Dippel (Joh. Konr.), ein religiöser Schwärmer, geb. auf dem Schlosse Frankenstein bei Darmstadt 10. Aug. 1673, studierte zu Gießen anfangs Theologie, dann Medizin und Jurisprudenz. Später hielt er in Straßburg Vorlesungen über Astrologie, mußte aber bald die Stadt verlassen und trieb sich nun längere Zeit hindurch an verschiedenen Orten abenteuernd umher. Im J. 1695 veröffentlichte er unter dem Namen Christianus Demokritus die Schrift Papismus Protestantium vapulanso (Das gestäubte Papsttum der Protestierendeno), in welcher er das orthodoxe Kirchentum, dem er bisher selbst angehangen hatte, aufs heftigste angriff. Seitdem wurde er von der erbitterten Geistlichkeit von Ort zu Ort verfolgt. Aus seinem Heimatlande Hessen vertrieben, lebte er in Berlin, Frankfurt a. M., Amsterdam, Leiden, wo er Doktor der Medizin wurde, und Altona. Wegen unehrerbietiger Außerungen gegen die dän. Regierung auf Bornholm eingekerkert, brachte er sieben Jahre in Gefangenschaft zu und begab sich dann nach Schweden (1727), wo er sich durch der Kön Kuren ein solches Ansehen erwarb, 0 ihn der König in einer schweren Krankheit nach Stockholm berief. Auf Andringen der Geistlichkeit mußte er indes auch Schweden bald wieder verlassen, ging dann nach dem Wittgensteinschen Schlosse Berleburg und starb daselbst 25. April 1734. Anfangs orthodox, später durch die Lektüre Spenerscher Schriften zum Pietismus geführt, wurde er zuletzt zum Freigeist und Vorläufer der Aufklärung, bekämpfte die Dogmen von der dnspiration der Bibel, von dem stellvertretenden Sühntod Christi und von der Rechtfertigung aus dem Glauben und setzte das Wesen der Religion in Liebe und Selbstverleugnung. Übrigens beschäftigte er sich auch mit Goldmachen, suchte den Stein der Weisen und besaß gelehrte Kenntnisse in der ahthet Er war der Erfinder des (nach ihm benannten) ätherischen Tieröls und gab Veranlassung zur Entdeckung des Berlinerblau. Vgl. die Biographien D.s von Ackermann (Lpz. 1781); Klose in der „Zeitschrift für die histor. Theologien (Jahrg. 1851); Buchner im „Histor. Taschenbuch (Jahrg. 1858); Bruno Bauer, „Der Einfluß des engl. Quäkertums auf die deutsche Kulturv (Berl. 1878); Bender, Johann Konrad D. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der Aufklärung (Bonn 1882).