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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Chines, herausg. von Pauthier I 1841), der aber als Übersetzer sehr unzuverlässig ist. Unter der Ming-Dynastie wurde das «Ming-i-thongtschio, eine allgemeine Beschreibung des Ming-Reichs, zusammengestellt. Einen besonders wertvollen Bestandteil der geograph. Litteratur bilden die Reisewerke buddhistischer Pilger. Aus dem »rmißt, sind unter K aufzusuchen. Anfange des 5. Jahrh. rührt Fu kué kiy (d. i. Beschreibung von Buddhaländerny) des Fa-hian (franz. von Rémusat, Par. 1836) her, der (seit 399) 40 Jahre lang ganz Indien, Ceylon und Java bereiste. Zwei Jahrhunderte später folgte das wichtigste derartige Werk, das Si-yu-kis (d. i. Kunde der westl. Ländero, franz. von Julien, 2 Bde., Par. 1857—58) von Hiuen-tshang, der 629—645 ebenfalls Indien durchwanderte. Sein Leben und seine Reisen beschrieben Fulie Schüler Hoei-li und Rentshong (franz. von Julien, Par. 1853). Ebenso wenig wie die geographische hat sich auch die historische Litteratur zu großen, allgemeinen Gesichtspunkten erhoben. Die Anfänge derselben liegen im „Schu-kingo und Confucius' Bearbeitung desselben vor. Den chines. Überlieferungen aus dem Altertum des Reichs fehlt der epische Reiz, das seelische Interesse an der Geschichtschreibung; die Hauptsache des Historikers ist das chronologisch geordnete und gesicherte Registrieren. Um 100 v. Chr. veranlaßte der Kaiser Wu-ti aus der Han-Dynastie seinen Reichshistoriographen Sze-ma-tan bue Abfassung einer kritischen Universalgeschichte es Reichs. Dessen Sohn Sszema-tshian führte den Entwurf seines Vaters im «Sze-kiv (d. i. geschichtliche Denkwürdigkeiten) aus, das, mit der Urzeit beginnend, bis 122 v. Chr. reicht und Musterwerk der chines. Historiographie geworden ist. Man 15 an dasselbe später alle amtlichen Dynastiegechichten gereiht und der ganzen Sammlung dieser Reichsannalen den gemeinsamen Titel «Njan-szeszey (d. i. die 24 Sze) verliehen. Die ganze Reihenfolge bis zum Untergange der Ming (1643) umfaßt 3705 Bände. Eine chronol. Darstellung der Reichseschichte verfaßte auch der bereits genannte Philo1995 und Polyhistor Tschu-hi, die von Mailla (Hlistoire générale de la Chinen, 12 Bde., Par. 1777—83) auszugsweise französisch bearbeitet ward. Denkwürdigkeiten der gegenwärtigen Mandschu-Dynastie sind, vorbehaltlich der offiziellen Gesamt-Kaderdanses immer erst nach dem Erlöschen eines aiserhauses veröffentlicht werden darf, bis 1820 im Druck erschienen. In neuester Zeit soll die chines. Geschichtschreibung von kritischem Geist ergriffen sein, wie er sich in Untersuchungen über die kanonischen King und in paläogr. Forschungen bekundet. Zahlreich ist auch die biogr. Litteratur der Chinesen, welche die Persönlichkeiten nach einzelnen Zeiträumen, Provinzen und Städten, oder Lebensrichtungen behandelt. „Eine ausgedehnte philol. Litteratur war durch die Art der chines. Sprache und Schrift gegeben und mehr als bei irgendeiner andern Nationalität die unvermeidliche Begleiterin jeder andern litterarischen Thätigkeit. Es kam vor allem darauf an, Ordnung in den Schatz der Wortzeichen zu bringen. Den ersten Versuch dieser Art machte Hju-schin um 100 n. Chr., der eine Anordnung nach 540 Wurzeln auf Grund der damals gebräuchlichen, der ursprünglichen Bilderschrift noch näher stehenden Tschuan-Schrift befolgte. Alle spätern Arbeiten dieser Art sind aber durch die beiden großen Wörterbücher des Kaisers Khangzhi überholt und geradezu überflüssig gemacht worden. Diese sind: