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Bildende KunstBau-Lexikon 1881

Azotea, f., span., Söller. engl. architeécture ofthe Astécs. Die Aztekas, ein kräftiger, kriegerischer Volksstamm, erschienen unter 6Häuptlingen, auf langer Wanderung von Norden kommend, zu Ende des 12. Jahrh. in Anahuak, dem Hochland Mexiko's, schlossen sich den kurz vorher (um 1160) eingewanderten Chichimekas an, wurden von diesen mehr u. mehr unterjocht, befreiten sich aber um 1320 u. gründeten Tenochtitlan (die jetzige Stadt Mexiko). Vom Ende des 14. Jahrh. an beherrschten sie ganz Anahuak bis zur Zeit des Ferdinand Cortez. Ihre Religion war Sternendienst, ihr Hauptgott der Sonne und genossen als solche göttliche Verehrung; ihre Leichen wurden in kolossalen Grabhügeln beigesetzt; kurz, ihre Religion und demgemäß auch ihre Kunst hatte dieselben Grundzüge wie die der Tolteken und der Olmeken, s.d. betr. Art.; nur waren sie eben kräftiger als die Tolteken und höher kultivirt als die Olmeken. Sie malten z. B. auf Papier von Agave- und Palmfasern od. auf baumwollene Gewebe, die geglättet waren; wahrscheinlich hatten diese Bilder hieroglyphische Bedeutung; die Farben sind an sich lebhaft und grell neben einander gestellt u. hatten wahrscheinlich ebenfalls ihre Bedeutung; Geräthschaften u. Waffen, vielfach noch erhalten, sind nicht ohne Geschmack, Schnitzereien sehr sauber ausgeführt. Die historischen Berichte, sowohl des Volkes selbst als die Berichte der spanischen Eroberer, reden viel von umfänglichen und prächtigen ö Bauten. Dennoch ist unsere Fig. 305. Aztekisck Kenntnis derselben, infolge der barbarischen Zerstörungen der Spanier, nicht vollständig. 1. Teocallis, Tempel. Dieselben sind genau orientirt u. liegen auf künstlichen od. natürlichen Hügeln von konischer Form oder in Terrassen abgetheilt. Von den frühesten Bauten am Fluß Gila (um 1170), dann von den Casas Grandes unter 29 nördl. Br. sind noch Ruinen vorhanden, von den ersteren freilich nur unförmliche Trümmerhügel u. Reste von bunten Steingutfliesen; die letzteren bildeten 3 terrassenförmige Stockwerke, deren zweites den Eingang enthielt, und waren mit einem Dach aus Fichtenholz bedeckt, ähnlich dem der tolteki- Eschen Bauten (s.d.), wel⸗= ches 1789 noch vorhanden war. Thürme erhoben sich noch in weiteren 4 Stockwerken über die Hauptmasse der Gebäude; die unten bis 1½ m. starken Mauern waren in Pisé hergestellt und, wie aus zahlreichen Brocken zu schließen, mit Steingut- herigen Ergebni fliesen belegt. Von Tenochtitlan hat die Zerstörungswuth Azteken eng ver der Spanier fast nichts übrig gelassen; bei dem nach bis⸗ zu Xochicalco (L restaurirt von Dr. O. Mothes. Forschungen von den mit den rbündeten Tepaneken erbauten Teocalli Blumenhaus) bei Cuernavaca besteht der Unterbau Oaus einem Felsen, der in eine Pyramide 5 Stufen durch Futtermauern umgewandelt u. von eit Graben umgeben ist, der, mit polirten Steinen esearp äußerlich 850 m. auf der Süd⸗ u. Nordseite, 990 m. der Ost⸗ u. Westseite mißt. Der Pyramidenunterbar 117m. hoch, enthält auf seiner Nordseiteeine Reihe Zim wurden; Fig. 304 stellt einen Diese Disposition kehrte Abweichung wieder. Bei des Tempels Götterstatuen getragen zu haben; SSSS hier u. datraten diese, naebst den Herden für die heiligen Feuer, Fig.305,an die Stelle des Tempels selbst. Unter der Plattform waren Souterrains angebracht, z. Theil in lebendigen Fels hineingetrieben, zum Theil auch mit Werkstücken überdeckt, die, über einander überkragend u. schräg abgearbeitet, eine Art konisches Gewölbe, Pat ähnlich den Decken der H½= griechischen Schatz-S häuser, bilden. Die Beschreibungen des u Cortez und seiner Begleiter, zum Theil durch Zeichnungen 5 erläutert, sowie die noch vorhandenen — kümmerlichen Reste haben uns in den S Stand gesetzt, den 1482 begonnenen, „ 1505 vollendeten und 1521 zerstörten Hauptteocalli von S Mexikomit derihn in S einem Viereck von ca. 200 m. Breite und 300 m. Länge umschließenden Schlangenmauer zu restau-NN riren, s. Fig. 306 u. A 307. Der so gebildete Bezirk, Teopan, Platz Gottes, enthielt also zunächst den erwähnten Haupttempel des Huitzlipochtli u. Tez-Wh flächen der 5 stufenförmig sich zurückziekleinere Tempel versch iedener Größe. und F Form, darunter der runde Tempel des Quetzalkoatl, dessen Portal ein Drachenmaul darstellte, Fasthäuser für König u. Priester, Wohnungen für Oberpriester und Priester, Schulen für die erwachsene Jugend beider Geschlechter, Badeteiche, Brunnen etc., Schädelhäuser, Käfige für erbeutete Götzen, 2. Grabmäler. Die Grabmäler der Könige waren, ähnlich den Teocallis, pyramidalgestaltet, nur meist schmäler und ohne den Tempelbau auf der Plattform. Um sie oder um die Teocallis scharten sich dann, meist in regelmäßigen Reihen, von Nord nach Süd stehend, Iel und Pyramiden, wahrscheinlich Privatgrabmäler. Die Teocallis der Begräbnisplätze sind in der Regel gepärt, eines für den Sonnengott Tonatiuh, eines für die Mondgöttin Meztli. 