FeedComenius (Joh. Amos)
ReligionBrockhaus 1882

Comenius (Joh. Amos), eigentlichKomensky, berühmter Pädagog, wurde 28. März 1592 1 Nivnitz bei Ungarisch-Brod in Mähren oder an letzterm Orte selbst geboren. Komensky nannte sich schon sein Vater, dessen eigentlicher Name unbekannt ist, nach seinem Geburtsort Komns bei Ungarisch-Brod. Der Vater war Müller und gehörte zu der böhm.⸗mähr. Brüdergemeinde. Der junge C. besuchte seit 1608 eine lat. Schule und ging 1610 nach Herborn in Nassau und dann nach Heidelberg, um Theologie zu studieren. Im J. 1613 hielt er sich in Amsterdam auf, kehrte 1614 in die Heimat zurück, und übernahm in demselben Jahre die Leitung der Brüderschule in Prerau, an welcher er zwei Jahre wirkte. Dort schrieb er die Schrift Grammaticae facilioris praeceptas (Prag 1616). In demselben Jahre wurde er, in das kanonische Alter eingetreten, ordiniert und in ein Predigtamt berufen und 1618 nach Fulneck versetzt, um dort neben seinem Predigtamte die Leitung der Brüderschule u übernehmen. Wenige Jahre darauf begann für ihn, den prot. Geistlichen, die Zeit der Verfolgunen. chritenn derselben schrieb er eine Reihe von rostschriften und vor allem die Schrift Labyrinth der Welt und Paradies des Herzenso (erschienen 1631; deutsch von Nowotny, Spremberg 1872). Als im J. 1624 die Verfolgungen wieder begannen, verlor er sein Amt, fand jedoch eine Zeit lang Schutz bei dem Herrn von Zerotin in Mähren und dann bei Georg Sadowsky von Slaupna im böhm. Riesengebirge. Auch in Böhmen nicht mehr sicher, mußte er 1628 nach Lissa in Polen auswandern. Dort wirkte er am Gymnasium und vollendete seine Didactica magna seu omnes omnia docendi artiliciume (&Große Unterrichtslehre oder die Kunst allen alles zu lehren», herausg. von Beeger und Zoubek; 3.Aufl., Lpz. 1875fg.) und schrieb seine cJanua linguarum reseratan (Das geöffnete Sprachthorv). Letztere wurde in zwölf Sprachen übersetzt, und von ersterer, ursprünglich in böhm. Sprache verfaßt, sandte er eine lat. Ubersetzung nach Schweden. Einen Ruf nach Schweden (1638) lehnte er ab, folgte aber einem solchen nach England. Als ihn der Bürgerkrieg von dort vertrieb, ging er nach Schweden, wo ihn der Reichskanzler Axel Oxenstjerna mit Entwerfung von Plänen für das schwed. Schulwesen beauftragte und wo er in Ludwig van Geer, einem niederländ. Kaufmann, der sich damals in Schweden aufhielt, einen Gönner fand. Um die ihm übertragenen Arbeiten auszuführen, ließ er sich 1642 in Elbing nieder; 1646 legte er sie Herrn van Geer in Schweden vor; sie fanden die Billigung einer eigens dazu niedergesetzten Kommission. Im J. 1648 wurde er zum Bischof der Brüdergemeinde zu Lissa gewählt. Er siedelte wieder dahin über und veröffentlichte seine in Elbing ausgearbeiteten Schriften: «Methodus linguarum novissimas (Die neueste Sprachmethodey), „Latinae linguae janua nova (Die neue Pforte der lat. Spracher), Lexicon januale latino-germanicumo (Lat.⸗deutsches Lexikon zur Januay), Grammatiko), Atrium linguae latinaer (Vorhof Rn lat. Spracheꝰ). Im J. 1650 folgte er einem ufe des Fürsten Sigismund von Rakoczi nach Saros-Patak in Ungarn, um bei der Schulverbesserung behilflich zu sein. Hier entstand die dem Fürsten gewidmete Schrift „Die pansophische Schule, d. i. allgemeine Werkstätte der Weisheito. Im J. 1654 kehrte er nach Lissa zurück, nachdem er dort noch seine bekannteste Schrift, seinen &Orbis pictus⸗ (s. d.) geschrieben hatte. Als 1657 die Polen das vorher von den Schweden eingenommene Lissa wiedereroberten, wurde er vertrieben und wandte sich, aller seiner Habe, auch seiner Bücher und eines Salen Teils seiner Handschriften beraubt, nach chlesien, dann nach Brandenburg, Stettin und Ueh. Dort bis er sich endlich in Amsterdam niederieß. Dort veröffentlichte er auf Kosten des Herrn Lorenz van Geer, des Sohnes seines frühern Gönners, in vier Folianten seine Opera didactica omniad und seine Schrift Lux in tenebriso, welche die Weissagungen des Christoph Kolter, der Christine Poniatowska und des Nikolaus Drabik ent16 und ihm viele Anfeindungen zuzog. In den etzten Jahren seines Lebens war er öfter durch Krankheiten heimgesucht. Im J. 1668 erschien seine lehte Schrift: Unum necessariumo (aEins ist noto). Er starb im Nov. 1670 (beerdigt wurde er 22. Nov.), nicht, wie man früher annahm, 15. Nov. 1671. C. war ein Mann von hoher sittlicher Würde, voll Liebe zur Menschheit, ein wahrer Priester der Humanität und ein gottbegeisterter Glaubensheld und Dulder. Seine Hauptbedeutung liegt in dem, was er für die Pädagogik that. Als sein pädagogisches Hauptwerk ist seine Didactica magnay anzusehen. Der Sachunterricht im Gegensatze zu dem ermißt, sind unter K aufzusuchen. verwerflichen Wortunterrichte, die Anschaulichkeit des Unterrichts, das Ausgehen des Idie Ron:enmavon der Muttersprache, ja auch die Konzentration und die erziehende Wirkung des Unterrichts, alle diese Forderungen finden sich schon bei C., sodaß er in recht eigentlichem Sinne als der Vater der modernen Didaktik zu betrachten ist. In Prerau wurde ihm 23. Aug. 1874 ein Standbild gesetzt. Die ihm zu Ehren 15. Nov. 1871 in Leipzig gegründete Comeniusstiftung (Pädagogische Centralbibliothek) hat den Zweck, das Material zur Dhn volmn der pädagogischen Wissenschaft mögichst vollständig zu sammeln. Litteratur: Der Artikel«Comeniuso in Bayles Dictionnaire historique et critiques; Leutbecher, „Joh. Amos C.' Lehrkunsto (Lpz. 1853); Gindely, allber des C. Leben und Wirksamkeit in der Fremder (Sitzungsberichte der philos.⸗histor. Klasse der Akademie der Wissenschafteno, Wien 1855); Ziegler, „Programm des Gymnasiums zu Lissan (1855); Pappenheim, „Zur Erinnerung an Amos C.v (Programm der Handelsschule zu Berlin 1871 u. 1872); von Criegern, Joh. Amos C. als Theologo (Lpz. 1881). Seine „Pädagog. Schrifteno übersetzte Lion eeger und Leutbecher (2. Aufl., Lpz. 1875). OCome prima oder Come sopra (ital.), wie zuerst, wie oben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 532Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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