FeedCosta-Rica (d. h. reiche Küste)
ErdkundeBrockhaus 1882

Costa-Rica (d. h. reiche Küste), früher das südlichste Glied der Vereinigten Staaten von Centralamerika (s. d.), seit 1842 eine selbständige Republik, reicht von der Südsee bis zum Karaibischen Meer und grenzt im SO. an den columbischen Staat Panama und im N. an den Staat Nicaragua, mit welchem eine definitive Grenzregulierung noch nicht zu Stande gekommen ist. Das thatsächlich im Besitz C.s befindliche Gebiet reicht nördlich bis an den San-Juan-Fluß und den Nicaraguasee und hat ein Areal von 51760 qkm. Der größte Teil des Landes ist gebirgig, indem es von SO. gegen NW. von der an das Hochland von Veragua sich anschließenden und gegen N. zur Gebirgsspalte des Nicaraguasees und San-Juan-Flusses abfallenden Cordillera durchzogen wird. Dieselbe spaltet sich in mehrere Parallelketten, welche ausgedehnte, durch Querjoche getrennte Hochflächen und Längenthäler einschließen, und sendet nach O. und W. Seitenketten aus, zwischen denen sich 700—1000 m hohe Thäler und Ebenen eröffnen, während die mittlere Höhe des eigentlichen Tafellandes der Cordillera reichlich 1500 mbeträgt, sich aber hier und da bis zu 1000 msenkt, anderwärts bis 2000 m und darüber aufsteigt. Innerhalb der Cordillera selbst erhebt sich eine Reihe von Piks und kleinern Berggruppen, die meist vulkanischen Ursprungs, zum Teil noch entzündete Feuerberge sind. Der südlichste und höchste ist der 3580 m hohe Pico blanco (9 17 nördl. Br.). Ihm Rnterbr folgt der Herradura, und nach längerer nterbrechung in der Nähe der Hauptstadt der Irazu (Volcan de Cartago, 3413 m), Turrialba, Barba und Poas oder Votos, letzterer, wie der Turrialba noch thätig. Eine dritte Gruppe findet sich südlich vom Nicaraguasee: Tenorio, Miravalles, Rincon de la Vieja (beide thätig, 1500 m) und Orosi. Die Schneegrenze wird von keinem derselben erreicht. Die Abfälle des Hochlandes zeigen sich gegen W. durch ausgedehnte Terrassen vermittelt, nach N. dagegen, zum Thale des San-Juan sowie auch zum Antillenmeer, sehr steil und zur Anlage von Verkehrsstraßen wenig geeignet. Ausgedehnte Küstenebenen kommen nur auf der Westseite vor, die sich auch durch größere Küstenentwickelung auszeichnet, namentlich durch die große Bai von Nicoya mit dem Hafen Punta-Arenas und dem herrlichen Golfo-Dulce. Bei dieser Konfiguration des Landes können größere schiffbare Flüsse nicht zur Entwickelung gelangen, obgleich eine Menge, zum Teil sehr wasserreiche Flüsse vorhanden. Der wichtigste ist der Ro Grande, der am Eingang der Bai von Nicoya mündet, aber trotz der Wassermenge wegen vieler Stromschnellen nur etwa 40 km aufwärts für kleine Dampfer fahrbar ist. Der Boden zeigt sich im allgemeinen außerordentlich fruchtbar und erzeugt, je nach Verschiedenheit der Erhebung und der klimatischen Regionen, alle centralamerik. Kulturpflanzen in der größten emißt, sind unter K aufzusuchen. Mannigfaltigkeit, Vollkommenheit und Fülle. (S. Centralamerika.) Das Klima ist im ganzen gesund, unvergleichlich angenehm auf dem Tafelland von San-José, wo ein ewiger Frühling herrscht. Es wird bedingt durch den das ganze Jahr hindurch gleichmäßig wehenden Nordostpassat, der den größten Teil seiner Feuchtigkeit auf der atlantis chen Seite des Gebirges abladet, weswegen es hier täglich regnet, während auf der pactsichen Seite ein mehrmonatlicher regenloser Sommer (Verano) eintritt. Demgemäß ist der ae fennale r des Gebirges, sowie die vorliegende schmale Küstenebene mit undurchdringlichem Urwalde bedeckt und weniger gesund als die Südwestseite, auf welcher Savannen mit lichten Wäldern abwechseln. Auch die Fauna von C. ist eine der