FeedConstant de Rebecque (Benjamin)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Constant de Rebecque (Benjamin), polit. Schriftsteller und Redner, geb. zu Lausanne 23. Okt. 1767, besuchte das Karolinum zu Braunschweig, studierte hierauf die Rechte und trat dann in braunschw. Hofdienste, die ihn aber nicht hinderten, bald in Paris, bald im Waadtlande zu leben. Zu Anfang der Revolution begab er sich nach Paris, wo er unter dem Direktorium durch mehrere gegen die Anarchie wie gegen die Despotie zugleich gerichtete polit. Schriften die Aufmerksamkeit auf sich zog. Noch mehr Aufsehen erregte er 1797 als Mitglied des Cercle constitutionnel durch seine jer wur Reden und im Tribunat durch seinen Eier fr das Repräsentativsystem und die bürgerlichen Freiheiten. Seine Reden und Schriften hatten ihn indes dem Ersten Konsul mißliebig gemacht, weshalb er 1802 aus dem Tribunat sowie aus Paris entfernt wurde. Gleiche Gesinnungen befreundeten ihn mit Frau von Stael, die er auf ihren Reisen mehrfach begleitete. Später ging er nach Göttingen, wo er sich vorzüglich mit deutscher Litteratur beschäftigte und 1813 die Schrift De Pesprit de conquéête et de l'usurpation dans leur rapport avec la civilisation européennes herausgab. Im Gefolge des Kronprinzen von Schweden erschien er 1814 wieder in Paris, wo er für die Sache der Bourbons eintrat. Dennoch ließ er sich von Napoleon im April 1815zum Staatsrat ernennen. Er arbeitete mit an der Konstitution des Maifeldes, welche er auch in mehrern Schriften lebhaft verteidigte. Bei der zweiten Restauration ging er nach Brüssel. Im Nov. 1816 erhielt C. die Erlaubnis zur Rückkehr nach Paris, und 1819 wurde er Mitglied der Deputiertenkammer, auch bei der Erneuerung der Kammer 1824 wiedergewählt. Nach der erzogs von Orléans zum König, trat aber bald gegen das System der neuen Dynastie in Opposition. Er starb 8. Dez. 1830. Seine Discours prononcés à la chambre des députésv erschienen in 3Bänden (Par. 1833). Bedeutender denn als Redner war C. als Publizist. Seine Schriften zeichnen sich durch Dialektik und feine — aus. Seine sämtlichen kleinen Schriften über Repräsentativregierung sind gesammelt in dem «Cours de politique constitutionnelle (4 Bde., Par. 1816 —20; neu herausg. von Laboulaye, Par. 1872). Ferner erschienen von ihm Mémoires sur les Cent Jourso (Par. 1822; 2. Aufl. 1829), De la religion considérée dans Sa source, ses formes et ses développementso (3 Bde., Par. 1824—30), Du polythéisme romain, considéré dans ses rapports avec la philosophie grecque et la religion chrétiennep (2 Bde., Par. 1833). C. bearbeitete auch Schillers »Wallensteino für die franz. Bühne und schrieb einen Roman Adolphen 3. Aufl., Par. 1824). Kleinere Aufsätze C.s entalten die Mélanges de littérature et de politiques (Par. 1829). Eine Sammlung von C.s polit. Schriften hat Louandre unter dem Titel (Oeuvres politiques de Benjamin C.v (Par. 1875) herausgegeben. Seine Liebesbriefe an Frau Recamier wurden 1882 veröffentlicht. [tigkeit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 569Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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