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GeschichteBrockhaus 1882

Azteken, die Bewohner Mexikos (s. d.) zur Zeit der Ankunft der Europäer in Amerika. Als um die Mitte des 11. Jahrh. n. Chr. das Volk der Tolteken (s. d.) von dem Schauplatze abgetreten war, zogen wahune, 8 rohe Horden der Chichimeken in das Anahuac, denen bald die gesitteten Acolhuas um 1200 altr welche, die ersterbenden Reste der toltekischen Kultur aufs neue belebend, von ihrer Hauptstadt Tezeuco aus durch Eroberungen im nördl. Anahuac ein blühendes Reich Acolhugcan, gründeten. Zu Anfang des 13. Jahrh. erreichten die von Norden her vordringenden wilden A. die Thäler von Mexiko, welche sie über ein Jahrhundert hindurch in unstetem Wanderleben, eine Zeit lang von den Acolhuanern unterjocht, durchzogen, bis sie endlich 1325 die Stadt Tenochtitlan, das Mexiko (so genannt von dem Kriegsgotte Mexitli) der Europäer, gründeten. Trotz des Zwiespalts im Innern und fortwährender Kämpfe mit den Nachbarvölkern, nahm doch die Bevölkerung und die Festigkeit ihres Staats de Die A. sicherten sich den Ruf mutiger Krieger. Da wendete sich zu Anfang des 15. Jahrh. Nezalhuatcojotl, ein begabter Fürst von Tezeuco, an Itzeoatl „den König (1423—36) der A., um Hilfe gegen die Tepaneken, welche die erstern unterworfen und Tezeuco in Besitz genommen hatten. Die Hilfe wurde gewährt, die Tepaneken vernichtet, das Reich von Tezeuco wiederhergestellt und alles den Tepaneken abgenommene Land den A. zugeteilt. Zwischen Mexiko, Tezeuco und dem kleinen Tlacopan ward ein Bündnis geschlossen, welches bis zur Ankunft der Spanier gehalten wurde, und in dem Mexiko den ersten Rang behauptete. Es folgte ein Jahrhundert immerwährender Kriegführung. Zuerst fanden die Waffen der A. Beschäftigung in ihren eigenen Thälern, päter aber trugen sie dieselben über die Gebirgswälle des Anahuae hinaus; unter dem ersten Montezuma (1436 —64) hatten sie ihre Herrschaft schon bis zu den Ufern des Mexikanischen Meerbusens ausgebreitet. Regiert durch eine Reihe fähiger Fürsten, die ihre vermehrten Hilfsquellen und den kriegerischen Geist des Volks zu nutzen verstanden, reichte bei der Ankunft der Europäer das Reich Montezumas II. an den Küsten des Atlantischen Oceans von 18—21⁶, an denen der Südsee von 14—19 nördl. Br. Einzelne Fürsten, wie Ahuitzotl (1482—1502), waren noch weiter, bis zu den entferntesten Regionen Nicaraguas und Guatemalas, vorgedrungen. Der Staat der A. war ein Wahlkönigreich. Die perscha wurden durch vier von ihrer eigenen Körperschaft auserkorene Edelleute aus den Nächstverwandten des verstorbenen Herrschers ewählt und mit vielem Prunk religiöser Feierlichkeit in ihre Würde eingeführt. In rohem Gepränge lebend, regierten sie unumschränkt, unter nter dem einer Art geheimen Staatsrats und unter dem chutze einer aus dem vornehmsten Adel ausgehobenen Leibwache. Den 15 und: Adel, welchem die ersten Beamten des Hofs und Staats entnommen wurden, bildeten etwa 30 mit großem Länderbesitz bekleidete Edelleute, welche größtenteils in der Hauptstadt zu leben gezwungen waren. Die gesetzgebende Macht ruhte gänzlich Wiltür 5ld Ein Gegengewicht gegen etwaige Willkür bildeten jedoch die völlig unabhängig von der Krone Wunpulhünrr Gerichtshöfe. Das Gerichtswesen war voll tändig organisiert. Die Prozesse wurden ohne