FeedChlorräucherung
NaturlehreBrockhaus 1882

Chlorräucherung nennt man die Verbreitung von Chlorgas zur Zerstörung von schädlichen oder übelriechenden Stoffen, die in der Atmosphäre verbreitet sind. Chlor ist eins der wirksamsten Desinfektionsmittel und wird daher vorteilhaft zur Entgiftung der Atmosphäre solcher Räume verwandt, in welchen Ansteckungsstoffe sich angehäuft haben. Sollen C. sich in dieser Beziehung wirksam erweisen, so genügt es aber nicht, wie es vielfach geschieht, ein weniges, eine nur eben riechbare Menge von Chlor in der Luft zu verbreiten, es muß vielmehr so viel Chlor der Luft beigemischt werden, daß der Aufenthalt in dem Raume für Menschen unmöglich ist und es muß die Durchräucherung lange, 24 Stunden lang fortgesetzt werden. Geschieht dies nicht, so ist auf einen Erfolg nicht zu rechnen. Man führt die C. am besten so aus, daß man auf flache Teller oder Schalen ein paar Pfund Braunstein verteilt, diese mit der fünffachen Menge starker Salzsäure übergießt und sie 24 Stunden lang in dem Raume stehen läßt. Daß während dieser Zeit Thüren und Fenster sorgfältig verschlossen gehalten werden müssen, ist selbstverständlich, und dennoch werden oft C. bei geöffneten Fenstern vorgenommen! Statt der Mischung von Braunstein und Salzsäure kann man Chlorkalk und Salz-oder Schwefelsäure anwenden, doch ist dies weniger empfehlenswert, weil diese zwar rasch eine große Menge von Chlor entwickeln, aber nicht nachhaltig sind. Essig zur Zersetzung des Chlorkalks anzuwenden, wie von manchen Seiten empfohlen, ist durchaus unzweckmäßig, da eine Mischung von Essig und Chlorkalk ganz andere Produkte, aber kein Chlor gibt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 326Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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