FeedCherusker
GeschichteBrockhaus 1882

Cherusker, ein deutscher Volksstamm, dessen Cäfar zuerst gedenkt. Der Wald Bacenis (wahrscheinlich der westl. Teil des Thüringerwaldes), welcher sie nach seiner Angabe von den Sueven schied, bildete ihre südl. Grenze; gegen NO. wohnten sie bis ber die Aller gegen die Elbe hin, wo die Longobarden ihre Nachbarn waren; gegen NW. wurden sie durch die Angrivarier an der Weser von den Chauken geschieden; im SW., wo sie abwärts von der Diemel eine Strecke Land auf dem linken Weserufer innehatten, trafen sie mit den Chamavern und Katten zusammen. Der erste Römer, der ihr Gebiet durchzog, war Nero Claudius Drusus, als er im J. 9 v. Chr. bis an die Elbe vordrang. Die Abhängigkeit von den Römern, in die sie hierauf zu treten anfingen, ward durch Arminius oder Hermann (. d.) vernichtet, der sich mit den Katten, Marsen und Bructerern verband und am Teutoburger Walde die röm. Legionen unter Quinctilius Varus im J. 9 n. Chr. vertilgte. Germanicus benutzte im J. 15 die Streitigkeiten zwischen Hermann und dessen Schwiegervater Segest zu einem Einfall in den westl. Teil des Landes der C. Er wiederholte ihn im folgenden Jahre, und diesmal ward Hermann an der Weser auf dem Felde Idistavisus geschlagen; doch ging Germanicus, ohne seinen Sieg zu verfolgen, wieder zurück. Bei dem Kriege, der im 0 17 zwischen Hermann und Marbod ausbrach, trennten sich die Longobarden und Semnonen von dem Bunde der Markomannen und schlossen sich an die C. an, welche unter Hermanns Anführung siegten. Nach des letztern Ermordung entstanden innere Kämpfe bei den C.; endlich ward, unter der Regierung des Kaisers Claudius, Italicus, der Sohn von Hermanns Bruder Flavius, durch Gesandte der C. aus Rom, wo er lebte, geholt, um die Fürstenwürde zu übernehmen, die er jedoch nur durch die Hilfe der Longobarden behaupten konnte. Tacitus berichtet, daß die C. durch lange Ruhe träge und unkriegerisch geworden und daß zu seiner Zeit die Katten ihnen überlegen gewesen seien. Eine wichtige Rolle haben sie jedenfalls seitdem nicht mehr gespielt. Sie gingen im 3. Jahrh. in dem neu sich bildenden Stamme der Sachsen auf; nur noch Bochern des 4. Jahrh. werden sie einmal unter den Völkern, die sich gegen Konstantin verbündeten, und gegen Ende desselben Jahrhunderts von dem Dichter Claudian erwähnt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 245Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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