Anwalt von den Parteien geführt und die Verhandlungen, Verhöre u. . w. durch Gerichtsschreiber in Schriftbildern aufgesetzt. Die Gesetze waren ebenfalls geschird eis und sehr streng. Eheangelegenheiten entschied ein eigener Gerichtshof. Die Verhältnisse der Sklaven waren durch spezielle Gesetze zu deren Vorteil geregelt. Die königl. Einkünfte flossen aus verschiedenen Quellen: Kronländereien, Personaldiensten und Materiallieferungen für den Haushalt. Die Bewohner zahlten einen Teil des Ertrags der ihnen bezirksweise durch das Los überwiesenen Ländereien an die Krone, wovon selbst die Lehnsmannen des hohen Adels nicht ausgeschlossen waren. Außerdem gab es noch Auflagen 3 die verschiedenen Kunsterzeugnisse. Um die Zahlung der Beiträge zu erzwingen, waren in den meisten größern Städten stehende Besatzungen eingerichtet. Vermittelst Eilboten und großer Heerstraßen, welche von 15 zu 15 km mit Stationshäusern versehen waren, wurde eine beständige Verbindung zwischen der Hauptstadt und den entferntesten Landesteilen unterhalten. Der letzte Zweck aller häuslichen Erziehung und öffentlichen Anstalten der A. war die Kriegführung. Einem jeden Kriege ging eine Auf-Kudegsern zur Unterwerfung und eine feierliche Kriegserklärung voraus. An der Spitze des Heers stand der König selbst. Der Anblick eines aztekischen Heers war glänzend, die Kriegszucht gut, das Kriegsgesetzbuch blutig streng. Auf das engste mit der bürgerlichen Verfassung der A. war ihre Religion verschmolzen. Schon der Mangel an natürlichem innern Zwammen ang in ihrem mytholog. Gebäude rechtfertigt die Annahme, daß dasselbe aus einer Verpflanzung der den Geist Götterechre Roheit atmenden eigentlich aztek. Götterlehre auf die der mildern, für edlere Eindrücke empfänglichen Tolteken erwachsen war. Die A. glaubten an das Dasein eines höchsten, unsichtbaren Schöpfers und Herrn des Weltalls, des Taotl. Unter diesem standen 13 Hauptgottheiten und noch 200 untergeordnete, von denen einer jeden ein bestimmter Tag oder eine eigene Festlichkeit gewidmet war. An ihrer Spitze stand der Schutzgott des ganzen Volks, der schreckliche Huitzilopochtli, der mexik. Mars. Seine Tempel waren die prachtvollsten und erhabensten; seine Altäre rauchten vom Blute der geopferten Kriegsgefangenen in jeder Stadt des Reichs. Nächst ihm sind die hervorragendsten Gestalten des altmexik. Pantheons Quetzalcoatl, der alte Nationalgott der Tolteken, der aber auch von den A. namentlich als Gott der Luft hohe Verehrung genoß, und Tezceatlipoca, der für die Seele der Welt, als Schöpfer des Himmels und der Erde sowie als Vergelter des Guten und Bösen galt. Man glaubte an ein die Ker Dasein nach dem Tode: einen Himmel, wo die Krieger in paradiesischer Seligkeit schwele ten, einen Ort der empfindungslosen Zufriedenheit für die auf gewöhnliche Weise Verstorbenen, eine Hölle mit ewiger Finsternis für die Gottlofen, den größten Teil des enschengeschlechts. Die Verbrennung der Toten erfolgte unter vielen Feierlichkeiten, bei Vornehmen unter Opferung von Sklaven. Der zahlreiche Priesterstand übte im öffentlichen und Privatleben einen und Berrichf Einfluß. Die verschiedenen Rangstufen und Verrichtungen derselben waren genau getrennt. Die vornehmste Klasse besorgte die Menschenopfer, andere die Musik, die Ernehun „die schriftlichen