Chastellain (Georges), franz. Geschichtschreiber und Dichter, geb. 1404 oder 1405 im Gebiete der belg. Stadt Aelst, wo Ram Ahnen die Kastellanei verwalteten (daher der Name), trat nach vollendeten Studien in die Dienste des Herzogs Philipp des Guten von den Wereh dessen Vertrauen er gewann und auf dessen .8 er viele Reisen nach Frankreich, der Bretagne, Burgund und dem Rhein ausführte. Im J. 1455 zog er sich mit dem Titel eines Historiographen (indiciarius) aus dem burgund. Dienste zurück und lebte zu Valenciennes, mit geschichtlichen und belletristischen Arbeiten beschäftigt. Narl der Kühne belohnte C. 2. Mai 1473 mit dem Ritterschlag. C. starb im Febr. oder März 1475. Als Geschichtschreiber zeichnet er sich durch Unparteilichkeit aus, als Dichter ist er weitschweifig und schwülstig. Sein Hauptwerk sind seine «Chroniqueso, nur lückenhaft überliefert; sie erstrecken sich von 1419 bis 1470 und wurden zuerst fragmentarisch 1825 und 1837 durch Buchon bekannt gemacht, zuletzt von Kervyn von Lettenhove mit den ubrigen Schriften Cas herausgegeben (8 Bde., 1863—65). Von den ubrigen Werken verdienen Erwähnung: „Exposition sur vérité mal prisen (Rechtfertigung gegen franz. Anschuldigungen), Entrée du roy Louis XI en nouveau règnen, Dépréciation pour messire Pierre de Brezé, Le temple de Boccace (eine Trostschrift für Margarete von Anjou), Les hauts faits du duc Philippeo, Advertissement au duc Charleso, Le livre de paixo (gelegentlich des Friedens von Péronne). Von den poetischen Schriften sind zu nennen: „Loultré d'amour v, Epitre ð Charles VIIV, Le thröne azuré) (für denselben König gedichtet), Le mystère de la mort de Charles VIL„, KLa complainte d'Hectoro, Le miroir des nobles hommes de Franced, Le mystére de la mort du duc Philippen, &Les douze dames de rhétorique, La recollection des rmißt, sind unter K aufzusuchen. tire gegen Ludwig XI.) u. a.