Cherbourg (Coriallum, Caesaris burguo), erster Kriegshafen Frankreichs und Handelshafen, Hauptstadt des ersten Seebezirks und eines Arrondissements im franz. Depart. La Manche, liegt an der Mündung der Divette, im Aen Bucht einer nahezu kreisförmigen, 8 km breiten Bucht, welche die in den Kanal vorspringende normann. Halbinsel Cotentin (die nordwestlichste Spitze Vider reichs), 22 km östlich vom Kap La Hague, bildet, und ist durch die 371 Em lange Hauptlinie der Westbahn mit Paris verbunden. Die Entfernung von dem engl. Kriegshafen Portsmouth beträgt 135 km. Die Stadt, gut, aber altertümlich gebaut und mit reizenden Spaziergängen versehen, ist Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Handels⸗ und Marinegerichts, einer Artilleriedirektion, und hat ein Kriegsarsenal, ein schönes Civilhospital, ein neues Marinehospital, eine Börse, eine Handelskammer, ein Kommunal-Collége, eine Hydrographische Schule, eine Stadtbibliothek nebst Antiquitäten⸗ und Naturalienkabinett, eine Bibliothek von 13000 Bänden, eine Gemäldesammlung (Musée Henri), eine Acker⸗ und Gartenbaugesellschaft, ein Theater und Seebäder. Vor dem Stadthause steht eine bronzene Reiterstatue Napoleons I. (seit 1857) und ein kleiner Obelisk zu Ehren des Herzogs von Berris (seit 1817). C. zählt (1881) 35333 CE. Seine mißt, sind unter K aufzusuchen. Industrie umfaßt alle Gewerbe, welche die Arbeiten im Arsenal und in den 0 bedingen, außerdem Fabrikation von Chemikalien, gedruckten ! rei, Gerberei, starke Fischerei und Ausrüstung zum Stockfischfang. Der Handel liefert England und dessen Kanalinseln Eier, Geflügel und die N. bringt gesalzenes Fleisch und Provisionen für die Kolonien zur Ausfuhr, außerdem Seegras, Soda und Salz, wogegen die Einfuhr hauptsächlich aus Holz, Eisen, Hanf, Flachs, Erdpech und Kolonialwaren besteht. Der an der Mündung der Divette gelegene Handelshafen faßt 240 Schiffe und besteht außer dem Vorhasen aus einem Bassin von 408 m Länge und 127 m Breite, mit einer 20 m breiten Schleuse, welche zur Ebbezeit das Wasser innenhält. Der hafen erlangt, ein Prachtwerk der Hydrotechnik und einer der größten und stärksten, die es gibt. Ludwig XIV. ließ den Bau 1686 durch Vauban beginnen; Napoleon I. gab die frühern Wasserbauwerke auf, in deren Schutze bei günstigem Winde nur etwa 40 Linienschiffe sicher ankern konnten, und dekretierte als Erster Konsul 15. April 1803 den Bau des Kriegshafens an der Westseite der Bucht von C., getrennt von der Stadt. Denselben sollten drei Aasun u Bassins bilden, ein Vorhafen, ein Flutbassin und ein Hinterhafen, der erste zum Ein⸗ und Auslaufen, der zweite zur Aufnahme der ausgerüsteten Fahrzeuge, der dritte zur Ausrüstung derselben. Nach diesem Prinzip is seitdem streng verfahren und der Plan des Oheims von Napoleon III. in seiner ganzen Großartigkeit vollendet worden. Zunächst wurde das Bassin des Vorhafens aus dem Felsboden gesprengt und 27. Aug. 1813 in Gegenwart der Kaiserin Marie Luise inauguriert. Dieser Vorhafen ist 222 m lang, 136 mbreit. Die Tiefe beträgt 9,m unter der niedrigsten Ebbe und 19 m unter dem Niveau des“ Arsenals. Der Fane von der Reede zum Vor-Preft ist, durch keine Schleuse geschlossen, 64 m reit, hat jedoch bei alh ie Ebbe nur 4,87 m Wasser. Es können deshalb die großen Schiffe nur zur Zeit der Flut ein-und auslaufen. Nach Vollendung des Vorhafens schritt man zur Herstellun des Flutbassins (Bassin à flot) im Norden desselben durch Aussprengung eines Docks, das 25. Aug. 1829 vollendet wurde. Es hat die Gestalt eines Rechtecks von 291 m Länge und 217 m Breite und gleiche Tiefe wie der Vorhafen, mit dem es durch eine Schleuse von 13 m Breite in Verbindung steht. Das Bassin Napoleon III., im Westen der beiden andern, 28. Juni 1836 in Angriff genommen und 