FeedCherbuliez
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Cherbuliez, eine einflußreiche Familie zu Genf, deren Glieder sich durch ihre wissenschaftliche und litterarische Thätigkeit auch im Auslande einen ehrenvollen Ruf begründet haben. — Abra ham C., welcher als Buchhändler zu Genf 6 Geschäft zu dem bedeutendsten der Stadt erhob, hatte drei Söhne. Der älteste Sohn, André C., geb. 1795, lebte nach Beendigung bei theol. Studien bis 1825 als Hauslehrer erst bei einer engl. Familie in B. in Italien, dann bei dem Fürsten Dolgoruki in Paris. Nach Genf zurückgekehrt, widmete er sich einige Zeit dem Predigeramte, bis er 1832 die Direktion der ersten Klasse des Collége und 1840 die schute erhfett. lat. Litteratur an der genfer Hochschule erhielt, welche er nach der Revolution 1846 mit der der alten Litteratur vertauschte. Er starb zu Genf 14. Juni 1874. Von seinen Schriften Conversations-Lexikon 13. Aufl. IV. haben De libro Jobo (Genf 1829), Essai sur la satire latines (Genf 1829) und La ville de Smyrne et son orateur Aristides (Genf 1863) wissenschaftlichen Wert. Sein Sohn ist Victor C. (s. d.). —. Sein Bruder, Antoine Elisée C., geb. 29. Juli 1797, habilitierte sich 1826 zu Genf und erhielt später an der dortigen Hochschule eine or nahm der Rechte und der polit. Skonomie. Er nahm thätigen Anteil an der Regierung seiner Vaterstadt und machte sich teils als Redacteur einiger einflußreicher Zeitschriften, teils durch jurist., polit. und nationalökonomische Werke bekannt. Zu letztern gehören vor allem L'utilitairey (3Bde., Genf 1828—30), worin er die Ansichten Benthams und Dumonts verteidigte und modifizierte; ferner Richesse et pauvretén (Par. 1841), KThéorie des garanties constitutionnelleso (2 Bde., Par. 1838) und «De la démocratie en Suisses (2 Bde, 1843). Infolge der Revolution von 1846 mit seinen polit. Freunden von den öffentlichen Angelegenheiten seines Kantons ausgeschlossen, legte er seine Professur nieder und wandte sich nach Paris, wo er vielfach journalistisch thätig war und gegen die Sozialisten, besonders gegen Proudhon, schrieb. Nachdem er 1853 nach der Schweiz zurückgekehrt, lehrte er an der Akademie zu Lausanne, bis er später als Professor der polit. Hkonomie an das Polytechnikum nach Zürich berufen ward. Die Ergebnisse seiner staats-und volkswirtschaftlichen Studien hat C. seitdem im Précis de la science économiquen (2 Bde., Par. 1862) zusammengefaßt. Er starb 14. März 1869 in Zürich. — Der dritte Bruder, Joel C., geb. 1806, ubernahm das väterliche Geschäft und beteiligte sich vor 1846 thätig an der Regierung des Kantons. Von 1848 bis 1853 war er einer der Hauptredacteure der Bibliotheque universellev. In einer Art von Roman: Le lendemain du dernier jour d'un condamnér (Par. 1829), versuchte er eine Parodie und Kritik von Victor Hugos Buch gegen die Todesstrafe. Außerdem redigierte er zwei konservative Blätter und schrieb Artikel über genfer Zustände in die Revue des deux Mondeso, die Veranlassung 10 einer lebhaften Polemik wurden. Er starb 8. Nov. 1870 in Genf. — Adrienne C., die jüngste S pel C. geb. 1804, übertrug in Verbindung mit Joel C eine Auswahl von Ischotkes Erzählungen (12 Bde., Par. 1830—32), sowie mehreres von H. von Kleist (3 Bde., Par. 1832) in das Französische. — Die älteste Schwester, Madame Tourte-C., geb. 1793, gest. 1863, verfaßte einige sehr ansprechende Erzählungen, von denen Annette Gervaiso in das Holländische und Deutsche (bamb. 1843) überging, sowie einige Romane, unter denen Le journal d'Amélier der gelesenste ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 241Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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