das «Khang-hi-tsze-tian in 32 oder 40 Teilen (zuerst edruckt 1716), welchem das im 17. Jahrh. von schang-oll-kong verfaßte, Wifti nach 214 Radikalen angeordnete, große begriffliche Schärfe bekundende Wörterbuch Tsching-tsze-thongo zu Grunde liegt, und das Pei-wen-yun-fu, eine möglichst vollständige Kompilation aus allen vorhandenen guten tonischen Wörterbüchern, die zuerst 1711 in 131 Bänden erschien und später noch ein Supplement von 106 Büchern erhielt. In dieses Riesenwerk sind auch die meisten sog. Komposita, d. h. durch mehrere Charaktere umschriebenen Begriffe, aufgenommen. Unter den für Unterrichtszwecke veranstalteten Vokabularien ist eins der merkwürdigsten das einen durchgehenden Reim festhaltende Tshjian-tsze-weno, welches 1000 verschiedene Schriftzeichen zum Memorieren zusammenstellt. Sog. Sprachlehren des Mandschuischen und Mongolischen sind nur lexikalisch geordnete Zusätze zur Wurzel, welche in diesen Sprachen wortbildend oder Beziehungen ausdrückend gebraucht werden, mit chines. Dolmetschung. Denkmäler der Poesie der Chinesen liegen aus fast allen Zeitaltern vor, wenn auch in Europa nur erst verhältnismäßig Weniges bekannt geworden ist. Die älteste Sammlung von Liedern ist das obenerwähnte «Schi-kingo. Der größte Teil derselben betrifft die Dynastie der Tscheu, einige jedoch gehen bis auf die ältesten Zeiten der Dynastie Schang (seit 1766 v. Chr.) zurück, ohne daß ihr Alter sich verdächtigen ließe. Die ganze Sammlung zerfällt in vier Bücher, von denen das erste eigentliche Volkslieder, das zweite und dritte Festlieder, das vierte Totenlieder enthält. Die Form der Lieder ist sehr einfach. Sie bestehen aus Strophen von mehrern, an Silbenzahl ziemlich gleichen, gewöhnlich gereimten Zeilen; in der Regel ist an eine einfache Naturanschauung eine Allegorie geknüpft. Der dichterische Wert der einzelnen Stücke ist ungleich; an Zartheit und Unmittelbarkeit der Empfindung übertreffen viele derselben alle spätere Poesie. Es findet sich wenig eigentlich Religiöses; sehr viele Lieder handeln von Kaiser und Staat, meist voll Pietät, aber zum Teil auch politisch widersetzlich und zuweilen voll sozialistischer Bitterkeit. Auch an frischen Kriegs- und Jägerliedern fehlt es nicht. Das Leben der Natur und das des Gemüts werden sinnig behandelt und Motive der Liebe mit tieser Empfindung aufgefaßt. Zwischen der echten Ursprünglichkeit dieser Poesie und der nüchternen, erzwungenen Kunst späterer Zeiten gähnt eine breite Kluft. Die einfache Kunst des Reims, wie sie die alte, mehr volkstümliche Dichtung zeigt, genügte nicht mehr; man begann die Reime in den einzelnen Strophen mannigfach zu kreuzen, welche Tendenz übrigens schon in mancher Ode des «Schikingo vorwaltete. Die Verszeilen haben jetzt gewöhnlich eine Länge von fünf oder sieben Silben mit der Cäsur; unter den Thang hat sich aber ein Gesetz der Harmonier (jün) ausgebildet, vermöge dessen gewisse Silben der einen Zeile zu andern in der andern in einem ganz bestimmten Betonungsverhältnisse stehen müssen. Der Sinn darf aus der einen Verszeile nicht in die folgende übergreifen. In ihren Motiven geht die Dichtung im engern Sinne nicht über eine lehrhafte, beschreibende, elegische oder spöttische Lyrik hinaus. Die bemerkenswertesten Lyriker gehören der Epoche der Thang an. (Vgl. d'Hervey Saint-Denis, Poësies de L'ëpoque des Thang, traduites du chinoiso, Par. 1862.) Als Meister unter denselben gelten im 8. Jahrh. Thu-fu und Li-thai-pe, wozu noch aus dem 9. Jahrh. Wang-wei kommt. Diese großen Lyriker haben seitdem den