Bolivar (Simon), der Befreier Südamerikas von der span. Herrschaft, geb. zu Caracas 28. Okt. 1783, ward von seinem Oheim, dem Marquis de Palacios, erzogen, studierte zu Madrid die Rechte und bereiste dann Frankreich (wo er in Paris die Normalschule und die Polytechnische Schule eine Zeit lang besuchte), Italien, die Schweiz und Deutschland. Nachdem er sich 1803 zu Madrid mit der Tochter des Marquis von Ustariz vermählt, ging er nach Amerika zurück, verlor aber seine Gemahlin bald am Gelben Fieber. Auf der Rückreise nach Caracas (1809) besuchte er die Vereinigten Staaten, und hier Hein er den Plan, sein Vaterland vom span. Joche zu befreien. In Venezuela angelangt, verband er sich mit den Patrioten, und als Caracas 19. April 1810 aufstand, sandte ihn die Junta nach London, von wo er im Sept. 1811 mit einem Waffentransporte zurückkehrte. Als Oberstlieutenant kämpfte er nun unter Miranda, bis er nach der Unterwerfung Venezuelas durch die Spanier auf der Insel Curagçao eine Zuflucht suchen mußte. Doch schon im Sept. 1812 trat er wieder unter den nsurgenten von Neugranada auf und wurde bald die Seele des Befreiungskriegs gegen die Spanier, welchen er 13. Jan. 1813 den Krieg auf Leben und Tod erklärte. Nach der Eroberung von Caracas 4. Aug. 1813 wurde B. vom Heere als Befreier Venezuelas begrüßt. Er vereinigte nun in sich alle Civil⸗ und Militärgewalt, und die von ihm beru-Hiel Generalversammlung bestätigte 2. Jan. 1814 iesen Schritt. Nachdem er in heißem Kampfe bei La Puerta von den Spaniern 11. Juni 1814 geschlagen worden war, entfloh B. und begab sich nach Tunja, wo ihm der Kongreß von Neugranada den Oberbefehl übertrug. Er besetzte Bogota und befreite die Provinz Cundinamarca; allein innerer und als der span. General Morillo im März 1815 mit neuen Truppen landete, mußte sich B. 10. Mai nach Jamaicg einschiffen, landete aber bereits im Dez. 1816 wieder mit flüchtigen Insurgenten auf der Insel Margarita. Als Oberhaupt der Repulik Venezuela berief er einen Kongreß und setzte eine Regierung ein, nachdem er die Aufhebung der averei perkündet und zugleich seine eigenen Sklaven freigelassen hatte. In den beiden folgenden Dorteil erfochten B., Paez und Santander so viele orteile über Morillo, daß 15. Febr. 1819 der Kongreß zu Angostura eröffnet werden konnte. B. wurde von demselben zum Präsidenten mit diktatorischer Gewalt ernannt und führte nun das Heer im uni über die Cordilleren nach Neugranada und befreite dieses durch die Schlachten bei Tunja und Bochica, worauf er, zum Präsidenten dieses Freistaats ernannt, 9. Sept. die Vereinigung der Staaten Venezuela und Neugranada zu einer Re-Bhort unter dem Namen Columbia aussprach, mit orillo 15. Nov. 1820 den Waffenstillstand bei Truxillo schloß und den General La Torre 24. Juni 1821 bei Carabobo schlug. Noch im Juni 1821 wählte der zu Bogota versammelte Kongreß der Republik Columbia den siegreichen Feldherrn, ungeachtet der Weigerung des⸗ * abermals zum Präsidenten. 3u Gunsten es öffentlichen Schatzes verzichtete B. nicht nur auf sein Peand das seit 1819 jährlich aus 50000 mDr bestand, sondern auch auf seinen Anteil an den unter die Generale und Soldaten der Republik verteilten Nationalgütern. In den J. 1823 und 1824 vollendete er, namentlich urch den Sieg bei Junin und den Sieg des Generals Sucre bei Ayacucho, die Befreiung Nieder⸗ und Oberperus, das ihn 1825 mit der diktatorischen Gewalt bekleidete. Letztere legte er 1826 nieder und versammelte einen Kongreß zu Lima. Auch schloß er Schutz⸗ und Trutzbündnisse mit den verschiedenen amerik. Freistaaten und bewirkte die Zusammenkunft des freilich fruchtlosen amerik. Kongresses zu Panama. Hierauf ward er im März 1826 aufs neue zum Präsidenten der Republik Columbia gewählt, ebenso im Aug. 1828 und diesmal mit fast unumschränkter Gewalt. Dies verursachte viel Unzufriedenheit, und eine Verschwörung bedrohte 25. Sept. sein Leben. Die Urheber wurden erschossen, der Vizepräsident Santander 4. 9 bat und nebst 70 andern Beteiligten verbannt. B. hatte 47 in Peru 17. an 1827 zum lebenslänglichen Präsidenten wählen lassen. Da er außerdem dem Kongreß von Bolivia eine wenig republikanische Verfassung (Code Boliviano) aufdrang, in Columbia aber die Preßfreiheit unterdrückte und die Klosterschulen wiederherstellte, so beschuldigte man ihn immer lauter monarchischer Pläne. Peru erklärte dem Diktator von Columbia den Krieg, und als dieser an die Grenze zog, sagte sich Venezuela von der columbischen Union los. B. dankte daher 27. April 1830 ab. Der Kongreß von Bogota setzte * ein Jahrgeld von 30000 Piastern aus, und im Namen der columbischen Nation ward ihm der Dank derselben feierlich dargebracht. Er verließ Bogota 9. Mai und wollte sich zu Cartagena nach England einschiffen; allein seine Anhänger bewogen ihn zu bleiben. Neue Versuche, seine acht herzustellen, schlugen fehl. Schon krank, reiste er im November nach Sta.⸗Marta, dessen Bischof sein reund war. Hier starb er 17. Dez. 1830 zu Sanedro. Nach dem Beschlusse des ichem zu Neugranada brachte man 1842 die Asche B.s unter großen Feierlichkeiten von Sta. Marta nach Caracas und widmete hier seinem Andenken einen Triumphbogen. Vgl. Colleccion de documentos relativos a la vida publica del libertador de Colombia y de Peru, Simon B.v (22 Bde., Caracas 1826 fg.): Larrazabal, Life of Simon B. (2. Ausg., 2 Bde., Neuyork 1866) und Correspondencia general del libertador Simon B.o (2 Bde., Neuyork 1856—71); + Mudie Spence, &The Land of B.v (2 Bde., Lond. 1878).