Colieren, s. Kolieren. ralwo (Gaspard von Chätillon, Graf von), Admiral von Frankreich, einer der Hauptführer der Hugenotten, wurde 16. Febr. 1517 zu Chätillonsur-Loing geboren. Sein Vater war der Marschall Gaspard von C., seine Mutter Louise die Schwester des Connétable von Montmorency. Im J. 1537 kam er an den Hof Franz' I., begleitete den König 1543 in den Krieg, begab ich im folgenden Jahre mit seinem Bruder d'Andelot zur Armee nach Italien, und beide fochten hier so 7½ daß sie auf dem Schlachtfelde von Cerisoles zu Rittern geschlagen wurden. Als C. aber hörte, daß Kaiser Karl V. und Heinrich VIII. von England in die Champagne und Picardie eingefallen, kehrte er zurück, diente unter dem Dauphin in der Champagne, half nach dem Frieden mit Karl Boulogne belagern und beteiligte sich an den Unterhandlungen, kraft deren diese Hemrid an Frankreich zurüctfiel (Juni 1546). Von Heinrich II. zum Generalobersten der Infanterie und bald darauf zum Admiral erhoben, machte er 1552 an des Königs Seite den Feldzug in Lothringen mit, durch den die drei Bistümer für Frankreich erworben wurden, und zwei Jahre nachher half er die Schlacht von Renty gewinnen. Da der Herzog von Guise die Ehre dieses Siegs sich zuschreiben wollte, brach zwischen beiden eine tödliche Feindschaft aus, die noch dadurch sich steigerte, daß 1556 der Herzog den von C. geschlossenen Waffenstillstand von Vaucelles nicht achten wollte. Inzwischen hatte C. mit Bewilligung des Königs die Würde eines Generalobersten der Armee an seinen Bruder d'Andelot abgetreten. Dieser, der während seiner langen Kriegsgefangenschaft in Italien sich zum Calvinismus bekehrt hatte, suchte auch seine beiden Brüder d'Odet und Gaspard dafür zu gewinnen; er bekannte sich bald öffentlich zur reform. Kirche und verlor damit sein Amt und die Gunst des Königs. Nach der Niederlage der franz. Waffen bei St.⸗Quentin 1557 wurde C. beordert, die ihrer Festungswerke beraubte Stadt zu verteidigen. Indessen mußte er endlich doch trotz größter Tapferkeit der übermacht weichen. C. fiel in die Hände der Spanier, wurde nach Gent als Gefangener abgeführt und erst nach zwei Jahren durch ein bedeutendes Lösegeld befreit. In der Gefangenschaft durch Briefwechsel mit seinem Bruder d Andelot in der Sache des Calvinismus fester geworden, richtete er sein Augenmerk darauf, für seine Glaubensgenossen durch Anlegung von Kolonien ein Asyl in der Neuen Welt, namentlich in Brasilien, zu stiften. Doch mißlang dieses Projekt. Nach dem Tode Heinrichs II. stellten sich C. und sein Bruder d'Odet offen an die Spitze der Hugenotten (s. d.); um so heftiger entbrannte der Haß wabren dem Herzog von Guise und dem Admiral während der kurzen und schwachen Regierung Franz' II. Der Tod des letztern und die Regentschaft der Katharina von Medici waren den Guisen und der kath. Partei günstig. Die Calvinisten wurden verfolgt, und beide Parteien griffen zu den Waffen. Die Schlacht von Dreux 1562 fiel für die Hugenotten unglücklich aus; ihr Hauptführer Prinz Condé wurde gefangen; allein C. rettete die Trümmer des Heers durch einen meisterhaften Rückzug und trat an die Spitze der hugenottischen Waffenmacht. Während nun C. in die Normandie zog, wurde der Herzog von Guise bei der Belagerung von Orléans ermordet, eine That, die man sofort ohne jeden Anhalt dem Admiral zur Last legte. Dennoch stellte der Vertrag von Amboise auf einige Jahre den Frieden her, bis C. und Conde, erbittert durch die wiederholten Beleidigungen von seiten des vofs, mit Ende Sept. 1567 die Feindseligkeiten wieder eröffneten. C. schlug bei St.