FeedCorroborantia (lat.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Corroborantia (lat.), Stärkungsmittel. Corrödi, Gelehrten⸗ und Künstlerfamilie ital. Ursprungs, deren I Mallan zur Zeit der Waldenserverfolgungen von Mailand nach Zürich auswanderten, woselbst sie sich durch Verdienste um das Wohl der Stadt das Bürgerrecht erwarben und später 5 den Patriciern gezählt wurden. Salomon C., Landschaftsmaler, geb. 1810 als Sohn eines prot. Pfarrers, siedelte im J. 1830 nach Italien, der Heimat seiner Vorfahren, über, und bildete sich in Rom unter Kochs, Reinharts und Catels Führung zum Maler aus. Mit besonderer Vorliebe widmete er sich der Aquarellmalerei, in der er es, nachdem er seine Ausbildung auf Reisen vollendet hatte, zu einer für die damalige Zeit seltenen Meisterschaft brachte. Seine Landschaften kommen an Kraft und Ausdruck Olbildern gleich, und sind trefflich komponiert und stilvoll gehalten. Das Höchste erreichte er in der treuen und effektvollen Wiedergabe der ital. Natur. Zu den bedeutendsten seiner Arbeiten gehören: Comersee, großes Bild (für den Kaiser Nikolaus von Rußland), ein Cyklus von Bildern aus Rom (für den Kaiser Alexander von Rußland), Villa Madama (für die Kaiserin von Ssterrreich), eine Sammlung ital. Bilder für die Königin von England, besonders aber die schon 1850 in München ausgestellte Reihe von Studien aus Venedig; auf rmißt, sind unter K aufzusuchen. diesen Blättern sind Architektur und Wasser gleich vorzüglich. C. ist seit einem halben 95 rhundert in Rom thätig und arbeitet dort noch mit rüstiger Kraft. Die Italiener nennen ihn den Nestorv ihrer Aquarellmalerei, und er hat sich in der That hohes Verdienst um die jüngere ital. Schule der Aquarellmaler erworben. In allen europ. Museen finden sich Bilder von ihm, und der an Ehren und Auszeichnungen reiche Greis gehört zu den am höchsten geschätzten und beliebtesten Persönlichkeiten unter den röm. Künstlern. Hermann C., Landschaftsmaler, Sohn des vorigen, geb. in Frascati bei Rom 1844, vollendete gemeinsam mit seinem Bruder Arnold C. abwechselnd in Rom und Paris seine Studien. Hermanns Vorliebe für die franz. Schule verfehlte nicht, den größten Einfluß auf seine Studien auszuüben; trotzdem verleugnet er nicht seine ital. Abstammung, und ist deshalb ein wahrer Kenner der italienischen und der südl. Natur überhaupt. Die Lichtwirkung und den Charakter derselben weiß er in seinen groß und breit komponierten Bildern, welche in den wechselvollsten Stimmungen gehalten sind, meisterhaft wiederzugeben. Die Staffage ist bei ihm kein zufälliges zu der Landschaft tretendes Element, sondern harmoniert überall mit dieser und erklärt und bedingt vielfach die Stimmung des Gemäldes. Diese glückliche Verknüpfung des landschaftlichen und menschlichen Lebens ist ihm durchaus eigen und ihr verdanken seine Bilder die starke Wirkung, welche sie üben. Von einer Reise in den Orient brachte er einen erstaunlichen Reichtum an Studien und Skizzen nach Hause. Diese bildeten dann die Unterlage zu jenen Landschaftsgemälden, auf denen syrische und ägypt. Stoffe behandelt werden und die sämtlich den Stempel der unbedingten «Echtheito namentlich in der Farbengebung tragen. Von seinen Gemälden, welche gewöhnlich in die Ausstellungen in Paris und London und nur seltener nach Deutschland kommen, sind hervorzuheben: Eine Prozession in Sorrento (Pariser Salon 1876), Sturm auf der Insel Saint-Honoré 4½7˙ 1875), Mönche im Garten eine Weinprobe haltend, Pilger in Jerusalem (lim Besitz des Kaisers von Deutschland), Ave-Maria in Venedig, einige Bilder von Cypern (für den Prinzen von Wales), Klagemauer zu Jerusalem, zwei große Bilder aus der Campagna von Rom, Ständchen in Amalfi. Seine aus dem Orient heimgebrachten Bilder und Skizzen schmücken sein sehenswertes, vielbesuchtes Atelier in Rom. Arnold C., Maler im histor. Genre, Bruder des vorigen, geb. zu Rom 1846, ein Künstler von hoher Begabung, welcher in einer kleinen Spanne Zeit Großes zum Abschluß zu bringen wußte. Sehr früh und eigenartig entwickelt, schloß er sich an keine Schule. Die eigene Vorstellung, die eigene Einbildungskraft und das eigene feine Gedanken⸗ und Gefühlsleben blieben für ihn bestimmend. Er war eine lyrisch angelegte Natur, und diese spiegelt sich in den zart empfundenen Motiven, welche er in seiner frühesten Zeit zur Darstellung brachte. Bihnen gehören: Balkonscene aus Venedig (im Besitze der Galerie in Petersburg), Gondelfahrt eines Liebespaares, Kostüm aus dem 17. Jahrh. (Museum in Basel), eine Liebeserklärung (Museum in Zürich) eine Liebesidylle am Comersee (Salon 1869). Na einem längern Aufenthalt in Paris und Deutschland begann sich sein dramatisches Talent zu entwickeln, und nun entstand zu Rom eine Reihe von Kompositionen histor. Genres, in denen die Empfindungen der dargestellten Personen mit allen Hilfsmitteln der neuesten technischen Errungenschaften in vollendeter Weise zur Anschauung gebracht werden. Sie sichern dem zu früh Verstorbenen eine ehrenvolle Stelle in der Geschichte der Malerkunst. Zu diesen Gemälden gehören: Paulus vor dem Landpfleger Felix, ein Meisterwerk in der Darstellung des feinen Ausdrucks, seelenvoller Empfindung. Es erregte 1870 im Gegensatz zu den Werken der neu aufgekommenen span. Schule Forturni, welche nur auf Kostüm und Stoffliches Gewicht legt, Rom Aufsehen. Ferner: Der Einzug des Titus in om, Schmerz und Trauer der Juden sind 15 ergreifend wiedergegeben (Salon 1871); Belisar: Verspottung des abgesetzten Papstes durch die Kriegsknechte; Verschwörung Catilinas; Prozession der Piangionis in Florenz; Predigt Savonarolas, ein Bild, in dem im zarten Ausdruck der Regungen der Seele Außerordentliches geleistet wird; Don Marino Falieris Verurteilung (Paris 1872). Großartig sind die Kompositionen zu Dantes Infernop; viele mytholog. Kartons: Das Leben der Venus u. a. m. C. starb, während er an einem großen Bilde: Abdankung Karls V. arbeitete, im Sept. 1874.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 614Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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