poetischen Geschmack in der chines. emißt, sind unter K aufzusuchen. Kunstdichtung bestimmt. Vgl. Davis: The poetry of the Chineser (Lond. 1870). Kulturhistorisch wichtiger sind die Romane der Chinesen. Die meisten derselben zerfallen nach Schott in drei Klassen: en geihe phantastische und bürgerliche. Am meisten geschätzt von erstern sind Sankuo-tschib, d. i. Geschichte der drei Reiche, eine romanhafte Geschichte Chinas, als es 200 n. Chr. in drei Königreiche zerfiel (franz. von Pavie, 2 Bde., Par. 1845), und (Schui-hu-tschuand, eine sehr umständliche Erzählung von Räubern und Abenteurern, welche zur Zeit der Dynastie Song im 10.Jahrh. die Seeküsten der Provinz Kiang-nan beunruhigten, fast ohne histor. Hintergrund. Das erstere Werk ist dem reifen Alter, das andere der Jugend angemessener gedichtet. Beide stammen aus den Zeiten der mongol. Herrschaft. Der phantastische Roman zeigt eine Geisterwelt im Verkehr mit sich selbst und in Einwirkung auf menschliche Schicksale. Hierhin gehört unter andern das Pe-sche-tsing-Kkiz (franz. von Julien als «Blanche et bleue, ou les deux couleuvres-féeso, Par. 1834). Der bürgerliche oder Familienroman, ungleich objektiver gehalten als die übrigen, bietet ein sehr treues Bild der Licht- und Schattenseiten des chines. Charakters, des öffentlichen wie des häuslichen Lebens dieser Nation. Dahin gehören: Hao-kieu-tschuano, die Erzählung von der vollkommenen Frau lengl. von Davis, Lond. 1829; franz. von Guillard d' Arcy, Par. 1842), Xu-kiao-lid, die beiden Basen (wörtlich die Schönen Nu und Li; franz. von Reémusat, 4 Bde., Par. 1826; deutsch, Stuttg. 1827; mit Erläuterungen von Julien, 2 Bde., Par. 1864), und Ping-schan-ling-jeno, die beiden gelehrten Mädchen (franz. von Julien, 2 Bde., Par. 1860). Poetisch bedeutender und oft von überraschender Anmut sind die kleinern Erzählungen und Novellen, darunter vieles in dem Sammelwerke Kin-ku-khikuand, d. i. Schauplatz merkwürdiger Begebenheiten aus alter und neuer Zeit, und Long-tukong-ngand, d. i. Sammlung berühmter Rechtsfälle. Aus diesen und andern Quellen haben Davis (Chinese novelso, Lond. 1816), Pavie (Choix de contes et nouvelleso, Par. 1839), Thoms, Prémare, Julien u. a. mancherlei übersetzt. Halb lyrisch und halb episch kann man gewisse spießbürgerliche Novelletten in Versen nennen; hierher gehört z. B. das Hoa-tsjen-kiv, d. h. die Erzählung von den Visitenkarteno, durch Thoms unter dem Titel «Chinese courtship in Verser (1824) übersetzt. Eine große Anzahl von Fabeln, Märchen und Legenden, die großenteils mit dem Buddhismus aus Indien nach China gelangten, hat Julien in Les Avadanas: Contes et apologues indienso (3 Bde., Par. 1859) zusammengestellt. Wie das Zeitalter der Thang die bedeutendsten Lyriker, so hat das der Nuan (Mongolen) die meisten und vorzüglichsten Bühnendichter hervorgebracht. Die Anfänge des Dramas wie die des Romans verlieren sich im Dunkeln. Es gab zwar schon unter den beiden vorangehenden Dynastien Bühnenstücke, doch wahrscheinlich noch keine von ernsterer Gattung. Die ersten Lustspiele in regelrechter Form sollen unter den Song verfaßt worden sein. Seit den Zeiten der Muan ist die dramatische Poesie der Chinesen in zählreichen Erzeugnissen von dem ergreifendsten Trauerspiele bis herab zur gemeinsten Posse vertreten. Alle Dramen, welche in der berühmten Sammlung Vuan-sin-pe-tschongo, d. i. die hundert Stücke aus der Dynastie der Mongolen (wörtlich der Huan-Leute; vollständig analysiert und teilweise übersetzt von Bazin in Le siècle des Vouend, 2 Bde., Par. 