mannigfaltigsten in Centralamerika. Der Mineralreichtum scheint dagegen nicht bedeutend zu sein; an der atlantischen Küste sind mächtige Kohlenlager entdeckt worden. Die Bevölkerung Cis belief sich 1880 auf 185 000 Seelen, darunter 5000 Indianer, 1200 freie Neger und 600 Chinesen; außerdem 10— 12000 uncivilisierte Indianer. Unter den Fremden nehmen die Deutschen an Zahl und Bedeutung den ersten Rang ein. Die ansässige Bevölkerung lebt fast ausschließlich auf einem verhältnismäßig kleinen Terrain zusammen, das aus der Thale des von San-José und Cartago und dem Thale des Rio Grande besteht und etwa 150 km in der Länge und 60 km in der Breite hat. Sie ist im ganzen reiner spanisch geblieben als im übrigen Centralamerika und verrät durch Arbeitsamkeit und Frugalität noch heute ihre Abstammung von den sich vor andern Spaniern auszeichnenden Galiciern, die bei der Kolonisation des Landes vorzugsweise beteiligt waren. Die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung bildet der Landbau, der die sämtlichen, der klimatischen Mannigfaltigkeit entsprechenden Kulturpflanzen umfaßt. Von hervorragender Bedeutung aber ist der Kaffee, dessen Produktion seit der Unabhängigkeit fortwährend zugenommen hat, sodaß gegenwärtig darauf der Wohlstand des Landes fast ausschließlich beruht. Außerdem werden an Handelsgewächsen Zucker, Kakao und Reis kultiviert, während der Anbau des Tabaks ganz eingegangen ist. Neben dem Landbau hat die Zucht von Rindvieh, Pferden und Maultieren einige Wichtigkeit. In den Manufakturen und Handwerken steht C. noch hinter andern centralamerik. Staaten zurück. Dagegen ist der Handel namentlich durch die Kaffeekultur verhältnismäßig bedeutend. Es existierte schon lange eine recht gute Straße mit schönen Brücken von der Hauptstadt San-José nach Punta-Arenas (135 km). Von Eisenbahnen sind im Betrieb die Strecken von Alajuela über Heredia und San-José nach Cartago (43 EKm), von Punta-Arenas nach dem Barranca (14 km) und eine Strecke von Limon nach dem Pacuare (63 kKm), zusammen 120 km. In den Häfen der Republik liefen 1879 —80 ein: 336 Schiffe, worunter 138 Dampfer; aus liefen 333 Schiffe, worunter 13 Dampfer. In Punta-Arenas legen die Dampfer zwischen Panama und San-Francisco regelmäßig an. Der Kaffee geht meist nach England und den Vereinigten Staaten, dann nach Deutschland. Die Gesamteinfuhr betrug 1879—80via Punta-Arenas nach offizieller Schätzung 2669881 Doll., via Limon (nur für die ersten vier Monate 1880) 133 500 Doll.; die Ausfuhr über Punta-Arenas 3524810 Doll., über Limon 211142 Doll. Hauptausfuhrartikel über Punta-⸗Arenas waren: Kaffee 23266 196 Pfd. (im Werte von 3436 085 Doll.), Häute und Felle 276279 Pfd. (50 603 Doll.), Gummi elasticum 26319 Pfd. (10390 Doll.), andere Waren mit Einschluß der wieder ausgeführten fremden Waren (27732 Doll.). Gegenstände der Einfuhr sind Gewebe, Eisenwaren, Maschinen, Glas- und Porzellanwaren, Spirituosen, Wein und Bier. Der Hafen von Punta-⸗Arenas, der einzige auf der Westküste, ist nur für Schiffe von nicht mehr als 3 m Tiefgang zugängig. Dagegen ist der neuerdings eröffnete Hafen von Limon auf der Ostküste einer der schönsten der Welt und bietet ganzen Flotten von jedem Tiefgang sichern Ankergrund. Handelsverträge bestehen mit Frankreich (12. März 1848), Großbritannien (27. Nov. 1849), Spanien (10. Mai 1850), den Vereinigten Staaten (10. Juli 1851), den Niederlanden (12. Juli 1852), Belgien (31. Aug. 1858) und dem Deutschen Reiche (18. Mai 1875). n der geistigen Kultur steht C. höher als die Schwesterstaaten, indem ein größerer Teil der Bevölkerung am Schulunterrichte teilnimmt. Die kirchlichen Verhältnisse