Chassepotgewehr ist die am meisten gebräuchliche, vom Namen des Erfinders entnommene Benennung für das franz. Infanteriegewehr, Modell 1866. Trotzdem man sich in Frankreich dem Vor-Dane Preußens, welches schon 1841 ein Hinteradungsgewehr (Zündnadelgewehr) hatte, nicht anoto fanden bei der Schießschule von Vincennes och häufig Prüfungen von Hinterladungsgewehren statt. Ein solches legte 1858 ein Arbeiter im Dépôt central de ''Artilleriezu Paris, Antoine Chassepot (geb. 1833) vor. Es war ein Hinterladungs-W mit be enebende und einer aus einer autschukscheibe bestehenden, am Kopf des Verschlußcylinders angebrachten Liderung, welches von der unter Leitung des Oberstlieutenants Neßler stehenden Schießkommission in den folgenden Jahren weiter vervollkommnet und auch 1863 zur Prüfung an die Truppen ausgegeben wurde, ohne indes ein günstiges Ergebnis zu erlangen. Durch die Erfolge des preuß. Zündnadelgewehrs von 1864 aufmerksam gemacht, änderte man das C. jetzt in entsprechender Weise um; ein unglücklicher Zufall beim Schießen mit einem Gewehr ließ aber den Eifer bald wieder erkalten. An den weitern Versuchen (1865 — 66) scheint Chassepot selbst den thätigsten Anteil genommen zu haben, doch brachte erst die Schlacht von Königgrätz (Sadowa) die Sache zum Abschluß. Durch Dekret vom 30. Aug. 1866 wurde das C. zur franz. Ordonnanzwaffe erhoben und die Anfertigung so eifrig betrieben (unter vorherrschender Zuhilfenahme der in-und ausländischen Privatindustrie), daß 1868 bereits die ganze aktive Armee mit dem C. ausgerüstet war. Vgl. Das C. und die Chassepot-Taktik der Franzosene (Darmst. 1868). Die hervorstechenden Vorzüge des C. vor dem preuß. Zündnadelgewehr beruhten auf dem kleinen Kaliber (mm), dem bessern Gasabschluß und der leichtern Handhabung. Die leichte Kavallerie erhielt den etwas kürzern Karabiner gleichen Modells. Die erste Feuerprobe bestand das C. bei Mentana 3.Nov. 1867 (gegen die Garibaldianer), doch wurden die veilamenhaften Lobpreisungen der franz. Blätter in militärischen Kreisen vielfach angezweifelt. Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 —71 zeigte sich dann die Überlegenheit des C. über das preuß. Zündnadelgewehr in unwiderleglicher Weise, die sich namentlich in den Verlusten geltend machte, welche die Deutschen auf größere Entfernungen erlitten, wo sie mit ihrem kaum halb so weit tragenden Gewehr das Feuer zu erwidern außer Stande waren. Die mancherlei Mängel, die das C. in technischer Hinsicht zeigt, haben zu einer 1874 befohlenen Umänderung desselben geführt. Man hat die Metallpatrone abgenommen und den Mechanismus nach dem System des Eskadronchefs Gras umgeormt, wodurch das Gewehr in seiner Leistungsähigkeit erheblich gesteigert worden ist. Die große Zahl der 1870—71 seitens der Deutschen erbeuteten C. ist vorübergehend für die Bewaffnung der deutschen Kavallerie mit Chassepot-Karabinern verwertet worden, indem man die Gewehre um etwas verkürzte. (S. Handfeuerwaffen.)