FeedClermont-Tonnerre
GeschichteBrockhaus 1882

Clermont-Tonnerre, ein altadeliges franz. Geschlecht, dessen Stammsitz Clermont in der Gegend von Grenoble liegt. Die Barone von C. waren die mächtigsten Herren in der Dauphiné, und bereits 1572 ward die Baronie zum Pairie-Herzogtum erhoben. Das Geschlecht trennte sich in verschiedene Seitenlinien, von denen vier bis in die neuere Zeit fortblühten: 1) die herzogl. Linie; 2) die Linie der Marquis von C., die sich 1521 absonderte und jetzt in zwei Asten besteht; 3) die des Marquis C.⸗Montoison, von der die letzte Erbtochter den Erben des 0 Hauses heiratete, aber 1847 starb; 4) die des Marquis von C.⸗Mont-Saint-Jean. Dem Geschlecht gehören namentlich an: Stanislaus, Graf von C., der Sohn des Marschalls C., wurde im J. 1747 geboren. Derselbe war beim Ausbruch der Revolution Oberst, trat 1789 als Abgesandter des Adels in die Generalstände, stimmte für die Vereinigung der drei Stände und machte dann in der Nationalversammlung seine Grundsätze für die konstitutionelle Monarchie mit einer Freimütigkeit geltend, welche sowohl bei der aristokratischen Partei wie bei den Beförderern und Anhängern der Republik 2½½ erregte. In der Nachtsitzung des 4. Aug. 1789 ri auch ihn der allgemeine Taumel dazu hin, die Abschaffung der Privilegien zu votieren, später aber stimmte er für die Bildung zweier Kammern, das königl. Veto und alle Prärogativen der konstitutionellen Krone. Um den Republikanern, besonders den Jakobinern entgegenzutreten, gründete er mit Malouet den monarchischen Klub, der bald wieder aufgelöst werden mußte, und gab das Journal des impartiauxo heraus, das ebenso wenig Fortgang hatte. Im Juni 1791 wurde er angeklagt, dem Könige zur Flucht behilflich gewesen zu sein, und mißt, sind unter K aufzusuchen. hätte sich die Nationalversammlung seiner nicht angenommen, so wäre er schon damals vom Pöbel ermordet worden. Während der Vorgänge vom 10. Aug. 1792 drang ein wütender Haufe in seine Wohnung, angeblich um verborgene Waffen aufzufinden, und als man keine fand, schleppte man ihn vor die Sektion. Da auch diese keinen Grund zur Anklage gegen ihn fand und ihn entließ, so wurde er ohne weiteres vom Pöbel angegriffen, durch einen Schuß verwundet und in dem Hause der Gräfin Brissac, in das er geflohen, vollends erwürgt. Eine Sammlung seiner polit. Schriften (4Bde.) erschien 1791. Mit ihm erlosch der gräfl. Zweig des Hauses. Aimé Marie Gaspard, Herzog von C., Generallieutenant, Pair von Frankreich, Marine⸗ und Kriegsminister, wurde zu Paris am 27. Nov. 1779 geboren, trat 1799 in die Polytechnische Schule, machte die Feldzuüge in Italien, Deutschland und Spanien mit und war Kapitän, als er 1808 Adjutant des Königs Joseph von Neapel wurde, in dessen Diensten er fortan blieb. Nach 1814 trat er mit dem Range eines Obersten in die Idie Armee zurück und erhielt durch die * unst die Beförderung zum Mareéchal-de-Camp. * Pair ernannt und Kommandeur der Gardeavallerie. Er unterstützte die Reaktion und erhielt, als Villele Präsident des Conseils wurde, im Dez. 1820 das Amt des Marineministers und den Grad eines Generallieutenants. Er versuchte die verfallene Seemacht Frankreichs zu heben, wirkte auch —* 1823, wo er das Ministerium der Marine mit em des Kriegs vertauschte, mit Energie für die Reorganisation des Heers. Unter ihm wurde das alte Material der Artillerie durch ein besseres ersetzt, der Generalstab reorganisiert und die Kavallerieschule zu Saumur nach neuem Plane hergestellt. Nach der Julirevolution von 1830 weigerte er sich, der neuen Regierung den Eid zu leisten, und trat ins Privatleben zurück. Er starb 8. Jan. 1865 auf seinem Schlosse Glissolles. Der älteste seiner drei Söhne, Gaspard Louis Aimé, Herzog von C., wurde 15. März 1812 geboren.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 454Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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