FeedConde
GeschichteBrockhaus 1882

Conde, franz. Fürstengeschlecht, hat den Namen von der Stadt Condeé (s. d.) im Hennegau. Gottfried von C. besaß schon um 1200 einen Teil der Baronie C. Eine Urenkelin desselben, Johanna von C., heiratete 1335 Jakob I. von Bourbon, Grafen de la Marche. Ihr zweiter Sohn, Ludwig von Bourbon, Graf von Vendöme, erhielt bei der Teilung die Baronie C. Des letztern Urenkel gleiches Namens legte sich als Prinz von Geblüt den fürstl. Titel bei und nannte sich nun als Stifter des neuen Hauses Ludwig I. von Bourbon, Prinz von Condeé (J. d.). — Ihm folgte sein erstgeborener Sohn, Heinrich I., Prinz von C., Herzog von Enghien, geb. zu Ferté-sous-Jouarre 29. Dez. 1552, der mit dem Prinzen von Bearn (nachher Heinrich IV.) an der Spitze der Hugenotten stand. Die Vermählung Heinrichs von Béarn führte beide Prinzen 1572 an den Hof. Als Verwandte Karls IX. wurden sie in der Bartholomäusnacht verschont; doch mußten sie den reform. Glauben abschwören. Nach des Königs Tode trat C. zum Calvinismus zurück, ging nach England, von da nach Deutschland, um mit den prot. Fürsten wegen Stellung von Hilfstruppen gegen den franz. Hof zu unterhandeln. Er erschien erst nach zwei Jahren wieder in Frankreich und stand im Begriff, den Krieg zu beginnen, als die kath. Partei ihm mit einem Frieden (1576) entgegenkam. Allein schon im Febr. 1577 erhob sich die tath. Ligue, der Prinz griff zu den Waffen und bemächtigte sich mehrerer fester Plätze in Anjou, mußte jedoch nach mancherlei Wechselfällen nach der Insel Guernsey entfliehen. Sodann focht er an der ½ der calvin. Truppen 1586 glücklich bei Saintes, half 1587 die Schlacht bei Coutras gewinnen, willigte aber hierauf zum Nachteile seiner Partei in die Teilung der Streitmacht. Er wollte sich dadurch dem Einstuss 2 Heinrichs von Navarra entziehen und, wie behauptet wird, aus den Länderstrichen von Angoumois, Saintonge, Aunis, Poitou und Anjou einen unter buden rotektorat stehenden mnabhängigen Staat ilden. Der Tod setzte seinen Plänen ein Ziel; er starb, angeblich an Gift, zu St.⸗Jean d'Angely 5. März 1588. Sechs Monate nach seinem Tode, 1. Sept. 1588, gebar seine Gemahlin, Katharina von La Tremouille, Heinrich II., Prinzen von C. Derselbe lebte die ersten acht Jahre zu Rochelle, bis ihn Heinrich IV. an den Hof bringen und in der kath. Religion, zu der auch seine Mutter übergetreten war, erziehen ließ. Der Prinz heiratete 1609 Charlotte von Montmorency, die 110 Dir und schönste Frau ihrer Zeit. Der König liebte diese Dame selbst und hatte die 4 eingeleitet, um seine Geliebte desto sicherer zu besitzen. C. floh jedoch mit seiner Gemahlin nach den Niederlanden und kehrte erst nach dem Tode Heinrichs nach Frankreich zurück, wurde aber bald darauf, weil er durch seine Verbindungen mit den Calvinisten dem Hofe Furcht erregte, auf drei Jahre eingesperrt. Trotzdem hielt er sich nach seiner Befreiung stets zur Partei des Hofs. In den J. 1621 und 1622 nahm er an den Kämpfen Ludwigs XIII. gegen die Calvinisten lebhaften Anteil, und der König überhäufte ihn mit Geschenken und Gütern. Er starb zu Paris 26. Dez. 1646. Sein zweiter Sohn, Armand, wurde Stifter des Nebenzweigs Conti (s.d.); sein ältester Sohn und Nachfolger war Ludwig II. von Bourbon, Prinz von Condé (f. . genannt der große C. Des letztern ältester Sohn aus der Ehe mit Claire Clemence de Maillé-Brezé, Nichte des Kardinals Richelieu, Heinrich III. Julius, Prinz von C., geb. 29. Juli 1643, führte bis 1686 den Titel eines Herzogs von Enghien und war, wie die meisten C., Großmeister des königl. Hauses. Er focht an der Seite seines Vaters nicht 4* Tapferkeit in den Niederlanden und starb 1. April 1709 zu Paris nachdem er wohl 20 Jahre hindurch geistesschwg gewesen. — Ihm folgte sein Sohn, Ludwig III. von C., Herzog von Bourbon und von Enghien, geb. 11. Okt. 1668. Derselbe heiratete eine natürliche Tochter LudwigsXIV.,Mademoiselle de Nantes, und starb 4. März 1710. — Ludwigs zweiter Sohn, Karl von C., Graf von Charolois, geb. 19. Juni 1700, floh, 17 J. alt, heimlich aus Frankreich, um unter Eugen gegen die Türken zu kämpfen. Er starb 1760 zu Paris unverehelicht. — Dessen jüngerer rmißt, sind unter K aufzusuchen. Bruder, Ludwig von C., Graf von Clermont, geb. 15. Juni 1709, machte als Generallieutenant die Kriege in den Riederlanden mit und ließ sich 1754 in die Französische Akademie aufnehmen. Er übernahm 1758, an Stelle des Marschalls von Richelieu, das Kommando des Heers in Norddeutschland, wurde aber bei Krefeld geschlagen und bald nachher zurückgerufen. Er starb zu Versailles am 16. Juni 1771. Der Nachfolger Ludwigs III. und das Familienhaupt war dessen ältester Sohn, Ludwig Heinrich, Herzog von Bourbon und von Enghien, eb. 8. Aug. 1692, der hrt hat. den Titel eines enen von C. nie geführt hat. Die Gunst des egenten und seine Hinneigung zum Lawschen System machten ihn verhaßt; er D0l mit seiner Mutter in jenem Finanzhandel mehr als 25 Mill. Livres gewonnen haben. Nach dem Tode des Herzogs von Orleans ernannte ihn der junge Ludwig XV. 1723 zum ersten Minister. Allein seine Verwaltung erregte so viel Widerwillen, daß ihn der König schon 1726 auf Anstiften seines eulien leury, der nun selbst die Regierung erhielt, entließ. r zog 0 hierauf auf sein Landgut Chantilly zurück und starb 27. Jan. 1740. — Sein Sohn war Ludwig Joseph, Prinz von Condé (s. d.). Mit dem Sohne des letztern, Ludwig Heinrich Joseph, Prin50 von Condeé (s. d.), erlosch 1830 die Linie der ourbon-C. Den Titel eines Sohn des von C. führte später noch der älteste Sohn des Herzogs von Aumale, Ludwig Philipp Maria Leopold von Orléans, geb. 15. Nov. 1845, gest. 24. Mai 1866 zu Sydney in Australien. Vgl. Herzog von Aumale, „Histoire des princes de C. pendant les XVI‘et XVIIL siècleso (2 Bde., Par. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 551Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6