Cortez (Hernando oder Fernando), als Eroberer Mexikos der berühmteste Conquistador, stammte aus einer alten angesehenen Familie und wurde 1485 zu Medellin in der span. Landschaft Estremadura geboren. Er studierte zu Salamanca die Rechte und ging 1504 nach Haiti in Westindien, dann nach Cuba mit Diego Velasquez, dem Statthalter dieser Fuba Nachdem 1517 Fernando Cordova von uba aus die Nord- und Westküsten von Yucatan, 1518 des Statthalters Neffe Juan de Grijalva die Küste von Mexiko entdeckt, rüstete Velasquez, auf die Schilderung von dem Goldreichtum des Landes, eine neue Expedition von 11 Schiffen aus, an deren Spitze er den durch Kühnheit und Unerschroclenheit des Geistes ausgezeichneten C. stellte. Da Velasquez seine Wahl bereute und sogar die Verhaftung des Kommandanten befahl, beschleunigte C. seine Abreise und verließ 10. Febr. 1519 Santiago de Cuba mit 508 (nach andern 553) Soldaten, 110 Matrosen, 16 Pferden, 10 Mante Geschützen und 4 Feldschlangen. Am 12. März langte er an der Mündung des Tabasco an, wo er die Einwohner durch Waffengewalt zu einem Frieden zwang und außer anderer Beute seine berühmte Begleiterin, die hübsche Donna Marina, gewann, die ihm fernerhin als Dolmetscherin diente. Am Grünen Donnerstag landete er da, wo jetzt San-Juan de Ulua, das Fort von Veracruz, steht. Hier versetzte er die Mexikaner durch das Schauspiel europ. Kriegsübungen in staunende Ehrfurcht. Der Anblick der Reiter, die ihnen mit ihren Pferden als monströse Wesen erschienen, die Schiffe, die ihnen wie bewegliche Festungen vorkamen, der Donner der Geschütze, die eisernen Rüstungen und Waffen ließen sie glauben, die Ankömmlinge besäßen göttliche Kräfte. Montezuma, der Beherrscher des Aztekenreichs, von ihrer Ankunft und dem Wunsche ihres Führers benachrichtigt, nach der Hauptstadt zu kommen, um ihm persönlich die Aufträge des mächtigsten Monarchen der Ostländer zu überbringen, schickte wiederholt Gesandte und Geschenke, aber zugleich die Aufforderung, die Grariideie möchten das Reich wieder verlassen. C. gründete zunächst in dem Gebiete eines von Montezuma abtrünnigen Kaziken die Stadt Veracruz (s. d.), ließ sich von deren Verwaltungsrat bis auf weiteres zum Generalkapitän und Oberrichter der Kolonie ernennen, und stattete dem Kaiser Karl V. selbst einen Bericht ab, in welchem er die Aussichten auf Eroberung eines großen Reichs mit glänzenden Farben schilderte. Noch ehe das nach Spanien bestimmte Schiff abging, wurde (26. Juli 1519) eine Verschwörung der Anhänger des Velasquez entdeckt, deren Häupter C. mit dem Tode bestrafte, während er zugleich, um jede Verbindung außen abzuschneiden, die Schiffe zerstören ließ. Sodann begann er seinen Zug in das Innere, wo die Menge 74 und volkreicher Städte in Erstaunen setzte. ie bisher unabhängigen und kriegerischen Tlascalaner schlossen sich 1˙5 nach mehrern Niederlagen als Vasallen der castil. Krone und Bundesgenossen an, Chofn nach derber Züchtigung die Bewohner von Cholula. Am 8. Nov. 1519 zog C., von Montezuma ehrfurchtsvoll empfangen, in die große, im See Tezeuco gelegene Haupt⸗ und Residenzstadt Tenochtitlan oder Mexiko ein, deren Bewohner ihn für einen Gott und Sohn der Sonne hielten. C. befestigte sofort den ihm angewiesenen Palast und wagte 14. Nov. den kühnen Verrat, sich der Person des Montezuma (s. d.) zu bemächtigen. Man zwang diesen, sich ½½½½ für den Vasallen des Königs von Spanien zu erklären, vermochte aber nicht, ihn dahin zu bringen, sich zum Christentum zu bekehren. mißt, sind unter K aufzusuchen. Der Unmut der Mexikaner gegen den herrischen Fremdling ging jetzt in bittern Haß über, der Adel des Landes beschäftigte sich eifrig mit Befreiungsplänen, und statt der Verstärkungen, die C. aus Spanien erhoffte, erschien eine von Velasquez gesandte Flotte von 18 Schiffen mit 900 Mann Fußvolk, 85 Reitern und 12 Kanonen unter Panfilo Narvaez, der den «Rebellen v in Ketten nach Cuba schicken und an dessen Stelle die Eroberungen fortetzen sollte. In dieser Lage zog C., zur Bewachung ontezumas und der Hauptstadt 140 Mann zurücklassend, mit den übrigen dem Narvaez entgegen. Er verstärkte sich durch die Besatzung von Veracruz, gewann insgeheim einen Teil der feindlichen Truppen, n5 en Gegner 24. Mai 