3. Städteanlagen, Befestigungen re. In der Mitte der Stadt lag, wie schon erwähnt, der Haupttempel, umgeben in einem Viereck von starker Umfassungsmauer mit stufenförmigen Zinnen, in deren Nischen steinerne Schlangenfiguren standen; vier Thore nach den vier Haupthimmelsgegenden führten nach den vier Hauptstraßen der umgebenden Stadt; über jedem T hor erhob sich ein Aufbau als Waffensäl; der Hof war mitpontrten Pl atten belegt, und von ihm führte die große Freitreppe an der Tempelpyramide hinauf, deren schmale Seite nach Osten gekehrt war; die Befestigungsmauern waren stärker als; hoch. Auf unserer Abbildung Fig. 307 ist diese ganze Anlage nach einer in Gomara's Beschreibung von Cortez' Kriegszügen enthaltenen Karte dargestellt. Dem unteren (westlichen) Thorgegenüber erblickt man das Huitzompan, d. h. die 46 m. lange Schädelpyramide, aus 136000 Schädeln von geopferten Gefangenen aufgeführt; links davon erhebt sich der königliche Palast, Tepak, mit seinen 2Thürmen, hinter dessen Park die Höfchen des zoologischen Gartens hervorschauen; vor dem nördlichen Thor dehnt sich ein großer freier Platz, der Markt; an 566 sowie in der Nähe der anderen Thore, liegen öffentliche Gebäude.“ Die Berichte erwähnen außer dem Palast und der Mena— Zwerge de., einen Park, Bäder, ein Zeughaus, die Häuser der Innungen (Goldschmiede, Mosaicisten, Bildhauer, Maler etc.), öffentliche Speicher für Fälle der Hungersnoth etc. Die Straßen der Stadt wurden täglich gekehrt.“ In der Stadt Tenochtitlan, welche 300 000 Einwohner hatte, waren außer der Haupttempelanlage noch Sgroße u. nahe an 2000 kleine Tempel vertheilt. Diese Residenzstadt war durch ihre Lage im Seeschon befestigt. Andere Städte, die künstlicher Befestigung bedurften, wurden mit Mauern von 3—4 m. Stärke u. 1—6 m. Höhe umgeben, od. auch wie Tlascala mit Wällen von 6 m. Stärke und 2½ mn. Höhe exel. der Brustwehr. Bei Molcaxan liegen Ruinen von Schanzen, deren vierfache Mauern auf dem Abhang des Berges sich 491 d 4. Nutzbauten. Die Kornspeicher waren viereckig, nach Art der Blockhäufer von Holz aufgebaut, und hatten 2 Eingänge über einander. Der obere, größere diente zum Hineinschaffen, der untere zum Herausnehmen des Getreides. — Auf den Feldern Ware Wachtthürme von Holz vertheilt. — An den Straßen, welche jährlich nach der Regenzeitausgebessertwurden, waren in unbewohnten Gegenden Herhergen vertheilt, und Brücken und Fähren fehlten nicht. Die Brücken waren meist aus Stricken erichtet, dorh kamen auch gewölbte Steinbrücken von 13, 47, ja 67 Bogen, bei 18 m. Weite u. 32 m. Höhe u. 920 m. Totallänge vor. Die öffentlichen Lokale zum Ballspiel“ leitungen waren viele Meil en lang v. Stein u. Mörtel als offeneKanäle bergesten t. Sogar Dampfbäderfehlten nicht. 5. Paläste und Wohnhäuser. Der aus Steinen mit Kalkmörtel aufgeführte Königspalast hatte 20Thore, drei große u. viele kleine Höfe, deren einen, durch einen dieser Zimmer waren die Wände mit Marmor u. Fliesen bekleidet, die Balken aus Cedern- u. Cy pressenholz gearbeitet u.zierlich geschnitzt. Die Haupthalle faßte 300 Menschen. Die Häuser der Reichen u. Wörnehrnen erhoben sich in 2—3 Stockwerken, hatten plattes Dach, oft durch Thürme bekrönt, hatten 2 Eingänge, einen nach der Straße, den andern nach einem Kanal etc. Die Spanier erzählen, daß die Decken, aus Ceder, Kiefer, Cypresse etc. gearbeitet, von Säulen aus Marmor, Alabaster u. Jaspis getragen worden wären. Hauptmaterial war ein rother Kalktuff. Die Häuser der Armen waren zwar v. Lehmziegeln aufgebaut, od. von Steinen mit Schlammmörtel (in Pisé) errichtet, mit Rohr eingedeckt, aber gleich den Häusern der Reichen bunt bemalt. Wir können in Fig.308 u.309 die Abbildung von zwei solchen Häusern nach einem aztekischen Relief mittheilen. Viele hatten in ihren Häusern eigene Dampfbadezimmer, selbst der Aermste hatte eine Badezelle in seiner Hütte. Nach eigentlich künstlerischer Seite hin waren die Aztekenbauten ganz ähnlich denen der Tolteken (s. d.). Auud, m., span., Schleuse eines Wasserbehältnisses, Stauschleuse.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 206Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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