaw, der erste russ. Beherrscher mit slaw. Namen (965), besiegte die Wjätitschen, welche in den heutigen Kreisen Kaluga, Tula und Orel saßen und noch immer den C. Zins entrichteten, schlug dann diese selbst und er⸗ „oberte ihre Festung Sarkel. Es scheint, daß die rRussen damals alle chasar. Gebiete an dem östl. Gestade vom Asowschen Meere und won der „Bucht von Taman eroberten. Nur in der Krim . blieb noch ein Schatten der chasar. Macht, die e später (1016) ebenfalls den uew Kräften , der Griechen und Russen unter Mstislaw von Ta-Trmatarcha, dem Sohne Wladimirs, unterlag. Ungenau komm i kirchlick Name C. noch bis in die spätern Jahrhunderte des TrMittelalters vor zur Bezeichnung der Bewohner vermißt, sind unter K aufzusuchen. der Krim und der Anwohner des Kaspischen und des Schwarzen Meers; sicherer sind die Spuren, welche von der Chasarenherrschaft sich in einzelnen russ. Ortsnamen erhalten haben. Daß man in den Karäern Nachkommen des zum Mosaismus bekehrten Teils der C. finden dürfte, ist sehr zweifelhaft. Vgl. Frähn, EExXcerpta de Chasariso (Petersb. 1821), und desselben Ibn Foszlan (Petersb. 1823); Neumann, «Die Völker des südl. Rußlando⸗ (Lpz. 1847); Cassel, «Magyar. Altertümer » (Berl. 1848); Chwolson, Ibn Dasta (in russ. Sprache, Petersb. 1869); Rösler, KRumän. Studienp (Opz. 1871); Dorn, Caspiap (Petersb. 1875). *

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 201Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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