FeedColchicum
PflanzenreichBrockhaus 1882

Colchicum, Pflanzengattung aus der Familie der Melanthaceen, besteht aus Zwiebelgewächsen mit dichter, knolliger, von brauner Schale umhüllter Zwiebel, aus welcher unmittelbar die mit einem langröhrigen, sechsspaltigen Perigon versehenen Blumen und die Blätter hervorkommen, und zwar entweder gleichzeitig oder die Blumen vor den Blättern. Der unter der Erde befindliche Fruchtknoten trägt drei sehr lange Griffel. Aus ihm entwickelt sich eine dreifächerige, on den B Kapsel, welche dicht über dem Boden, von den Blättern umhüllt, erscheint. Die sechs Staubgefäße, an denen die Arten dieser Gattung sofort von den ihnen ähnlichen Krokusarten unterschieden werden können, sind im Schlunde des trichter- oder keulenförmigen Perions endfegt Die gemeinste von den in Europa, (sien und Nordafrika wachsenden Arten ist die Zeitlose oder Herbstzeitlose (C. autumnale J.), welche im September und Oktober feuchte Wiesen mit ihren nackten, blaß rosen⸗ oder lilafarbenen Blumen oft in großer Menge ziert. In Gärten hat man auch eine weißblühende Varietät. Die Zeitlose besitzt eine tief im Boden steckende, eiförmige, 2,5 bis 5 em lange Zwiebel und bringt die tulpenartigen Blätter mit der grünen, einer Tulpenknospe gleichenden Kapsel erst im folgenden sehr farte hervor. Sowohl die inwendig weiße, ehr stärkemehlreiche Zwiebel als der dunkelbraune, runzelige Same sind giftig, letzterer aber auch zugleich offizinell. Aus dem offizinellen Samen (Semen Colchici), welcher einen in der ganzen Pflanze vorhandenen, sehr bitter schmeckenden, in farblosen Prismen krystallisierenden Stoff, das Colchiein (s. d.) in größter Menge enthält, werden Zeitlosentinktur (Tinctura Colchici) und Zeitlosenwein (Vinum Colchici) bereitet und diese Präparate gegen Asthma, Rheumatismus, Gicht, Podagra, innere Entzündungen, akute Wassersucht u. s. w. innerlich angewendet. Die Zwiebeln (Bulbi oder Radices Colchici) waren früher ebenfalls offizinell. Vergiftungen mit C. kommen namentlich bei Kindern vor, welche mit den Kapseln spielen und die Samen essen. Milchende Kühe geben, wenn sie die Blumen oder Blätter gefressen haben, eine mit Blut vermengte Milch. In neuerer Zeit haben bisweilen gewissenlose Bierbrauer die Samen der Pflanze als Surrogat des nißt, sind unter K aufzusuchen. Hopfens benutzt; dergleichen Bier ist selbstverständlich der Gesundheit höchst nachteilig.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 493Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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