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GeschichteBrockhaus 1882

Crillon, berühmte franz. Familie, ein Zweig des alten piemont. Geschlechts Balbes, das sich im 15. Jahrh. nach Frankreich verpflanzte. — Louis de Balbes de Berton de C., genannt Le brave, erhielt die unbedeutende, von seinem Großvater erworbene Besitzung Crillon (Depart. Vaucluse), führte deren Namen und brachte denselben zu so hohen Ehren, daß ihn die ganze Familie sich beilegte. C. war 1541 zu Murs in der Provence geboren und ward, weil er . ältere Brüder besaß, für den Malteserorden bestimmt. Unter dem Herzog von Guise, der u von Lothringen, damals das Muster ritterlicher und kriegerischer Größe, bildete er sich für den Kriegsdienst aus und legte 1558 bei der Belagerung von Calais die erste glänzende Waffenprobe ab. Gleichen Mut bewies er kurz darauf bei der Einnahme von Guines. Zur Belohnung dieser und anderer Heldenthaten mit zahlreichen Kirchenpfründen ausgestattet, focht er in den Religionskriegen als Anhänger des Hofs gegen die Hugenotten und zeichnete sich in den smia bei Dreux, Jarnac und Moncontour aus. Als Malteserritter nahm er an den Kriegen gegen die Türken teil, z. B. an der Schlacht von Lepanto (1571); er brachte die Siegesnachricht an Karl IX. und Pius V., die ihn mit Gunst überhäuften. An den Greueln der Bartholomäusnacht hatte C. keinen Anteil. Im J. 1573 war er bei der Belagerung von Larochelle. Als 1587 nach der Schlacht bei Coutras Heinrich III. mit der kath. Ligue gänzlich ban trug der König dem ehrlichen C. die von den Ständen zu Blois beschlossene Ermordung des Herzogs von Guise an: allein dieser wies das Ansinnen mit Abscheu zurück. Fortan führte er jedoch die Waffen gegen die Liguisten und schloß sich meun Tode Heinrichs III. Heinrich IV. an, dessen Freund und Ratgeber er schon längst war. Die Schlacht bei Miy endete für den Augenblick auch Cis kriegerische Thätigkeit; erst als Heinrich IV. mit England und Holland im Bunde sich gegen Spanien wendete, trat er wieder auf den Schauplatz. Nach dem Frieden mit Savoyen zog er sich nach Avignon zurück und starb mißt, sind unter K aufzusuchen. daselbst 2. Dez. 1615. Von den Soldaten wurde er der Mann ohne Furcht, von Heinrich IV. der Tapfere der Tapfern genannt. Vgl. Lüssan, Vie de de C.o (2 Bde., Par. 1757, u. 1 Bd., 1781); Montrond, „Histoire du brave C.v (5. Aufl., Lille w1874). Sein dritter Bruder, Thomas de Balbes Berton, nahm den Namen C. an und + da sämtliche Brüder ohne Nachkommen starben, die Familiengüter. — Zu Gunsten von dessen Nachlommen in der vierten Generation, Frangois Felix de Balbes Berton, wurde die in dem damals päpstl. Venaissin gelegene Herrschaft durch eine Bulle Benedikts XIII. 1725 in ein Herzogtum verwandelt. — Louis, der zweite Herzog von C., zeichnete sich durch seine militärische Tüchtigkeit aus und ist auch jetzt noch durch seine Mémoiresv (Par. 1791), die viel Treffliches über die Kriegskunst enthalten, bekannt. Er war 1718 geboren, machte schon in Italien unter dem Marschall Villars den Feldzug 1733 mit, kämpfte dann 1742 mit großer Auszeichnung unter dem Herzog von Harcourt in Deutschland, trat aber im Siebenjährigen Kriege wegen Zerwürfnisses mit dem franz. Ministerium 1762 in span. Dienste. Hier wurde er infolge der Eroberung von Minorca (1782) zum Herzog von Mahon ernannt und starb 1796 als Generalkapitän von Valencia und Murcia zu Madrid. Frangois Felix Dorothée de Balbes Berton, Herzog von C., zweiter Sohn des vorigen, geb. 1748 zu Paris, Pair von Frankreich und Generallieutenant, fügte zu seinem Titel einen zweiten hinzu, indem er sich, nach einem Dorfe in der Picardie, zum Herzog von Boufleurs ernennen ließ. Er starb 27. Jan. 1820 und hinterließ zwei Söhne. — Marie Gerard Louis Felir Rodrigue de Balbes Berton, Herzog von C. und zugleich von Mahon, der älteste Sohn des vorigen, geb. 13. Dez. 1782, trat 1814 in die Leibgarde Ludwigs XVIII. und erhielt nach der zweiten Restauration das Kommando der Legion der untern Alpen, in welcher Eigenschaft er 1823 an dem span. Feldzuge teilnahm. Als er nach dem Tode seines Vaters in die Pairskammer trat, zeichnete er sich durch Mäßigung und Achtung vor der Verfassung aus. Nach der Revolution von 1830 erklärte er sich für die Erblichkeit der Pairswürde, zog sich aber bald gänzlich vom öffentlichen Leben zurück und starb im April 1870 im Alter von 88 J. Mit ihm erlosch sein Geschlecht. — Louis Antoine Frangois de Paule de C., Herzog von Mahon, Grand von Spanien, ein dritter Sohn von Louis, dem zweiten Herzog von C., geb. 1775, trat zeitig in span. Dienste und zeigte sich auf dem Schlachtfelde wie als Diplomat eifrig bemüht, die span. Krone den Bourbons zu erhalten. Auf den Wunsch Ferdinands VII. trat er später in die Dienste Joseph Bonapartes, ward aber dennoch nach der Restauration von Ferdinand geächtet und mußte nach Frankreich fliehen, wo er den Titel eines Generallieutenants erhielt und 5. Jan. 1832 starb. ö Orimen (lat.), Verbrechen; C. laesae majestatis, Majestätsverbrechen; C. ambitus, Amtserschleichung; C. residui oder de residuis, Unterschlagung öffentlicher Gelder; C. perduellionis, Hochverrat u. s. w. In einem andern Zusammenhange bedeutet C. bei den Römern die feierliche Anklage.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 676Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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