FeedChersonesus oder Cherronésos
ErdkundeBrockhaus 1882

Chersonesus oder Cherronésos, das griech. Wort für «Halbinselo überhaupt, ist eine in der geogr. Nomenklatur der Alten häufige Benennung für Halbinseln, Landspitzen und einzelne Städte. Die bekanntesten und bedeutendsten sind die Chersonesus Thracica, die lange gegen Südwesten gestreckte, schmale Halbinsel zwischen dem Thrazischen Meere und dem Hellespont, welche bei der Stadt Kardia durch einen etwa 7 km breiten Isthmus, der im Altertum durch eine Quermauer abeschlossen war, mit dem Festlande Thraziens zuammenhängt (die jetzige Halbinsel der Dardanellen oder von Gallipolis), und die Chersonesus Taurica oder Scythica, die von Norden her in den Pontus Euxinus (das Schwarze Meer) vortretende, im Osten von der Maiotis (dem Asowschen Meere) bespülte Halbinsel, welche die alten Geographen nach Größe und Gestalt mit dem Peloponnes verglichen (die jetzige Halbinsel Krim). Der eine besondere Halbinsel bildende östlichste Teil dieser Halbinsel, welcher die Maiotis gegen Süden abschließt, das Gebiet der Stadt Pantikapäon (jetzt Kertsch), führte den Sondernamen Chersonésus Tracheia; die südwestl. Spitze, mit der (lauch Cherronesos genannten) Stadt Heraklea lin der Gegend des jetzigen Sewastopol) wurde die Herakleotische Chersonesus genannt (ugl. über diese P. Becker, Die Herakleotische Halbinsel in archäol. Beziehunge, Lpz. 1856). Die lange und schmale Landzunge Kariens, auf welcher die Stadt Knidos C wurde die Bubassische oder Knidische Chersonesus, die jetzige jütische Halbinsel die Kimbrische Chersonesus, die jetzige Halbinsel Malakka in Hinterindien die Chryf e Chersonesus (lat. Chersonesus aurea) genannt. Außerdem führten mehrere Städte und zahlreiche Küstenvorsprünge in verschiedenen Teilen Griechenlands den Namen C. ohne weitern Zusatz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 243Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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