1850—54), enthalten sind, tragen in Bezug auf Entwickelung +95 Okonomie des Plans, Anordnung der Sceenen dasselbe Gepräge; alle Unterschiede beruhen nur auf der Wahl der Stoffe. Den ersten Rang unter denselben behaupten unbedingt die histor. Dramen, und unter diesen wiederum La chute des feuilles du U-thongo und «La mort de Tong-tehov. Nächstdem sind Komödien nennen, in welchen Tao-sze (d. i. Lehrer oder Anhänger des Tao) oder auch Buddhisten eine meist lächerliche Rolle spielen. Einige Dichter haben sich auch im Charakterstück versucht; am zahlreichsten vertreten sind jedoch die Intriguenstücke, in denen gewöhnlich Buhlerinnen auftreten. Unter den dramatischen Dichtern der Chinesen steht Tsching-te-hoei zwar in Bezug auf Plan und Erfindung dem Kuan-han-king, dem Peschin-fu, dem Ma-tschi-juan u. a. nach, in Bezug auf Stil aber ist er jedenfalls der vorzüglichste unter den Dramatikern aus dem Zeitalter der Muan. Von einzelnen Dramen, die durch lübersetzung zugänglich geworden, sind zu nennen: Lao-seng-eul, or an heir in his old age, von Davis (Lond. 18170, Han-koung-tsew, or the sorrows of Hanvo, von Davis (Lond. 1829), MHoei-lan-ki, oul'histoire du cercle de craien, von Julien (Lond. 1832), Tchao-chi-kou-eul, ou l'orphelin de la Chinen, von Julien (Par. 1834), Le Pi-pa-Ki, ou histoire du lutho, von Bazin (Par. 1841), u. s. w. Neben dieser massenhaften moralisch- und praktisch-philos., histor., philol. und poetischen Litteratur besitzen die Chinesen auch einen unübersehbaren Schatz von Werken über Medizin, Naturgeschichte, Astronomie, Uranographie, Geometrie, Ackerbau, Kriegskunst, Musik, Malerei und alle Zweige der Technik und Mechanik. Sie besitzen vorzügliche, in Europa meist in Auszügen von Julien und andern bekannt gewordene Arbeiten über die Kultur des Maulbeerbaums und der Seidenzucht, über Porzellanmanufaktur u. s. w. Eine Art Encyklopädie der Naturbeschreibung und Materia medica ist das „Pen-tshao-kang-mus in 40 Bänden von Lieschitschin, mit Abbildungen, das öfter auf kaiserl. Kosten gedruckt worden ist. (Vgl. die Einleitung 30 Schotts «Skizze einer Topographie der Produkte Chinaso in den «Abhandlungen der berliner Akademie der Wissenschaftenv, Berl. 1844.) Die Zahl allgemeinen Encyklopädien, zum Teil von kolossalem Umfange, ist ebenfalls sehr bedeutend. Hierher gehört besonders Ma-tuan-lins (1300 n. Chr.) (Wen-hjan-thong-khaoo (d. i. genaue Untersuchung der alten Denkmäler) in 24 Abteilungen, eine unerschöpfliche Fundgrube des besten Materials zur gründlichen Kenntnis des Chinesischen Reichs und der benachbarten Völker von den altesten Zeiten an nach allen Richtungen des Lebens hin. Auch über die Geschichte ihrer eigenen Litteratur besitzen die Chinesen einige mehr oder minder umfangreiche Werke mit kurzer Beurteilung der Schriftsteller. Endlich verdienen auch Werke sehr gemischten Inhalts Erwähnung, die mehr zu Befriedigung vielseitiger Neugier als zu tieferer Belehrung geschrieben scheinen (Schott: «Über ein chines. Mengwerkso, Berl. 1881). Die bedeutendsten Sammlungen chines. Bücher im Abendlande befinden sich zu London, Paris, Petersburg und Berlin. Schott mißt, sind unter K aufzusuchen. verfaßte den Entwurf einer Beschreibung der chines. Litteraturs» (Berl. 1854), worin man auch Berichtigungen zu seinem bereits im J. 1840 erschienenen Verzeichnis chines. Bücher der berliner Bibliothek findet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 301Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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