7. Aug. 1858 von Napoleon III. in Gegenwart der Königin Victoria von England eingeweiht, ist größer und nur wenig tiefer als jedes der beiden andern Bassins, 420 m lang, 200 m breit. Es je von Cherbourg. steht mit beiden durch Schleusen in Verbindung und kann 14 Linienschiffe aufnehmen, während in allen drei Bassins (22 ha Fläche) 40 Linienschiffe Platz finden. Außerdem vermögen aber noch 30 Linienschiffe auf der durch einen 3780 m langen Damm geschützten Reede unter allen Wetterverhältnissen sicher zu ankern. Zwei breite Einfahrten führen im Westen (2300 m) und Osten (1000 m) zur Reede. Die drei Bassins, namentlich der Hinterhafen, sind von allen möglichen Etablissements, Werkstätten, Docks u. s. w. umgeben, die zum Neubau, zur Ausrüstung und Verproviantierung von Kriegsschiffen jeden Ranges notwendig. Das Arsenal hat fast die Form eines Rechtecks von 755 m Länge und 565 m Breite und bedeckt 1416 ha. Hafen und Stadt sind außerordentlich stark befestigt. Fort Homet und Fort von Point de Flamands beherrschen die Reede und den Hafeneingang, und eine Kette von zahlreichen Forts und Redouten, auf den Spitzen des den Hafen und die Stadt im Halbkreise umgebenden Höhenzugs errichtet, bilden eine äußere Verteidigungslinie nach ißt, sind unter K aufzusuchen. der Landseite, nur 1130 m von der Küste entfernt, sodaß auch diese die Reede, im Fall eines Angriffs von der Seeseite, beschießen können. Die großartigsten Verteidigungswerke der Reede und des Hafens liegen jedoch be dem 1784 — 1853 errichteten Damm. Derselbe besteht aus ins Meer versenkten Felsmassen von 200 m Breite, erhebt sich bis an die Meeresfläche in schräger Fläche und hat oben eine bis 60 m breite Plattform, auf welcher die 4½— Seemauer steht. Er ist an der Krone 9 m dick und 9,28 m über dem Niveau des Tiefwassers hoch und hat 66820000 Frs. gekostet. Der Damm trägt drei mit den schwersten Geschützen bewaffnete Forts (Central, Musoir-Ouest und Musoir-Est) und zwischen diesen Huudoir vel Reihen von Batterien. Das Fort du Musoir de l'Est und die stark befestigte Insel Pelée verteidigen den östl. Eingang zur Reede; der westl. Eingang wird durch das in der Mitte auf einer Klippe errichtete Fort, Basse Chavagnac, verteidigt. C.s Reede hat fünf Leuchtzener (auf den drei Forts des Wellenbrechers, der Insel Pellé und auf Fort Querquille im Westen), von denen drei auf 16 km Fie fran N sichtbar sind. Im April 1882 beschloß die franz. Regierung, die Hafenanlagen von C. durch ein neues, in Felsen auszusprengendes, zur Aufnahme der größten Panzers ciste geeignetes Bassin, dessen Herstellung auf 40 Mill. Frs. veranschlagt ist, zu erweitern. C. war ursprünglich ein festes Schloß; 1066 wird ein Graf Gerbert von C. im Heere Wilhelms des Eroberers bei Hastings genannt. König Philipp August von Frankreich erteilte dem „Hafenorte C. das Recht des Handels nach Irland; 1295 nahmen ihn die Engländer; 1298 wurde der bereits zur Stadt entwickelte Ort von den Franzosen wieder eingenommen, im Juli 1346 von den Engländern geplündert, die hier eine franz. Flotte verbrannten; 1378 warfen die Engländer eine angreifende franz. Armee zurück. Im 14. und 15. Jahrh. war es ein gewöhnlicher Landungsort der Engländer und wurde mehrmals von diesen und den Franzosen belagert. C. kapitulierte 29. Sept. 1418 an den Herzog von Gloucester und 12. Aug. 1450 nach 40tägiger Belagerung an die Franzosen, denen es fortan verblieb. Von Karl VII. stärker befestigt, erhielt die Stadt von Ludwig XI., Franz II. und Heinrich IV verschiedene Privilegien. Im Aug. 1758 landete die engl. Flotte unter Howe, zerstörte sämtliche Festungswerke und plünderte die Stadt; 13. April 1814 landete hier der Herzog von Berri und 16. Aug. 1830 schiffte sich hier der Exkönig Karl X. nach England ein.