FeedCholüla
ErdkundeBrockhaus 1882

Cholüla, Stadt im Staat Puebla der Föderativrepublik Mexiko, 25 EKm im WNW. von der Stadt Puebla, 2105 meüber dem Meere gelegen, von Agavenpflanzungen umgeben, zählt nur noch etwa 6000 E., während sie zur Zeit der Eroberung durch die Spanier eine der blühendsten Ortschaften war. Nach Cortez' eigener Angabe, der sie Churultecal nennt, enthielt sie über 400 Tempel, 20000 Häuser innerhalb ihrer Ringmauern und ebenso viele außerhalb derselben; die Berichte Las Casas' geben ihr noch 150000 E. Die Stadt stammt aus der Zeit vor der aztekischen Herrschaft, vielleicht war sie schon von den Ulmeken gegründet. Auch behauptete sie vermöge ihrer republikanischen Verfassung bis zu einer sehr späten Zeit ihre Unabhängigkeit von den Azteken, welche die Cholulaner nie wirklich unterjochen konnten. C. war der große Stapelplatz für den Handel des Tafellandes von Anahuac. Die Einwohner, an Bildung und Kunstfertigkeit ihren tlascalanischen und aztekischen Nachbarn weit überlegen, zeichneten sich ganz besonders in Metallarbeiten, in Bereitung von Tuchen aus Baumwolle und Agave und in äußerst feinen und zierlichen Töpferwaren aus. Gleich berühmt war C. durch die an diese Stadt sich knüpfenden religiösen Sagen. Zu Ehren des Quetzalcoatl, eines Gottes, der nach der Mythe die Cholulaner zur Zeit der Tolteken mit einer bessern Regierungsform und einer geistigern Religion bekannt machte, wurde jener ungeheuere Teocalli (s. d.) errichtet, welcher, nach A. von Humboldts Untersuchung, bei einer senkrechten Höhe von 62m und einer Basis von 428 m Breite, das riesenbüden architektonische Monument Neuspaniens ildet. Noch jetzt zeugen der Umfang und die zahlreichen breiten und fast 4½ Straßen C.s von der einstigen Größe. Die noch immer wie zu den Zeiten der Azteken bewässerten Umgebungen von C. liefern ergiebige Ernten an Weizen und Mais. Die Plattform jenes großen Bauwerks, zu welcher 120 Stufen führen, ist 0,4 ha groß; von ihr hat man eine prachtvolle Aussicht auf die Vulkane von Puebla, auf den Pik von Orizaba u. s. w.; sie trägt in der Mitte eine von Cypressen umgebene Kirche, Nuestra Seßora de los Remedios. Auch hat C. noch eine jetzt im Verfall begriffene, wahrscheinlich schon von Cortez erbaute Kirche, San-Francisco, von einer eigentümlichen Bauart.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 339Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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