Cialdini (Enrico), Herzog von Gaéta, ital. General und Diplomat, geb. 10. Aug. 1811 zu Castelvetro (Modena), besuchte eine Jesuitenschule und „Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IV. studierte dann zu Parma Philosophie und Medizin. C. nahm 1831 an dem Aufstande in der Romagna unter General Zacchi teil und flüchtete dann nach Paris, wo er von der geringen Unterstützung der franz. Regierung lebte und dabei bei Dupuytren, Lisfranc und Rostan Klinik hörte. Auch übersetzte er die Werke Voltaires, I. J. Rousseaus und Velpeaus ins Italienische. Ende 1832 trat er in die Oporto-Legion Dom Pedros und avancierte zum Corporal, Sergeant und Unterlieutenant. nach diesem Feldzuge ging C. 1835 mit der Legion nag Spanien, um gegen Don Carlos zu kämpfen. Er that sich hier auch wieder so hervor, daß ihn General Durando zu seinem Adjutanten ernannte. Nach der Niederlage der Karlisten ward die Oporto-Legion aufgelöst und C. von der Regierung der Königin mit Belassung seines Grades als Oberstlieutenant bei der Gendarmerie angestellt. Beim Ausbruche der lombard. Revolution 1848 war C. in Paris, um die dortige Organisation der Gendarmerie kennen zu lernen. Alsbald folgte er dem Rufe der provisorischen Regierung in Mailand, focht unter General Ferrari im Venetianischen, wurde zum Obersten ernannt und fiel nach der Schlacht von Vicenza schwer verwundet in die Hände der Osterreicher. Geheilt und aus der lmree und or. entlassen, trat er in die piemont. Armee und organisierte das «Regiment der Herzogtümer »‚ das aus 3000 Freiwilligen aus den Herzogtümern bestand. An der Spitze desselben focht er 1849 gegen Radetzky bei Novara. Als Militär hochgeachtet, erhielt er 1855 in der piemont. Krimexpedition als Oberst die Führung einer 2 Rach“ mit welcher er an der Tschernaja kämpfte. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn der König zum Generalmajor, Flüeladjutanten und Generalinspektor der Bersagieri. An der Spitze einer Division begann C. den Feldzug von 1859 und focht namentlich bei Palestro mit Auszeichnung, was ihm die Beförderung zum Generallieutenant und den Auftrag zur Besetzung der Romagna eintrug. Es folgte 1860 der Einmarsch der Piemontesen in den Kirchenstaat, wo C. 18. Sept 1860 die päpstlichen Truppen unter Lamoricière bei Castelfidardo (s. d.) schlug und dann im neapolit. Feldzuge eine hervorragende Rolle spielte. Bei der Ae Hapetun von Gaêta, welches er 13. Febr. 1861 zur Kapitulation zwang (wofür er später den Titel Herzog von Gaktar empfing), bediente er sich zuerst der von Cavalli erfundenen gezogenen Geschütze. Im J. 1866 befehligte C. einen Heeresteil auf dem rechten ahei des Po, entwickelte jedoch keine besondere Thätigkeit und geriet deshalb 1868 in eine erbitterte litterarische Fehde mit General La Marmora. Auch auf polit. Gebiete war C. vielfach thätig; er wurde 1876 Botschafter in Paris, mußte jedoch 1881 von diesem Posten zurücktreten, da sein Verhalten in der tunesischen Frage in Italien allgemeine Mißbilligung gefunden hatte.