Chlorkalkbereitung erforderliche Chlor stets durch Einwirkung von Salzsäure auf Mangansuperoryd, Braunstein, entwickelt, wie im Artikel Chlor beschrieben, nur kommen wegen der Massenproduktion rmißt, sind unter K aufzusuchen. selbstverständlich andere Apparate in Verwendung und es ist hier die Qualität des Rohstoffs, insbesondere die des Braunsteins, in Betracht zu ziehen. Der Braunstein besteht nur selten, fast nie, aus reinem Mangansuperoxyd, sondern enthält, neben wechselnden Mengen von diesem, vielfache Verunreinigungen, Quarz, Eisenoxyd, kohlensaure Erden, Manganoryd, Manganorxyduloxyd, chem. gebundenes Wasser u. a. Alle diese Substanzen vermindern den Wert des Braunsteins, jedoch in sehr verschiedenem Grade, Quarz und ähnliche in Säuren unlösliche Körper sind Ballast, die übrigen sind noch nachteiliger, da sie unnütz Säure konsumieren. Beim Ankauf des Braunsteins ist daher immer sein wirklicher, durch den Prozentgehalt an Mangansuperoxyd bedingter Wert durch Analyse zu ermitteln. Zur Entwickelung des Chlors verwendet man in allen größern Fabriken jetzt nur noch aus Sandstein angefertigte Apparate. Der dazu zu verwendende Sandstein muß möglichst dicht und feinkörnig, frei von Poren sein, darf an Säure, selbst bei langer Digestion, nur kleine Mengen von Substanz abgeben und muß bei anhaltendem Kochen mit Salzsäure fest und unverändert bleiben, wenn die Apparate nicht nach kurzer Zeit zu Grunde gehen sollen. Bei der Konstruktion der Apparate wählt man Formen und Größenverhältnisse so, daß eine Zusammenfügung aus vielen Stücken möglichst vermieden wird. Eine Form, welche sich im praktischen ö dazu erforderlichen Steinblöcke unschwer zu beschaffen. Die einzige Fuge, welche hier vorhanden ist, wird gedichtet, indem vor dem Aufsetzen des Oberteils die in den untern Teil eingearbeitete Nut mit einem Kitt von Teer und Thon ausgestrichen wird. Der obere Verschluß wird durch eine starke Bleiplatte gebildet, welche an den aufwärts gerichteten Rändern mit Teerkitt gedichtet und mit eisernen Klammern befestigt wird. Beim Betriebe wird der Apparat etwa zur Hälfte mit grobstückigem Braunstein gefüllt und durch das Trichterrohr H 5— 600 kg Salzsäure zugefügt. Die Entwickelung des Chlors beginnt bereits in der Kälte, das Gas entweicht durch das Rohr F und wird in den Absorptionsapparat geleitet. Wenn die freiwillige Entwickelung In Dam so erwärmt man die Flüssigkeit, indem man Dampf durch die Röhren ED einbläst, wobei aber die Juströmung des Dampfes so zu regulieren ist, daß die Anwärmung ganz allmählich erfolgt, weil sonst viel freie Chlorwasserstoffsäure mit dem Chlor abdunsten würde. Nach beendigter Zersetzung der Salzsäure läßt man die Manganlauge durch die offnung J, welche während des Betriebes mit einem Holzpflock verschlossen ist, ablaufen, ersetzt den verbrauchten Braunstein und kann dann den Apparat von neuem benutzen. In andern Fabriken gibt man den Apparaten die Form von viereckigen Kasten und wählt diese namentlich bei sehr großer Produktion. Die einzelnen Steinplatten werden mit Feder und Nut versehen und die Fugen durch eingelegte dicke Kautschukbänder gedichtet. Teils durch das auf den Kautschuk wirkende Gewicht der Steine, teils durch festes Anziehen von eisernen, um den Apparat gelegten Bändern wird dabei eine feste Dichtung erzielt, welche der Einwirkung der Säure und des Chlors längere Zeit hindurch Widerstand leistet. Das zur Absorption des Chlors bestimmte Kalkhydrat ist aus einem möglichst reinen gebrannten Kalk darzustellen, da nur aus solchem ein weißer, den Anforderungen des Handels entsprechender