Comines oder Commines (Philippe de), latinisiert Cominäus, franz. Staatsmann und Verfasser wichtiger Memoiren, stammte aus einer alten kielt zu wurde um 1445 zu Comines geboren, erhielt, obgleich er seine Eltern früh verloren, eine sorgfältige Erziehung und wurde 1464 zu Lille Karl dem Kühnen vorgestellt, in dessen Gefolge er 1465 die Schlacht bei Montlhéry mitmachte und für manche Dienste Ehren und Reichtümer gewann. Er belohnte indessen seinen Herrn mit Undank und setzte sich mit Ludwig XI., als derselbe von Karl dem Kühnen zu Peronne gefangen gehalten wurde, heimlich in Verbindung. Ludwig XI. war für die Dienste, die ihm C. beim Abschluß des Friedens geleistet hatte, nicht undankbar und bewog den gewandten Unterhändler 1472 in seine Dienste zu treten. C. wurde zum Rat und Kammerherrn erhoben, erhielt das Fürstentum Talmont und ward durch des Königs Gnade, der in ihm seinen geschicktesten Diener Haun einer der reichsten Edelleute Frankreichs. Kaum aber war Ludwig XI. gestorben, so ward C. von Anna von Beaujeu aus dem Regentschaftsrate verdrängt, weil er die herrschsüchtigen Pläne der Herzöge von Bourbon und Orléans zu fördern suchte. Seitdem arbeitete er nun desto eifriger im Interesse dieser beiden Prinzen, sodaß ihn 24. März 1488 ein Parlamentsbeschluß zum Verlust des vierten Teils seiner Güter und zu zehnjähriger Verweisung auf seine Besitzungen verurteilte. Doch scheint diese Ungunst von keiner langen Dauer gewesen zu sein. Wenigstens nahm er schon einige Jahre später an mehrern wichtigen diplomatischen Verhandlungen teil, über die er in seinen Memoiren nähere Auskunft gibt. C. starb 17. Okt. 1509 auf dem Schlosse Argenton. Die Memoiren, die er hinterlassen, sind das Werk eines gewandten, in der Politik skrupellosen Staatsmannes und zugleich eines höchst originellen Schriftstellers, dem Bilde wohl entsprechend, das Walter Scott in dem Romane «Quentin Durwardo von ihm entworfen. Die erste Ausgabe der Mémoires⸗ (Par. 1523) ist unvollständig und lückenhaft; die vollständigsten besorgten Lenglet-Dufresnoy(4 Bde., Lond. 1747) und Dupont (3 Bde., Par. 1840—47). Vgl. Kervyn de Lettenhove, WLettres et négociations de C.» (Brüss. 1867).