Clermont-Ferrand, auch blos C. genannt (das Nemossus oder Augustonemetum (später Arverni] der Römer, im Lande der Arverni), altertümlich gebaute Hauptstadt des franz. Depart. Puyde-Döme, an der Paris-Lyoner Eisenbahn und am Eingange eines halbkreisförmigen Thals im O. des Puy-de-Döme herrlich auf einer 50 m hohen Anhöhe (407 m Meereshöhe) zwischen den Bächen Tiretaine und Artier, die zum Allier gehen, mit 24 km Umfang, gelegen, wird seit 1731 durch die Orte C. und Montferrand gebildet, welche, km voneinander entfernt, durch Alleen verbunden sind. C. hat aus dunkler Lava erbaute Häuser, mehrere ausgezeichnete Gebäude, wie die 1248 im got. Stil begonnene, erst in neuester Zeit vollendete Kathedrale mit 22 Kapellen und zwei 80m hohen Türmen, die Getreide⸗ und die Leinwandhalle, das Theater, das Hötel-Dieu u. a. Die Straßen sind meist eng und gewunden, auch steil. Auf dem schönen Jaude-Platz steht die Statue von Desair. Die Stadt ist der Sitz der Departementalbehörden, eines Tribunals ofs. Sie batd eines Handelsgerichts und eines Bischofs. Sie hat eine Académie-Universitaire für sechs Departements, ein Lyceum, eine Vorbereitungsschule für Medizin und Pharmacie, eine Entbindungsschule, ein Lehrer⸗ und ein theol. Seminar, desgleichen Zeichen- und Handwerksschulen,‚ ellog. botan. und andere Lehranstalten. Außerdem befindet sich hier eine Akademie der Wissenschaften und schönen Künste, sowie eine Gesellschaft des Ackerbaus, der Medizin, ein Mineralienkabinett, ein Altertumsmuseum, ein botanischer Garten und eine öffentliche Bibliothek von 45000 Bänden, mit einer Statue von Pascal und einer Büste von Delille. Die Zahl der Bewohner beläuft sich 1881 auf 43187, welche Fabriken in chem. Produkten, ital. Pasten, Gries, eingemachten Früchten, Eichelkaffee, Strohhüten, Lichtern, Baumwollgarn, Tafelleinen, tierischen Slen, Tauwerk, Nägeln, Maschinen unterhalten und einen sehr beträchtlichen Handel mit Landesprodukten und Spedition zwischen Bordeaux, Paris, Lyon und dem südl. Frankreich treiben. Auch bereitet man in C. Aprikosen- und Cässispasteten, welche wegen ihrer Güte weithin versandt werden. Außerdem befinden sich da⸗ „selbst zwei Mineralquellen (darunter der berühmte inkrustierende Eisensäuerling von St.⸗Allyre), 18 C. warm, welche als Bäder benutzt werden, wie denn die ganze Umgegend reich an Mineralwässern ist. Zahlreiche röm. Altertümer, namentlich eine Wasserleitung, zeugt von dem röm. Ursprunge der Stadt. Im 9. Jahrh. von den Normannen zerstört, wurde sie wieder aufgebaut und erhielt den Namen Clarus mons, wurde befestigt und 1220 zur Kommune gemacht. Im Mittelalter wurden in C., wel⸗ „ches der Sitz des Grafen gleiches Namens oder der von Auvergne und eins der ältesten Bistümer Frankreichs war, mehrere Kirchenversammlungen, Generalstaaten und feierliche Assisen gehalten. Die merkwürdigste war das Konzil im J. 1095, auf welchem durch Papst Urban II. der erste Kreuzzug zu Stande gebracht wurde.