FeedChlorophyll
NaturlehreBrockhaus 1882

Chlorophyll nennt man denjenigen Farbstoff, welcher die grüne Farbe der Pflanzen bedingt. Das C. ist stets an das Protoplasma gebunden, und zwar findet es sich in den allermeisten Fällen, bei höhern Pflanzen ausschließlich, im Inhalte der Zellen auf einzelne bestimmt differenzierte Teilchen des Protoplasmas beschränkt, die in der Form von mehr oder weniger abgerundeten Körnern in dem Protoplasmaschlauche liegen; bei einigen Algen ist die Form der vom C. tingierten Plasmakörper eine andere, es ist hier der Farbstoff an schraubenlinig gewundene Bänder, an sternförmige oder plattenförmige Plasmamassen gebunden auch kommt es bei den Schwärmsporen einiger Algen vor, daß die ganze nackte Zelle vom C.tingiert ist, mit Ausnahme einer kleinen Partie, an der die Wimpern ansitzen. Bei sämtlichen Pflanzen, die (C. besitzen, findet das Ergrünen der Protoplasmakörperchen, wie viele Versuche gelehrt haben, nur bei Beleuchtung statt, und zwar sind alle Strahlen, besonders aber die stärker brechbaren des Spektrums, im Stande, ein Ergrünen hervorzurufen. Ebenso wie die Beleuchtung, ist auch das Vorhandensein von Eisen im Erdboden oder in den Nährstofflösungen, in denen Pflanzen kultiviert werden sollen, unbedingt erforderlich; bei mangelnder Beleuchtung bleiben die Pflanzen gelb, sie etiolieren (s. d.); bei diesem Vorgange werden ermißt, sind unter K aufzusuchen. zwar auch bestimmt differenzierte Plasmakörper-r chen gebildet, aber dieselben sind nicht grün, son⸗ j dern durch einen dem C. jedenfalls nahestehenden u — das sog. Etiolin (s. d.), gelb gefärbt. d Beim Mangel von Eisen unterbleibt nicht nur xj die Chlorophyllbildung, sondern auch die Differenzierung der Plasmakörperchen, die Pflanzen nehmen eine weiße Farbe an, es tritt der Zustand der Chlorose oder Bleichsucht ein. Uber die chem. 3 Natur des C. sind zwar zahlreiche Untersuchungen gemacht worden; doch haben dieselben bisher noch nicht zu verwertbaren Ergebnissen geführt. Nur so viel steht fest, daß die Chlorophyllkörper nicht bloß einen, sondern höchst wahrscheinlich mehrere Farbstoffe enthalten. Man kann den grünen Farbstoff ertrahieren, am besten in der Weise, daß man grüne Blätter mit Alkohol oder Ather behandelt; man erhält dadurch eine schöne, bei durchfallendem Lichte tiefgrüne, bei auffallendem Lichte dunkelrot aussehende Lösung. Vgl. Sachße, Chemie und Physiologie der Farbstoffe, Kohlehydrate u. s. w.» (Lpz. 1877). Ebenso wenig wie über die chem. Natur des C. ist auch über die physiol. Eigenschaften desselben etwas Genaueres bekannt. Es ist zwar schon im 18. Jahrh. unzweifelhaft festgestellt worden, daß nur solche Pflanzen, welche C. führen, im Stande sind, aus Kohlensäure und Wasser organische Substanzen zu bilden, aber es ist bis auf den heutigen Tag noch eine vielbesprochene Streitfrage, welche Rolle das C. bei dieser Kohlenassimilation, wie man jenen Prozeß nennt, spielt. Ob der grüne Farbstoff oder ob das von demselben tingierte Plasma die Kohlenstoffassimilation bewirkt, kann mit Sicherheit bis jetzt nicht angegeben werden. Früher nahm man ziemlich allgemein an, daß in dem grünen Farbstoff und nicht im Plasma die Zersetzung der Kohlensäure vor sich gehe, oder man hielt überhaupt das C., also den Farbstoff, und die von ihm tingierten Plasmakörper nicht genau auseinander; in der neuesten Zeit ist jedoch die Frage nach der Bedeutung des C. für die Assimilation wieder in den Vordergrund getreten, da durch Untersuchungen von Pringsheim sich als höchst wahrscheinlich herausgestellt hat, daß das Protoplasma der Träger der Assimilation sei und der grüne Farbstoff nur als ein Schutzmittel gegen allzu lebhafte Atmung, d. h. Verbrennung organischer Substanz betrachtet werden müsse. Das C. würde dabei diejenigen Strahlen, welche die Atmung beschleunigen, absorbieren. Pringsheim nimmt an. daß bei Abwesenheit von C. die Atmung mehr Stoffe verbraucht, als die Assimilation liefern kann, und daß infolge dessen fortwährend Kohlensäure, als Produkt der Atmung, abgegeben werde, während bei Vorhandensein von C. die Atmung durch Absorption gewisser Strahlen bedeutend herabgesetzt und infolge dessen fortwährend Kohlensäure zersetzt und Sauerstoff ausgeschieden werde. (S. die Artikel Atmung und Assimilation.) Diese Hypothese Pringsheims wird durch die Thatfache unterstützt, daß das Spektrum des C. nicht etwa eine Absorption der gelben, also der für die Assimilation wichtigsten Strahlen, sondern der violetten und eines Teils der roten Strahlen zeigt. Gerade die gelben Strahlen, unter deren Einwirkung die Assimilation am lebhaftesten vor sich geht, werden ungehindert durch den Farbstoff hindurchgelassen, können also auch keine Veränderung des Farbstoffs hervorbringen, während diejenigen Strahlen, die nur eine ganz schwache Assimilationsthätigkeit bewirken, meist absorbiert werden. Obwohl die Untersuchungen Pringsheims es sehr wahrscheinlich gemacht haben, daß das C. gewissermaßen die Bedeutung eines vor schädlicher Beleuchtung schützenden Schirms besitze, n ist doch die Frage noch nicht als definitiv entschieden zu betrachten, da über den Einfluß des Lichts auf den Atmungsprozeß noch zu wenig bekannt ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 325Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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