Conti, der Titel jüngerer Nebenzweige des bourbonischen Hauses Condeé (s. d.), den sie von der kleinen, bei Amiens gelegenen Stadt dieses Namens führten. — — — von Bourbon, Prinz von C., zweiter Sohn Ludwigs I., Prinzen von Condé, geb. 19. Aug. 1558, wurde am Hofe Heinrichs III. erzogen, schloß sich dann Heinrich IV. an und focht mit Auszeichnung in der Schlacht von Jvry, ward aber 1594 von dem Herzog von Mercoeur bei Craon geschlagen. Er starb ohne männliche Nachkommen zu Paris 3. Aug. 1614. Seine von C., Tochter des Herzogs von Guise, geb. 1577, verheiratete sich 1614 zum zweiten mal heimlich mit dem Marschall von Bassompierre und starb aus Schmerz über dessen Gefangenschaft 30. April 1631 zu Eu. Sie ist als Schriftstellerin durch die Histoire des amours du grand Alcandres (Leid. 1667; neue Aufl., 2 Bde., Par. 1786) bekannt, in der sie die galanten Abenteuer Heinrichs IV. schilderte. Armand von Bourbon, Prinz von C., der Bruder des großen Condé, wurde 11. Okt. 1629 zu Paris geboren. Schwach und mißgestaltet, mußte er sich dem geistlichen Stande widmen und erhielt 1642 die Abteien St.⸗Denis, Cluny, Lérins und Moléme. Sei es aus Eifersucht auf den Waffenruhm seines Bruders oder aus andern Gründen, gab er Zwiß seine reichen Pfründen auf und nahm in den Zwisten der Fronde Partei gegen den Hof und seinen Bruder. Bald aber versöhnten sich beide Brüder und intriguierten gegen den Hof, wurden daher 1650 im Palais-Royal verhaftet und erst 1651 in Freiheit gesetzt. Als der große Condé —* Bals Zeit von neuem sich empörte, trat C. wieder als Kämpfer in den pariser Unruhen auf, söhnte sich jedoch bald mit dem Hofe aus und heiratete die Nichte Mazarins, Anne Marie Martinozzi. Im Kriege gegen Spanien eroberte er 1654 die Festungen Villafranca und Puycerda, kämpfte dagegen unglücklich 1657 in Italien und zog sich seitdem auf das Gouvernement der Provinz Languedoc zurück, den frommen übungen seiner Jugend von neuem hingegeben. Er starb 21. Febr. 1666 zu Péezenas. Aus seinem Nachlaß kamen mehrere Schriften heraus, darunter ein gegen das Theater gerichteter KTraité de la comédie et des spectacleso (Par. 1667). — Sein ältester Sohn und Nachfolger, Louis Armand, Prinz von C., Graf von Pézenas, wurde 4. April 1661 geboren. Ludwig XIV. gab ihm seine Tochter (von der Lavallière), Marie Anne von Bourbon, genannt Mademoiselle de Blois, zur Gemahlin, eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Nach Kriegsruhm dürstend, ging C. mit seinem Bruder und vielen andern Großen des Hofs nach Ungarn, um gegen die Türken zu kämpfen. Bei seiner Rückkehr 1682 fiel er in Ihneeh er starb 5. Nov. 1685 zu Fontainebleau, ohne Kinder zu hinterlassen. Ihm folgte sein Bruder, der zweite Sohn Armands, Frangois Louis, I. von Rocheü n Acen und C., geb. 30. April 1664. Unter den Augen des großen Condé erzogen, zeigte er viel Neigung für die militärische Laufbahn, erhielt aber keine Anstellung und ging deshalb mit nach Ungarn. Infolge des von 19 mit ihren Freunden am Hofe geführten Briefwechsels, der spöttische Rußerungen über den König und die Frau von Maintenon enthielt, wurde er nach Chantilly verbannt. Nachdem sich Condé noch auf dem Sterbebette für seine Begnadigung verwandt hatte, diente C. unter dem Befehle des Marschalls von Luxembourg und zeichnete sich durch Tapferkeit bei vielen Gelegenheiten aus. Ein Teil der poln. Magnaten wählte ihn 1697 zum König von Eund Er reiste bis nach Danzig, kehrte aber zurück und entsagte der Krone, als er sah, daß er gegen seinen Rivalen, Kurfürst August von Sachsen, nicht aufkommen konnte. Er erhielt nun das Gouvernement von Languedoc und 1703 den Oberbefehl über das bedrängte franz. Heer in Italien; doch vermochte auch C. wenig auszurichten. Er starb 22. Febr. 1709 in dem Moment, als er das Kommando der flandrischen Armee übernommen hatte. Sein Sohn, Louis Armand II., Prinz von C., geb. 10. Nov. 1695, gest. 4. Mai 1727, hat keine Bedeutung. Louis Frangois, Prinz von C., der Sohn des letztern, geb. 13. 9 1717, that unter dem Marschall Belleisle im sterreichischen Erbfolgekriege seinen ersten Waffendienst. Er führte 1744 das Oberkommando über 20000 Franzosen, die Piemont im Einverständnisse mit den Spaniern besetzen mußten; 1745 machte er den Feldzug in Deutschland mit und im folgenden Jahre den in Flandern, wo er Mons und Charleroi einnahm. Nach dem Frieden setzte er sich in Opposition gegen den Hof, sodaß ihn Ludwig XV. nicht mehr anstellte. Unter der folgenden Regierung betrieb er eifrig den Rücktritt des Ministers Turgot. Er war mit Louise Diane von Orleéans Keh werichn lebte sehr verschwenderisch und starb tief verschuldet 2. Aug. 1776. Seine natürliche, später legitimierte Tochter, Amélie Gabrielle Stephanie Louise Prinzessin von C., geb. 30. Juni 1756 (nach andern 26. Dez. 1762), wurde kurz vor der Zeit, wo sie Ludwig XV. als legitime Tochter ihres Vaters anerkannte, von ihren nächsten Anverwandten in eine kleine Provinzialstadt entführt und, noch minorenn, an einen ihr widerwärtigen Menschen verheiratet, durch den sie mehrere Jahre die unwürdigste Behandlung erdulden mußte, bis es ihr gelang, eine Nichtigkeitserklärung ihrer Ehe beantragen zu können. Ihr Lehrer war Rousseau. Ihre Leiden, die auch nach der Auflösung ihrer Ehe nicht endeten, sowie ihre ans Wunderbare streifenden Abenteuer erzählte sie in ihren Mémoires historiques (2 Bde., Par. 1797; deutsch, 2 Bde., Lübeck 1809), die für Goethe den Stoff zu seiner Ratürlichen Tochters abgaben. Vgl. Barthelemy, La princesse de C. d'aprês sa correspondance inéditemißt, sind unter K aufzusuchen. (Par. 1875). — Louis Frangois Joseph, Prinz von C., geb. 1. Sept. 1734, bis zum Tode seines Vaters Graf von La Marche, war der euisch Sohn des vorigen. Er kämpfte 1757 in Deutschland, zog sich hierauf ins Privatleben zurück und lebte unter Ludwig XVI. vom Hofe entfernt. Im J. 1789 ausgewandert, kehrte er 1790 nach Frankreich zurück, wurde aber w1793 in Marseille verhaftet, 1795 entlassen und nach dem 18. Fructidor verbannt. Er starb 13. März 1814 zu Barcelona; mit ihm erlosch die legitime Linie des Hauses C.