Cobden lehre. wur der berühmteste Vertreter der Ddaurit in ehre, ward 3. Juni 1804 zu Dunford bei Midhurst in Sussex geboren. Sein Vater gehörte zur Klasse der kleinen Eigentümer, die ihr Land selbst bebauen und die heute in England fast ganz verschwunden sind, da die Tendenz, den Grundbesitz in wenigen Händen zu konzentrieren, immer mehr überhand genommen hat. Auch C.s Vater wurde das Opfer dieser Richtung; er verlor seine kleine Habe und hinterließ eine Familie von neun Kindern in äußerster Dürftigkeit. So mußte der junge C. in seiner Kindheit die Schafe hüten und Een keinen andern Unterricht als Lesen, Schreiben und Rechnen; höhere Bildung gab er sich erst in spätern Jahren durch eigene Anstrengung. In Manchester gelang es ihm, eine Fabrik zu errichten, deren Erzeugnisse in Farbe und Zeichnung den in London produzierten Kattunen gleichkamen, und als er 1835 die polit. Laufbahn betrat, zählte er bereits zu den geachtetsten Manufakturisten jener Stadt. Oftere Ausflüge nach Frankreich, Belgien und der Schweiz hatten seine Anschauungen erweitert, und eine von ihm Ja Ihmr u gegen Urquhart gerichtete Broschüre gab ihm zuerst Gelegenheit, die Theorie zu entwickeln, welche mit einigen Modifikationen seine ganze spätere Anschauungsweise geregelt hat. C. sprach sich für ein System des Friedens aus, machte die Prätensionen der Diplomatie lächerlich, verwarf den alten Lehrsatz von dem Gleichgewicht der Macht und behauptete, daß die Mission Englands darin bestehe, seine Handelsverbindungen und seinen moralischen Einfluß über die ganze Welt auszudehnen, ohne mit jemand Krieg zu führen. Diese Schrift und eine zweite in demselben Geiste erregten in Manchester Aufsehen und erwarben dem Verfasser Einfluß bei der industriellen Aristokratie Lancashires. Obgleich Manchester die erste Fabrikstadt in England war, befand es sich damals noch unter der Jurisdiktion eines aristokratischen Grundherrn, der die municipale Verwaltung nach Gutdünken anordnete und die Lokalsteuern ausschrieb. In Verbindung mit einigen gleichgesinnten Freunden brachte es C. dahin, daß die Macht des Lord of the Manor einem Gemeinderat Platz machte, in welchen er selbst als Alderman gewählt wurde. Kurz darauf ward er Präsident der Handelskammer, und sein Ansehen wuchs mit jedem Tage. Unterdessen hatte C. auf einer Reise nach den Vereinigten Staaten die dortigen Zustände in ökonomischer und industrieller Beziehung studiert, besuchte dann Agypten, die Türkei und Griechenland und 1838 Deutschland. Hier faßte er die erste Idee eines Vereins zum Schutze der Interessen des Mittelstandes gegen die Übergriffe der Aristokratie, welche zur Gründung der — League (s. d.) führte. rmißt, sind unter K aufzusuchen. C. widmete sich mit aller Kraft seines Geistes und diefer unermüdlichen Ausdauer der Organisation ieser Gesellschaft, die übrigens nicht nur die Aufhebung der Kornzölle verlangte, sondern allgemein das Freihandelsprinzip vertrat; doch gelang es ihm erst 1841, für Stockport ins Unterhaus gewählt zu werden. Fünf Sessionen hindurch dauerte der Kampf gegen das Monopol der Grundbesitzer, der auf beiden Seiten mit leidenschaftlicher Hitze geführt wurde, bis endlich die Freihandelspartei im Juni 1816 den Sieg davontrug. C.s dankbare Mitbürger brachten eine Summe von 75000 Pfd. St. zusammen, um ihn für die Opfer an Zeit und Geld u entschädigen, welche ihn die Verfechtung ihrer Futeressen gekostet hatte. Eine Stelle in dem neugebildeten Wigh-Ministerium ablehnend, unternahm jetzt C., um sich von Reie langjährigen Strapazen zu erholen, eine Reise durch Europa. Er besuchte Frankreich, Spanien und Italien, dann Deutschland, Rußland, Schweden. lüberall fand er eine ausgezeichnete Aufnahme; sogar in Moskau wurden ihm Ovationen zuteil. In Madrid erhielt er die Nachricht, daß das West-Riding von Norkshire Va mit 38000 Stimmen zu seinem Vertreter im arlament ernannt habe. Unter seiner Mitwirkung erfolgte 1849 die Aufhebung der Navigationsakte, eine natürliche Consequenz des Freihandelsprinzips, die aber von seiten der Schiffsreeder den heftigsten Widerstand erfuhr. An die Stelle der League war die Financial-Reform-Association getreten, welche sich später mit der Wahlreform-Association vereinigte, und die Bestrebungen C.s waren