C. zu gewinnen ist. Das Kalkhydrat muß staubig trocken sein und es darf daher beim Löschen des Kalks nicht mehr Wasser zugefügt werden, als gerade zur Bildung von trockenem Hydrat erforder ich ist. Dies wird dann in einem rotierenden Cylindersiebe von gröbern Teilen sorgfältig befreit und muß unbedingt so lange liegen bleiben, bis es vollständig abgekühlt ist. Die Umwandlung des Kalkhydrats in C. erfolgt in eigenen Absorptionsapparaten, Räumen, in denen das Kalkhydrat in einer Schicht von etwa 15em Höhe gleichmäßig ausgebreitet und in welche das aus dem Entwickler kommende Chlorgas eingeleitet wird. Diese Räume oder Kammern werden zweckmäßig aus Mauerwerk so aufgeführt, daß ihre Seitenwände hoch genug sind, um einem Manne zu gestatten, in etwas gebückter Stellung darin zu verweilen, die Decke wird als ganz flaches Gewölbe konstruiert, nach dem Austrocknen werden Wände und Decke mit Teer gestrichen, um den Mörtel vor der Zerstörung durch das Chlor zu schützen; der Fußboden besteht aus geschliffenen Fliesen, die mit Cement gedichtet, ohne Fugen aneinanderstoßen. Auf 100 kg zu verarbeitendes Kalkhydrat bedarf man einer Grundfläche von 56 àm in den Kammern. In manchen Fabriken konstruiert man die Kammern ganz von Blei; in engl. Fabriken sind die bleiernen Kammern nicht selten unter freiem Himmel, ohne jede Überdachung aufgestellt. Jede Kammer sollte durch einen verschließbaren Abzug mit einem gut ziehenden Schornstein in Verbindung uehne um eine kräftige Ventilation derselben vornehmen zu können. Man leitet den Betrieb am besten so, daß die Kammern zeitig morgens mit Kalkhydrat beschickt werden, sobald dies geschehen ist, wird die Chlorentwickelung in Gang gesetzt und bis abends beendet. Die Kammer bleibt dann verschlossen nachts stehen, bis etwa zwei Stunden vor Beginn der Tagesarbeit, um welche Zeit die Thür geöffnet und die Ventilation eingeleitet wird. Morgens wird der fertige C. rasch aus der Kammer in einen Vorraum geschafft, wo er mindestens 24 Stunden bis zur völligen Abkühlung liegen bleibt, ehe er verpackt wird. Die geleerte Kammer wird sofort mit frischem Kalkhydrat beschickt. Bei Anwendung von Bleikammern läßt man den C. in diesen erkalten und nimmt auch die Verpackung, nach guter Durchlüftung derselben, darin vor. nißt, sind unter K aufzusuchen. 21* Bei der Absorption des Chlors durch das Kalkhydrat verlaufen neben der Bildung des C. noch sekundäre Prozesse. Das Chlorgas enthält immer mehr oder weniger Salzsäure, diese verbindet sich direkt mit dem Kalkhydrat zu Chlorcalcium, zersetzt e aber auch bereits gebildeten C. wieder unter Ent-e bindung von Chlor; ferner wird bei der chem.d Reaktion so viel Wärme frei, daß die Masse sich auf k etwa 50 C. erhitzt, durch die Temperatursteigerung 6 wird der Prozeß dahin abgeändert, daß sich, wenn x die Wärme eine gewisse Grenze überschreitet, statt der bleichenden Verbindung chlorsaurer Kalk bildet. Da weder Chlorcalcium, noch chlorsaurer Kalk bleichende Eigenschaften haben, so ist die Bildung derselben soweit wie möglich zu verhüten. Dies ge⸗ x schieht, indem man die Chlorentwickelung bei möglichst niederer Temperatur und mit großem Überschuß an Braunstein vornimmt und die Gasleitung so anlegt, daß der Salzsäure Gelegenheit zur Verdichtung und zum Rückfluß in den Entwickler gegeben wird. Einer zu weit gehenden Temperatursteigerung kann dadurch vorgebeugt werden, daß zunächst das Kalkhydrat ganz erkaltet in die Kammer t kommt und ferner durch genügend große, Wärme ableitende Bodenfläche; die Monate der kältern Jahreszeit sind aus diesem Grunde den Fabrikanten weit günstiger als die Sommerzeit. achtor der Anwesenheit des Chlorcalcium und des chlorsauren Kalks ist der Wert des C. nicht pro2.