Colloredo-Mansfeld nennt sich seit 1771 die fürstl. Linie des Hauses Colloredo (s. d.). Als die hervorragendsten Glieder derselben sind besonders zu erwähnen: Franz de Paula Gundaccar, Furst von C.⸗M., geb. 28. Mai 1731, war 1767 —71 Gesandter in Madrid, wurde 1772 zum Prinzipalkommissarius beim Reichskammergericht und 1789 zum Reichs-Vizekanzler ernannt, welche Stelle er bis zur Aufhebung des Deutschen Reichs (6. Aug. 1806) bekleidete. Er starb 27. Okt. 1807 und hinterließ drei Söhne: Rudolf Joseph, Hieronymus und Ferdinand. — Rudolf Joseph, Fürst von C.⸗M., geb. 16. April 1772, wurde 1834 Wirkl. erster Oberhofmeister des Kaisers und starb 28. Dez. 1843. Seine Besitzungen in Böhmen (360 akm mit 40000 E.) und in Niederösterreich aber auf seinen Neffen Franz de Paula Gundaccar über. — Ferdinand, Graf von C.⸗M., geb. 30. Juli 1777 zu Wien, studierte in Würzburg und Göttingen und widmete sich der Diplomatie, ward 1801 böhm. Gesandter auf dem Reichstage zu Regensburg und 1803 außerordentlicher Gesandter am Hofe zu Neapel, dem er 1806 nach Palermo folgte. Im J. 1808 beteiligte er sich bei der Organisation der Landwehr, und 1809 kämpfte er als Major eines Bataillons bei Aspern und Wagram. Auch in den J. 1814 und 1815 widmete er sich dem Kriegsdienste, zog sich jedoch 1815 auf seine Güter zurück. Später fungierte er als General-Hofbaudirektor. Nach den Märzereignissen von 1848 übernahm er das Kommando der Akademischen Legion, legte dasselbe aber bald nieder. Er starb 10. Dez. 1848. — Hieronymus, Graf von C.⸗M., geb. 30. März 1775 zu Wetzlar, trat 1792 in die Armee, erhielt infolge des Siegs bei Kulm (30. Aug. 1813) die Würde eines Feldzeugmeisters und das Kommando der 1. Armeeabteilung, kämpfte bei Leipzig und in Frankreich, wurde 1814 vor Troyes verwundet und mußte die Armee verlassen. Er starb an seinen Wunden zu Wien 23. Juli 1822. — Franz de Paula Gundaccar, Fürst von C.⸗M., Sohn des vorigen, geb. 8. Nov. 1802 zu Wien, trat 1824 in die Armee. Bis zum Generalmajor aufgerückt, befehligte er 1848 erst zu Triest, dann zu Theresienstadt eine Brigade und war dann bei Unterdrückung des Aufstandes zu Prag thätig. Nachdem er im Okt. 1848 an der Einschließung Wiens teilgenommen, machte er mit seiner Brigade den ungar. Feldzug mit und kämpfte . in der Schlacht bei Kapolna und vor Komorn. Zum Feldmarschalllieutenant ernannt, suchte er sich mit einer Division erfolgreich auf der Insel Schütt zu halten und blieb dann bei dem Cernierungskorps von Komorn. Nach dem ungar. Feldzuge wurde ihm im Okt. 1850 der Oberbefehl über das 2. Armeekorps übertragen. Er starb 29. Mai 1852 in Gräfenberg in Schlesien. — Sein Erbe und Nachfolger im Familienfideikommiß ist Joseph Franz Hieronymus, Fürst von C.⸗M., ein Sohn des Grafen Ferdinand. Derselbe wurde 26. Febr. 1813 geboren, diente zuerst in der Armee, in welcher er bis zum Major vorrückte, war seit 1859 viele Jahre hindurch Präsident des Patriotischen Hilfsvereins, 1861—67 Landmarschall von Niederösterreich, 186869 Präsident des Herrenhauses. Er gehört der deutschösterr. verfassungstreuen Partei an. — Der älteste Sohn desselben, Graf Hieronymus, geb. 20. Juli 1842, diente 1859 — 65 in der Armee, widmete sich dann dem Betriebe der Landwirtschaft auf seinen Gütern (Dobrzisch), wurde 1871 von dem verfassungstreuen Großgrundbesitz in den böhm. Landtag gewählt und übernahm 19. Mai 1875 im cisleithanischen Ministerium Auersperg das Porte-Dem des Ackerbaues, trat 12. Aug. 1879 aus em Kabinett und zur Opposition über. Er starb auf einer Badereise im Sommer 1881.