Aufzeichnungen, das Kalenderwesen. An der Spitze standen zwei Hohepriester. Nach der Bauart der Teocallis (d. i. Gotteshäuser), welche in Stadte Anzahl die steinernen Wohngebäude der Städte weit überragten, waren alle die zahlreichen und vielfachen religiösen Feierlichkeiten ö der I Letztere bestanden teils in Umzügen der Priester, Frauen, Männer, Kinder, sowie in Opfern von Blumen, Früchten und Tieren, teils in Menschenopfern. Anfangs nur selten, wurden die Opfer mit der Erweiterung des Reichs häufiger, bis endlich fast jede Die ee Festfeier mit denseiben beschlossen ward. ie Leichname der Geopferten wurden bei schwelgerischen Gelagen verzehrt. Die wichtigste Beschäftigung der Priester bildete jedoch die Erziehung der Kinder, zu welchem Zwecke bei allen Tempeln bestimmte Gebäude eingerichtet waren. Frühzeitige Gewöhnung an Ehrfurcht vor der Religion und deren Dienern war der Endzweck dieser Priestererziehung. In höhern Lehranstalten, Calmecac genannt, wurde die dem Priesterstande bestimmte end in der Sternkunde, Götterlehre, Geschichte u. . w. unterrichtet, wobei Aufzeichnungen in einer Bilderschrift als Hilfsmittel dienten. Auch Gesetze, Berichte der Beamten, Landkarten wurden in solcher Schrift mit Farben auf baumwollene Tuche, sauber zubereitete Häute und eine Art von Pflanzenpapier aufgezeichnet. Zur Zeit der Ankunft der Spanier war eine große Anzahl solcher Handschriften des verschiedenartigsten Inhalts vorhanden, doch die fanatische Wut der christl. Priester und Soldaten hat nur wenig von diesen Resten des Heidentums auf uns kommen lassen. Einiges findet sich in verschiedenen europ. Bibliotheken (z. B. in Wien ein prachtvoller Kodex auf Hirschhaut) zerstreut und wurde zum größten Teil in des Lord Kingsborough Prachtwerk «The antiquities of Mexicop (6 Bde., Lond. 1830, Großfol.) herausgegeben. (Vgl. Aubin, «Mémoire sur l'écriture figurative et la peinture didactique des anciens Mexicainso, Par. 1849.) Das Rechensystem, das Kalenderwesen und die Chronologie der Mexikaner setzen bedeutende Kenntnisse in Mathematik und Astronomie voraus. Ihr Sonnenjahr mit 18 Monaten zu je 20 Tagen, wozu noch 5 Schalttage kommen, war genauer berechnet als das der Griechen und Römer. Auch scheinen die A. die Ursache der Sonnenfinsternisse gekannt zu haben. ů Der Ackerbau war ebenso weit vorgerückt als die andern Künste. Er stand in der höchsten olt war mit den religiösen Einrichtungen des Volks eng verbunden und bildete die Grundlage des gesamten Nationalwohlstandes. Silber, Blei, Zinn zogen sie durch regelmäßigen Bergbau aus den Gruben von Tasco, Kupfer aus den Gebirgen von Zacotollan. Gold wurde aus Sand und Flüssen ewonnen. Den Gebrauch des Eisens kannten die exikaner nicht; anstatt dessen bediente man sich zu Werkzeugen einer Mischung von Kupfer und Zinn + fester Steinarten, wie des Itztli oder Obsiianporphyrs. In Goldsch Gold⸗ und Silberarbeiten machten die Goldschmiede der A. den spanischen den Vorrang streitig. Die irdenen und hölernen Geschirre, die dauerhaften und glänzenden arben, die stickereiartigen Gewebe, die Schmuckachen aus Federn u. s. w. liefern Beweise von großer Kunstfertigkeit. Denkmäler ihrer Bildhauer und Baumeister sind noch in großer Zahl vorhanden. (S. Amerikanische Altertümer.) Der Handel wurde teils durch Tausch, teils durch bestimmte