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ErdkundeBrockhaus 1882

Clausthal, Bergstadt im Kreise Zellerfeld der preuß. Landdrostei Hildesheim und Hauptort des ehemals hannov. Harzes, liegt nebst der nur durch den Zellbach von ihr getrennten Bergstadt Zellerfeld auf einem Plateau des nordweitl Teils jenes Gebirges, ungefähr 560 m über dem Meere, an der Staatsbahn C. (Zellerfeld)⸗Grauhof. Von den beiden Städten hatte erstere 1880 mit Zubehör 9006, letztere 4391 E., welche fast allein vom Berg- und Hüttenwesen leben, da das Klima Ackerbau (die Kartoffel ausgenommen) nicht gestattet. C. ist Sitz des Oberbergamts, Zellerfeld derjenige des Amts. Es befindet sich hier ein Gymnasium, eine vereinigte Bergakademie und Bergschule mit reichen mineralog. und Modellsammlungen, eine herrschaftliche Maschinenwerkstätte (Centralschmiede), ein magnetisches Observatorium und Fabriken für Zündhölzer, Cigarren und Strickwaren. Die frühere Münze ist seit 1848 nach Hannover verlegt. Der oberharzische Bergbau —+7½7 nach Alter und Umfang der Gruben und Werke 6 den großartigsten in Deutschland. Nach dem Erliegen des ältern, schon erheblichen Bergbaues durch die Pest um 1350 suchten Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig in der Umgegend von Grund und Wildemann, die Grafen von Hohnstein in der Geend von St. Andreasberg durch erteilte Bergfreiheiten wieder Bergarbeiter nach dem Harze zu ziehen (um 1520). In den J. 1554 und 1593 wurden schon Bergordnungen erteilt. Seit 1620 etwa sind die clausthaler Gruben die wichtigsten. In b232 Blüte waren dieselben um 1730, wo die Gruen Dorothea und Carolina auf 969 Höhe standen. Bei der mit der Tiefe und 11 öpfung einzelner Gruben wachsenden Schwierigkeit des Bergbaues wurden schon früher viele Gruben von den Gewerken aufgelassen und gingen in die Hände der Regierung über. Am 1. Juli 1866 hörte jedoch das gewerkschaftliche Verhältnis ganz auf, und alle Gruben wurden königlich und gewähren seitdem die zu den königl. Berginspektionen C. und Silbernaal gehörigen Gruben reiche lberschüsse. Die Kuxinhaber sind im Wege der Ablösung abgefunden. Aus den gewonnenen Erzen wird Silber (etwa 50000 Zollpfund jährlich), Blei (190000 Ctr.), Kupfer (1200 Ctr.), Schwefelsäure, Arsenik u. s. w. auf vier Silberhütten erzeugt. Auf der Clausthaler (lehemals selt, die verld Hütte wird nur Werkblei dargetellt, die verkäuflichen Produkte ne 0 von der Lautenthaler Hütte, woselbst auch eine oldscheideanstalt im Betriebe steht, geliefert. Bei dem geringen Quantum Erze, welches der St. Andreasberger ißt, sind unter K aufzusuchen. Bergbau bietet, werden auf dortiger Hütte, ebenso auch auf der Altenauer Hütte, überseeische Erze verschmolzen und daraus 00 etwa 50—200 Pfd. Gold und 60000 Pfd. Silber gewonnen. Auf letzterer Hütte werden außerdem 24—-30000 Ctr. Kupfervitriol dargestellt. Die Schächte der Gruben —W 5 bis über 700 m niedergebracht. Die Gesenke er Gruben Samson bei St. Andreasberg (790 m) und Herzog Georg Wilhelm bei C. (750 m) gehören 0 den tiefsten Punkten, in denen überhaupt Bergau betrieben wird. Zum Betriebe dienen bedeutende Wasserleitungen (bei C. und Zellerfeld allein 70 Teiche und Grabenleitungen von etwa 200 km Gesamtlänge). Etwa 390 munter der Erdoberfläche dient eine etwa 6600 m lange Wasserstraße zum Transport der Erze. Da der 1799 vollendete Georgs-Stollen nicht mehr genügte, wurde 1851 ein bei Gittelde ausmündender neuer Stollen, der Ernst-August-Stollen, in Angriff genommen, der in seiner Haupttour 22. Juni 1864 vollendet wurde, mit seinen Schachtquerschlägen und Verflügelungen 25 915 melang sein wird und ein Meisterstück der bergmännischen, insonders markscheiderischen Technik ist. Die vorzüglichen Eisenerze werden teils auf der fiskalischen Eisenhütte, Rotehütte bei Elbingerode, woselbst hauptsächlich schweres Gußwerk, Hartguß und Stabeisen verfertigt wird, versstaluche teils von westfäl. Hütten verwendet. Die skalische Eisenhütte zu Lerbach liefert Gußwaren für die oberharzer Werke und Kunstgußwaren, insonders ofen und Poterin. Die etwa 58000 ha großen königl. preuß. Harzforsten liefern jährlich nahezu 200000 ebm Holz und daraus einen Gelderlös von mindestens 3 Mill. Mark. Bergbau, Hüttenwesen und Alchriterur beschäftigen am Harze 8—9000 ständige Arbeiter, vom 12jährigen Knaben (dem Pocharbeiter) an. Von vielem volkswirtschaftlichen Interesse sind die zur Unterstützung der Arbeiter dienenden Einrichtungen, wie Kornmagazin, Knappschaftskasse für Kranke, Invaliden, Witwen und Waisen u. s. w. Die frühern Privilegien, Freiheit von allen Steuern, vom Militärdienste u. dgl. 5 ganz aufgehoben. — Der Kreis Zellerfeld umfaßt 809,65 qkm mit (1880) 43 591 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 443Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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