von nun an besonders auf die Einführung zweckmäßiger Ersparungen in der Staatsverwaltung und auf die Ausdehnung des parlamentarischen Stimmrechts gerichtet. Zugleich zeigte sich C. als ein eifriger Beförderer der Friedensgesellschaften, an deren Versammlungen (unter andern in Lhren sfurt 1850) er sich fleißig beteiligte und deren Lehren er mit aller Macht seiner Rede unterstützte. In diesem Geiste widersetzte er sich auch beharrlich der Einmischungspolitik Lord Palmerstons, suchte 1853 den Bruch mit Rußland zu verhüten und erklärte sich mit solcher Entschiedenheit gegen den Krieg, daß seine Popularität einen ernstlichen Stoß erhielt. Ein von ihm bei Gelegenheit der Zerwürfnisse mit China beantragtes Mißtrauensvotum gegen das Ministerium ging 3. März 1857 mit einer Majorität von 16 Stimmen duech: als aber infolge dessen das Parlament aufgelöst wurde, unterlag C. bei der Neuwahl dem Kandidaten der Kriegspartei. C. unternahm hierauf eine neue Reise nach Amerika. Noch während seiner Abwesenheit wählte ihn die Stadt Rochdale im April 1859 zu ihrem Abgeordneten, und als bald nachher Palmerston abermals ans Ruder trat, wurde C. zum Handelsminister mit einem Sitz im Kabinett ernannt. Beides lehnte er ab, da er sich nicht an eine Partei binden wollte; dagegen übernahm er den Auftrag, einen Handelsvertrag mit Frankreich abzuschließen, der 23. Jan. 1860 wirklich zu Stande kam und für die engl. Industrie die ersprießlichsten Folgen hatte. Seitdem nahm er wieder im Parlament dieselbe unabhängige Stellung ein, die er sein ganzes Leben Jüteres bewahrt hat. Unter den von ihm im nteresse des Friedens und des ruhigen Fortschritts veröffentlichten Flugschriften verdient KThe three panics v (Lond. 1862) Erwähnung, in welcher er die Invasionsfurcht der Engländer und die dadurch hervorgerufenen großen Kriegsrüstungen verspottete. Seit Abschluß des Handelsvertrags mit Frankreich nahm C. keinen hervorragenden Anteil an den Mirt Ereignissen. Es war die Zeit des zweiten kinisteriums Lord Palmerstons, der seinen ganzen Einfluß benutzte, der durch Bright betriebenen Agitation für eine neue Parlamentsreform zu steuern und überhaupt an den bestehenden Zuständen so wenig als möglich zu ändern. Am bemerkenswertesten war während jener Jahre C.s entschiedene Kumgfegeae für die amerik. Nordstaaten in ihrem Lampfe gegen die Südstaaten, eine Haltung, die ihn und seine Anhänger vor der großen Menge der engl. Politiker rühmlich auszeichnete. Hinsichtlich des Deutsch-Dänischen Kriegs sprach er sich nicht mit gleicher Entschiedenheit aus; doch sein schärfster Tadel traf die zweideutige Interventionspolitik, durch welche England damals so viel von seinem moralischen Gewicht einbüßte. Das Resultat dieser Politik war ihm ein neuer Beweis für seine Lehre von der Notwendigkeit der Nichtintervention. In diesem Sinne äußerte er sich auch noch bei seinem letzten öffentlichen Auftreten vor seinen Wählern in Rochdale im Herbst 1864. Ein Brustübel, an dem er lange gelitten, hatte inzwischen bedenkliche Fortschritte gemacht, sodaß die Arzte ihm die Teilnahme an den Parlamentsverhandlungen von 1865 untersagten. Der Wunsch, an den Debatten über die Befestigung der canadischen Grenze im Sinne der Freundschaft und des Friedens mit Amerika teilzunehmen, trieb ihn jedoch von seinem Landsitze bei Dunford nach London. Kaum dort angelangt, wurde er durch einen heftigen Anfall von Asthma von neuem ergriffen und starb 2. April 1865. Zu C.s Andenken ward, unter Beteiligung der hervorragendsten Mitglieder der liberalen Partei, der Cobden-⸗Klub gegründet, welcher bei einem jährlich im Juli zu Greenwich stattfindenden Festessen C.s Andenken feiert und mehrere volkswirtschaftliche Schriften veröffentlicht hat. C.s Witwe veranlaßte die Herausgabe einer Sammlung seiner politischen Schriften: The political writings of Richard C.v (2 Bde., Lond. 1867); seine Freunde John Bright und Thorold Rogers veröffentlichten „C.s spéeches on questions of public policyo (2 Bde., Lond. 1870). Vgl. von Holtzendorff, Richard C. » (3. Aufl., Berl. 1874); 0 C. Sein Leben und Wirken (Brem. 1876); Mrs. Salis-Schwabe, Richard C., Notes sur ses voyages, correspondances ete. (Par. 1879); John Morley, «The life of Richard C.v (2 Bde., Lond. 1881).