Ausgleichungsmittel von verschiedenem Werte (Federkiele mit Goldstaub, Stückchen Zinn, Kakaobohnen) geführt. Die Beschäftigung des Kaufmanns war vorzüglich geachtet. Unter unmittelbarem Schutze der Regierung, oft mit Aufträgen von dieser versehen, wanderten sie mit ihren Karawanen bis zu den entferntesten Gegenden inden war und der Nachbarländer. Der Sklavenhandel war ein ehrbarer Beruf; regelmäßige Sklavenmärkte wurden zu Atzcapotzalco abgehalten. Vielweiberei war erlaubt, beschränkte sich aber nur auf die reichen Klassen. Die Weiber wurden mit Achtung behandelt und nahmen an den gesellschaftlichen Festen und Unterhaltungen teil. ö Der Staat der A. stand auf dem Glanzpunkte seines Gedeihens, als die Spanier die A. für immer aus der Liste der Völker strichen. Zwar leben noch ihre Bircen u mit den Europäern vermischt, in den Bergen und Thälern des Anahuac; aber alles, was ihre Eigentümlichkeit als Nation ausmachte, ist auf immer verwischt. Auch der A. hat, gleich allen andern Stämmen der roten Rasse, eine eigentümliche Empfindlichkeit der Natur. Er bebt vor der rauhen Berührung des europ. Fremdlings zurück; selbst wenn sich der fremde Einfluß in der orm höherer Civilisation ihm naht, erliegt er demelben und s 9f. dahin. Wer den heutigen Indianer Mexikos kennt, kann kaum begreifen, daß dieses Volk jemals fähig gewesen sei, einen staatlichen Organismus zu schaffen, wie der der A. oder gar der der Tolteken war. Litteratur. Außer den Werken von Veytia, Clavigero, HFa und Torquemada über die Geschichte Mexikos vgl.: Prescott, History of the conquest of Mexicop (2 Bde., Won 1843; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1845); Brasseur de Bourbourg, Histoire des nations civilisées du Mexiquen (4 Bde., Par. daldnen Müller, 4«Geschichte der amerik. Urreligionend (Basel 1855); Waitz, «Anthropologie dex Naturvölkerv (Bd. 4, Lpz. 1864); Falies, „Etudes historiques et philosophiques sur les civilisations Aztégque etc. (2 Bde., Par. 1869— 74); Bancroft, «The native races of the Pacifie States of North-Americas (5 Bde., San-Francisco u. Lpz. 1875); Bastian, «Die Kulturländer des alten Amerikay (2 Bde., Berl. 1878). „Azuay, auch Assugy, eine der südlichsten Provinzen der südamerik. Republik Ecuador, grenzt an folgende Provinzen dieses Freistaats: im W. an und Tu im N. an Chimborazo, im O. an Los Rios A. umfaßt 29288 akm und zählt (1878) etwa 100000 E. (zum größten Teile civilisierte Indianer), welche Viehzucht, Ackerbau und einige Industrie treiben, deren Erzeugnisse, Gewebe aus Wolle und Baumwolle, sowie feine Töpferwaren, edi geschätzt sind. Die Provinz ist überwiegend Gebirgsland, die Fortsetzung des 9. von r von Quito, welches im W. und O. von den beiden ½ der Cordilleren begrenzt wird. Die Ostabhänge der letztern weisen einen außerordentlich großen Reichtum an Chinarindenbäumen (Cinchona) auf. Die mittlere Jahrestemperatur des Hochthals ist 15° C. Hier finden sich noch Überreste der 1850 km langen Reichsstraße von Auihe nach Quito aus der Zeit der Inkas. Hauptstadt der Provinz ist Cuenca (s. d.). Der Vulkan Azuay, welcher der Provinz den „Namen gab, liegt 300 km südlich von Quito.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 306Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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