—— der Gesamtmenge des darin enthaltenen hlors, sondern wird bedingt durch die Menge des in der bleichenden Verbindung enthaltenen sog. wirksamen Chlors, dessen Menge bei guter Ware etwa 35 Proz. beträgt und durch analytische Untersuchung (s. Chlorometrie) festzustellen ist. Von den zahlreichen Verbesserungen, welche in der . und, haben sch im Laufe der Jahre aufgetaucht sind, haben sich nur wenige bewährt. Von diesen ist zunächst eines Verfahrens zu erwähnen, welches vor einigen Jahren das größte Aufsehen erregte und eine vollständige Umwälzung in der ganzen Fabrikationsweise date Methode schien. Es ist die von Deacon eingeführte Methode, welche bezweckt, das Salzsäuregas im erhitzten Zustande durch den Sauerstoff der Luft zu oxydieren und direkt Chlor daraus freizumachen. Die dazu erforderlichen Vorrichtungen machten durch die Kompliziertheit der Anlage allerdings sehr erhebliche Kosten, deren Aufwand in der Erwartung des glänzenden Erfolgs von manchen Fabrikanten nicht gescheut wurde. Die Ausführung dieses Verfahrens machte anfangs jedoch so große Schwierigkeiten, daß es von mehrern Fabrikanten wieder aufgegeben ist. Neuerdings hat man iedoch diese Schwierigkeiten zu überwinden gelernt und arbeitet in chem. Fabriken in Widnes in Lancashire mit günstigstem Erfolge nach demselben, das so gewonnene Chlor teils zur Chlorkalkfabrikation, teils zur Darstellung von chlorsaurem Kali benutzend. Fast gleichzeitig mit Deacon führte Weldon ein Verfahren ein, welches bezweckt, das in den aus dem Entwickler abfließenden Manganlaugen enthaltene Manganchlorür nicht, wie es bislang geschah, verloren gehen — lassen, sondern es immer wieder von neuem in angansuperoxyd, oder in eine diesem ähnliche Verbindung, überzuführen, und so dasselbe Material in beständigem Kreislauf in der Fabrikation zu erhalten. Das Wesentliche dieses Verfahrens besteht in Folgendem: Die Manganlauge wird zunächst durch Zusatz von kohlensaurem Kalk neutralisiert, wodurch noch vorhandene freie Salzsäure gebunden und Eisenchlorid in unlösliches Eisenoxydhydrat verwandelt wird. Die geklärte Flüssigkeit wird mit so viel Kalkmilch versetzt, als erforderlich ist, um alles Manganchlorür in Manganoxydulhydrat zu verwandeln, und zugleich wird durch ein Gebläse ein starker Luftstrom in die Flüssigkeit getrieben, gleichzeitig läßt man dann noch weiter Kalkmilch zufließen. Unter Aufnahme des Sauerstoffs der Luft entsteht hier eine Verbindung, die der Zusammensetzung NnCa0; Lndaem und läßt man schließlich auf diese, unter ständigem Einblasen von Luft, Manganchlorür wirken, so geht sie über in die Verbindung Mn, Ca0z, die dem Mangansuperoxyd sehr nahe steht. Diese Verbindung bildet einen schwarzen Niederschlag, der sich bei einiger Ruhe in der Flüssigkeit zu Boden senkt. Die Chlorcalcium enthaltende Flüssigkeit wird als wertlos beseitigt, der schwarze Schlamm fließt in die Chlorentwickler, wo er bei seiner feinen Verteilung die Salzsäure sehr leicht zersetzt und das Chlor bei geringster Erwärmung abgibt. Dieses Verfahren der Regeneration des Braunsteins, wenig kostspielig in der Anlage und in der Ausführung leicht zu überwachen, hat sich im Großbetriebe vollständig bewährt und ist gegenwärtig in den meisten Fabriken eingeführt. Vgl. Kerl und Stohmann (Muspratt], (Encyklopädisches Handbuch der Technischen Chemien (3. Aufl., Bd. 2, Artikel Chlorkalkꝰ, Braunschw. 1875), und Lunge, Handbuch der Sodaindustrien (2 Bde., Braunschw. 1879).