FeedCiborium
ReligionBrockhaus 1882

Ciborium heißt ursprünglich das Fruchtgehäuse der ägypt. Bohne (Colocasia), welches bei den alten Agyptern zum Trinkgeschirr benutzt wurde. Dann führte ein in derselben Form gearbeitetes Trinkgeschirr von Metall sowohl bei den Griechen wie bei den Römern diesen Namen. Später erhielt die Bezeichnung eine ausgedehntere Bedeutung. C. wurde der auf vier, selten auf sechs oder mehr Säulen ruhende Altarüberbau (Baldachin) genannt, welcher durch Beilhre W. umhüllt werden konnte, sodaß sich das heilige Mysterium profanen Augen entzog. Im spätern Mittelalter kam er außer Gebrauch, doch haben sich noch manche Beispiele desselben, unter andern in St. Stephan zu Wien und im Dom zu Regensburg (s. Tafel: Altäre, Fig. 18), besonders aber in Italien, erhalten. Auch hieß mitunter so das Tabernakel (s. d.) oder Sakramentssür den welches in der got. Zeit neben dem Altar ür den Speisekelch mit der Eucharistie errichtet mißt, sind unter K aufzusuchen. wurde. Vielleicht noch früher wurde mit demselben Namen der lletztere selbst bezeichnet. Er enthält in der kath. Kirche die konsekrierten Hostien. Die Form des Gefäßes, das früher aus Bronze, später aus häufig vergoldetem Silber bestand, ging aus der ursprünglichen Kelchgestalt oft in die einer Taube über, welche, von Bronze und mit Email und auch wohl mit edeln Steinen verziert, an Ketten unter dem Gewölbe des Altarüberbaues hing. Die got. Zeit adoptierte wieder den Kelch, den sie mit einem Deckel versah, liebte aber auch für das C. die Formen eines zierlichen Türmchens oder einer runden Kapsel mit Ständer und Fuß. Die Spitze bildet jedesmal ein Kreuz oder Kruzifix. Bei ärmern Kirchenstiftungen können auch bloß gläserne Ciborien gebraucht werden. Die Konsekration derselben erfolgt durch den Bischof. Früher ließ man bei denselben stets Kerzen oder Lampen brennen, jetzt indessen findet dieses nur in Kirchen statt, wo die Stiftung eines ewigen Lichts besteht. Oibotium, s. unter Agnus Scythicus. „Cibrario (Giovanni Antonio Luigi, Graf), ital. Geschichtsforscher und Staatsmann, geb. 23. Febr. 1802 zu Turin, studierte daselbst die Rechte und Geschichte, trat 1824 in den sardin. Staatsdienst und erwarb sich bereits durch seine ersten Schriften, wie «Notizie sulla storia dei principi di Savoia (Tur. 1825), Delle storie di Chieri libri IVy (2 Bde., Tur. 1827; 2. Aufl. 1830), „Notizie di Paolo Simone de' Balbi o (Tur. 1826), einen geachteten Namen. König Karl Albert beauftragte ihn wiederholt mit diplomatischen Missionen, so in Angelegenheiten Sardiniens mit der Schweiz und Frankreich (1832), mit Ssterreich (1833) u. s. w. Am 7. Aug. 1848 ergriff er als königl. Kommissar von der Stadt und Provinz Venedig im Namen Karl Alberts Besitz. Noch in demselben Jahre wurde er zum sardin. Senator ernannt. Als sich Karl Albert in freiwillige Verbannung nach Oporto zurückgezogen hatte, wurde C. im April 1849 vom Senat an den König abgeordnet. C. beschrieb seinen 35tägigen Aufenthalt zu Oporto bei Karl Albert in der Schrift: 4Ricordi di una missione in Portogallo al re Carlo Albertor (Tur. 1850; 3. Aufl. 1861). Unter der Regierung Victor Emanuels übernahm er im Kabinett d'Azeglios vom 21. Mai 1852 das Ministerium der Finanzen, welches er 4. Nov. desselben Jahres mit dem des öffentlichen Unterrichts vertauschte. Letzteres Portefeuille behielt er, bis er 31. Mai 1855 das des Auswärtigen übernahm, welches er im folgenden Jahre an Cavour abtrat. Er starb 1. Okt. 1870 zu Salo in der Provinz Brescia. C.s Ruf als Geschichtschreiber gründet sich vor allem auf die Werke: «Storia della monarchia di Savoiao (Bd. 1—3, Tur. 1840 — 47), „Origine e progresso delle istituzioni della monarchia di Savoia o (2 Bde., Tur. 1854 — 55; 2. Aufl., Flor. 1869) und «Della economia politica del Medio Evo o (2 Bde., Tur. 1839; 5. Aufl. 1861). Hieran reiht sich die Storia di Torino (2 Bde., Tur. 1847), die KCronaca d'Usseglio (Tur. 1851; 3. Aufl. 1862) und die 4Storia e descrizione della Real Badia d'Altacomba (Tur. 1844; 3. Aufl. 1855). Zahlreiche kleinere geschichtliche Arbeiten hat er selbst in KOpuscoli storici e letterariio (Mail. 1835), &Opuscoli o (Tur. 1841), „Stadi storici (2 Bde., Tur. 1851), &Operette e frammenti storicio (Flor. 1856) und «Operette varien (Tur. 1860) zusammengestellt. Sein letztes umfassendes Werk war: Della schiavitüù Ue del servaggio e specialmente dei servi agricoltori) (2 Bde., Mail. 1868—69). Auch als belletristischer Schriftsteller, besonders im Fache der Novelle, hat sich C. versucht und eine Reihe älterer und neuerer ital. Litteraturwerke herausgegeben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 386Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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