⸗Denis die Truppen des Hofs und widersetzte sich mißtrauisch den neuen Friedensvorschlägen, auf die Conde einging. C.s Mißtrauen wurde rasch gerechtfertigt; denn als er sich mit dem Prinzen auf dessen Familiengut Noyers begeben, schickte der Hof Truppen ab, um beide aufzuheben. Sie entkamen zwar, sammelten aufs neue Truppen und H mehrere feste Plätze, wurden aber 1569 bei Jarnac geschlagen, was die Gefangennahme und Ermordung Condes zur Folge hatte. Hierauf wurde der Prinz von Béarn (Heinrich von Navarra) zum Haupte der Hugenotten erwählt und C. führte in seinem Namen mit Geschick, wenn auch meist mit Nachteil, das Heer. Die unglückliche Belagerung von Poitiers, das Salachtvr Gefecht von St.⸗Clair, bald darauf die Schlacht von Montcontour waren schwere Schläge für die Partei. Schwer verwundet entkam C. aus der letztern Schlacht, und jetzt gelang es ihm, nachdem er Angoumois, Perigord und Querey heimgesucht, 27. Juni 1570 bei Arnay-le-Due in Bourgogne den vierfach stärkern Marschall Brissac zu besiegen, sodaß der Hof sich genötigt ssch 8. Aug. zu Gunsten der Hugenotten Frieden zu schließen. Inzwischen hatte, auf Verlangen des Hofs, das Parlament C. für einen Hochverräter erklärt und einen Preis auf seinen Kop gean Dessenungeachtet erschien C. nach dem Frieden am Hofe und wurde von Karl IX. +1 zuvorkommendste aufgenommen. Um den hadernden Parteien eine gemeinsame Richtung nach außen zu geben, schlug C. dem Könige vor, an Spanien den Krieg zu erklären und Flandern zu erobern. Er machte ihm dabei bemerklich, wie er sich durch dieses Unternehmen den Parteien des Hofs und der Königin-Mutter entziehen könnte. Karl IX. schien darauf einzugehen; doch gewann schließlich die Partei der Guisen beim Könige die Oberhand. Die kühnen, zuversichtlichen Reden der Hugenotten stachelten nur noch mehr auf, sodaß man sich schließlich zu einer förmlichen Verschwörung gegen sie verstand. C. hatte sich auf kurze Zeit vom Hofe entfernt, um auf einem seiner Güter die Denkschrift über den projektierten Feldzug auszuarbeiten, und empfing daselbst Berichte seiner Freunde, die ihm die Anschläge der Guisen und der Königin-Mutter mitteilten. Allein er beachtete im Verkrauen auf den König diese Warnungen nicht und kehrte zur Vermählung Heinrichs von Navarra mit Margarete von Valois an den Hof zurück. Einige Tage nach dieser Vermählung, 22. Aug. 1572, als er vom Louvre aus langsam in seine Wohnung zurückkehrte, wurde er plötzlich von mehrern Kugeln getroffen, von denen ihm eine die rechte Hand verwundete, die andere den linken Ellbogen. Der Meuchelmörder war von den Guisen gedungen. Karl IX. geriet in den größten Zorn, schwor, die That furchtbar zu rächen, und rmißt, sind unter K aufzusuchen. begab sich mit dem Hofe in die Wohnung des Verletzten. Die Guisen und die Königin benutzten nun die bedrohliche Aufregung der Hugenotten, um Karl IX. völlig umzustimmen. Derselbe rief aus den heftigsten Feinden C.s einen Kabinettsrat zusammen und gab auf dessen Rat den Befehl zu der furchtbaren Metzelei in der e Lanchiitter⸗ (s. d.), als deren erstes Opfer C. siel. Um Mitternacht drangen der Herzog Heinrich von Guise, der Herzog von Aumale, der Großprior und der Chevalier d'Angouléme mit Bewaffneten in des Admirals Wohnung. Zum Tode verwundet, soll C., vergebens sich an eine Säule des Fensters anklammernd, auf den Hof hinausgestürzt sein, wo Guise und Angouléme warteten. Der Leichnam wurde, Imteen mißhandelt, an den Galgen von Montaucon gehängt; mit Lebensgefahr nahmen ihn treue Diener C.s nach drei Tagen herab. Die Papiere des Admirals wurden dem Hofe ausgeliefert und im Louvre verbrannt; von seiner Hand ist deshalb nur eine Geschichte der Belagerung von St.⸗ Quentin erhalten. Vgl. De la Ponneraye, Mlistoire de l'amiral de C.v (Par. 1830); Caraman-Chimay, „Gaspard de C., L'amiral de France, d'après ses contemporainso (Par. 1873).