1520 bei Cempoalla und nahm denselben nach kurzem Gefecht efangen. Durch dessen Truppen bedeutend versiärtt kehrte er zur Hauptstadt zurück, wo inzwis 70 sein Stellvertreter durch unkluge Strenge und Niedermetzelung vieler Vornehmen einen allgemeinen Verzweiflungskampf hervorgerufen hatte. C.' Dabämefen. vermochte den Aufstand nicht zu ämpfen. Montezuma, der als Vermittler von seinem Volk verachtet und mit einem Hagel von Steinen und Pfeilen überschüttet wurde, starb schwer verwundet nach wenigen Tagen, im Juni 1520. Nach heldenmütigem Kampfe trat C. in der Nacht des 1. Juli den gefährlichen Rückzug auf dem schmalen Damme des von ulor alles Canoes wimmelnden Sees an. Er verlor alles Geschütz und Pulver, fast alle Pferde, den größten Teil der gesammelten Schätze und rettete kaum die Hälfte seiner Leute. Dennoch schlug er mit seinem kleinen Haufen auf dem weitern Rückzuge 7. Juli bei Otumba die ungeheuern Scharen der Mexikaner und zog, schwer verwundet, 8. Juli in das treue Tlascala ein. Nachdem er neue Truppen, die von den Statthaltern Cubas und Jamaicas gegen ihn geschickt waren, in seine Dienste gezogen, die Unzufriedenen aber abgedankt und nach Veracruz geschickt, trat er (550 Mann zu Fuß, 40 zu Pferde und 9 Kanonen) 28. Dez. 1520 wieder den Marsch nach Mexiko an, von 10000 Tlascalanern und andern Verbündeten begleitet, denen bald 200 Spanier aus Haiti und viele tausend Eingeborene als Hilfstruppen nachfolgten. Mexiko, wo unterdessen Guatimozin (Quauhtemotzin), der Neffe und Nachfolger Montezumas, bedeutende Verteidigungsanstalten getroffen, widerstand diesmal den Angriffen in einer Reihe von See⸗ und Straßenkämpfen aufs tapferste, bis nach unerhörtem Blutvergießen 13. Aug. 1521 der letzte Rest samt dem König und seinem Hofe in die Hände der Spanier siel. Nach dem Fall der KarteWe unterwarf C. die übrigen Provinzen. Karl V. ernannte ihn zum Statthalter und Generalkapitän von Neuspanieno und verlieh ihm das Thal Oaxaca als Marquisat. Schon vorher, 1524, hatte C. den Wiederaufbau der Hauptstadt angeordnet und mit großer Umsicht Einrichtungen zur Kolonisation und Verwaltung des Landes getroffen. Die Empörungen der Eindoser öran wurden von den Spaniern mit beispieloser Grausamkeit demam& sogar der König und andere Fürsten starben am Galgen. Um sich gegen die Anklagen seiner Feinde zu rechtfertigen, reiste C. 1528 nach Spanien, wo ihn der Kaiser mit Auszeichnung empfing. Doch überließ man ihm fortan in Mexiko nur das Kriegswesen und das Geschäft der weitern Eroberung, während die Verwaltung des Landes eine eigene Behörde, die Audiencia von Neuspanien, erhielt. Nachdem C. im Frühling 1530 wieder in Mexiko eingetroffen, unternahm er neue Entdeckungs⸗ und Eroberungszüge. Ein von C. ausgeschicktes Geschwader erreichte 1533 die Südspitze der Halbinsel Californien, und 1536 wurde der Meerbusen von Californien (Cortezmeer) als solcher entdeckt. Um die Ränke seiner Feinde zu vereiteln, begab sich C. 1540 abermals nach Spanien, wo man ihn bei Hofe sehr wohlwollend empfing, aber seine Beschwerden unbeachtet ließ. Er begleitete 1541 Karl V. auf dessen unglücklichem Kriegszug nach Algier und folgte dann noch mehrere Jahre dem Hofe, fortwährend mit der Betreibung seiner Angelegenheit beschäftigt. Endlich von der Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen überzeugt, beschloß er, sein undankbares Vaterland für immer zu verlassen, erkrankte jedoch plötzlich in Sevilla und 7 2. Dez. 1547 in dem nahen Dorfe Castilleja e la Cuesta. C. hinterließ einen Sohn, Martin, der sich durch ein 1566 gedrucktes Werk: «Breve compendio de la sphera o bekannt gemacht hat. Die Briefe und Berichte des Conquistadors an Karl V. sind in verschiedenen Sprachen veröffentlicht worden, so von Gayangos (4Cartas y relaciones de Hernando C. al emperador Carlos V.v, Par. 1866) und französisch von Vallée (Par. 1879). Vgl. Bernal Diaz de Castillo, Mistoria verdadera de la conquista de la Nueva Espanas (3 Bde., Madr. 1632); Prescott, History of the conquest of Mexicor (3 Bde., Lond. 1843; neue Ausg. 1878; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1844); Folsom, «The dispatches of Hernando C.5 (Neuyork 1843); Helps, «The life of Hernando C.v (2 Bde., Lond. 1871).