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GeschichteBrockhaus 1882

Cosel (auch Cossell, wie sie sich selbst schrieb, Anna Konstanze, Gräfin von), Geliebte Augusts II., Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, die Tochter des dän. Obersten Joachim von Brockdorf auf Deppenau im Holsteinischen, geb. 17. Okt. 1680, kam frühzeitig als Ehrendame zu der mit dem Erbprinzen von Braunschweig-Wolfenbüttel vermählten Prinzessin Johanna von 63. Kabinetts. Zu Wolfenbüttel lernte sie der sächs. Kabinettsminister von Hoymb kennen, vermählte sich mit ihr 1699, ließ sie aber, um sie vor den Verführungen des Hofs zu schützen, auf seinen Gütern wohnen. Allein der König vermochte Hoymb, sie nach Dresden kommen zu lassen. Die Folge war, daß sie bald nachher von ihrem Gemahl sich scheiden ließ und den Namen Madame de C. annahm. Kaiser Joseph I. erhob sie 1706 zum Range einer Reichsgräfin. Der König baute ihr in Dresden ein eigenes Palais, welches noch jetzt ihren Namen führt. Über neun Jahre, während deren sie, die Geschenke abgerechnet, 1 Mill. Thlr. Gnadengehalt erhielt, behauptete sie sich in der Gunst des Königs. Allein ihre Herrsch- und Eifersucht war grenzenlos; ihr Wille galt für Befehl, und wer ihr zuwider war, mußte fallen. So stürzte sie des Königs Liebling, den Kanzler Grafen Beichling; ein gleicher Versuch gegen den Fürsten Egon von Fürstenberg mißt, sind unter K aufzusuchen. und den Feldmarschall Grafen Flemming bewirkte indessen ünen Aoechente Als sie 1712, aus Eifersucht gegen eine neue Geliebte, die Gräfin Dönhoff, dem König nach Warschau nachreisen wollte, ward sie unterwegs an der schles. Grenze durch ein Gardekommando zur Rückkehr nach Dresden genötigt und von hier, noch vor des Königs Eintreffen, verwiesen. Sie ging erst nach Pillnitz, dann nach Berlin und als sie auch hier nicht die beste Aufnahme fand, nach Halle, wo sie auf Augusts Veranlassung, über den sie rachsüchtige Außerungen gethan haben sollte, ver-Genrar und endlich 1716 auf die alte Festung Stolpen gebracht wurde. Sie starb zu Stolpen 2.April 1765. Die Gräfin C. war eine der schönsten und geistreichsten Frauen ihrer Zeit. In der franz. Litteratur war sie sehr bewandert, in ihrer Gefangenschaft gewährte ihr nächst einem kleinen Garten, den sie s 0 pflegte, ihre Bibliothek den einzigen Genuß. Vgl. K. von Weber, KA. C. Gräfin von C.„ (im Archiv u sächs. Geschichtes, Bd. 9, Lpz. 1870). — Ihr Sohn, Friedrich August von C., geb. 1711, starb 1770 zu Sabor in Schlesien als General der Infanterie und Kommandant der Garde-du-Corps.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 623Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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