Rigen sich wenig besser als in den übrigen centralamerik. Republiken. Ein Gesetz von 1832 stellte die Duldung aller Konfessionen fest. Doch ist in dem 1852 mit dem röm. Stuhl geschlossenen Konkordat die römisch-katholische als Staatsreligion bezeichnet. Das 1850 gegründete Bistum von San-José steht unter dem Erzbischof von Guatemala. Klöster und religiöse Orden gibt es nicht. Nach der Konstitution vom 22. Dez. 1871 (der neunten seit der ersten von 1825) stehen an der Spitze der unabhängigen Republik C. ein Präsident, der auf vier Jahre gewählt wird, und zwei jährlich gewählte Vizepräsidenten. Die legislative Gewalt übt eine Deputiertenkammer von 21 Mitgliedern. Sitz der Regierung, des Obergerichtshofs und Landesbischofs ist die Daupt; stadt San-José. Die Finanzen des Staats sind in gutem Zustande. Die Staatseinnahmen, die hauptsächlich aus den Zöllen, einem Tabak- und Branntweinmonopol, dem Stempel und dem Verkauf von Staatsländereien fließen (direkte Steuern gibt es nicht), beliefen sich 1880—81 auf 3164051, die Ausgaben auf 3460597 Doll. Die Staatsschuld beträgt (1880) 6258 629 Doll., denen ein Aktivvermögen von 10918062 Doll. gegenübersteht. Administrativ zerfällt C. in die fünf Departamentos oder Provinzen San-José, Den Y Heredia, Alajuela und Guanacaste und den istrikt (Comarca) Punta-Arenas. Die Militärmacht C.s besteht aus 500 Mann des stehenden Heers, die Miliz umfaßt alle Männer von 18—55 Jahren, die nicht zum stehenden Heere gehören; doch fehlt jede militärische Organisation nach europäischen Begriffen. Das Wappen der Republik zeigt drei Vulkane zwischen zwei Meeren, mit einem Segelschiffe auf jeder Seite, links die aufgehende Sonne, oben fünf Sterne und die Umschrift: Republica Costarica. Die Flagge hat fünf Horizontalstreifen: blau, weiß, rot letwas breiter), weiß, blauu. Geschichte. Bei der Unabhängigkeitserklärung Centralamerikas stand C. in der Kultur am meisten zurück. Seitdem aber machte es unter den Schwesterrepubliken die meisten Fortschritte und gelangte allein zu einer wirklichen Prosperität, teils infolge der abgeschlossenen Lage des Landes, welche es von den Parteikämpfen der übrigen Staaten fern hielt, nißt, sind unter K aufzusuchen. 40 * teils durch seine arbeitsame und nüchterne, vorzugsweise den materiellen Interessen zugewandte Bevölkerung. Die Chefs der Regierung vermochten sich daher auch leichter am Ruder zu erhalten und mit Selbständigkeit die — — zu leiten. Namentlich verdankt das Land viel seinem ersten Präsidenten, Juan Mora, der von 1824 bis 1832 an der Spitze der Aicgar Mltar Zwar hat auch C. Umwälzungen, sogar Militärrevolutionen gehabt, aber diese waren fast immer unblutig und dienten gewöhnlich nur zur Stärkung der Exekutivgewalt. Nur während der Präsidentschaft des energischen, fast despotisch waltenden Generals Carillo (1839 —42), unter dem sich C. von der Föderation 1842 gänzlich lossagte und als souveräner Staat konstituierte, wurde das Land für den Augenblick in den Kampf der polit. Hauptparteien Centralamerikas hineingerissen. Es geschah dies durch den Hauptführer der sog. Föderalisten, den General Morazan, der 1840 nach dem gänzlichen Unterliegen seiner Partei in das Ausland gehen mußte. Derselbe machte 1842 einen Einfall und schickte den Präsidenten Carillo in die Verbannung, wurde aber von den Gegnern unter José Maria Alfaro geschlagen, gefangen und 18. Sept. 1842 hingerichtet. Unter dem hierauf zum Präsidenten gewählten Alfaro kehrte das Land wieder in seinen ruhigen Zustand zurück und gab sich 1848 eine neue Konstitution. Sehr erfolgreich war seit 1850 die Wirksamkeit des Präsidenten Juan Rafael Mora, eines der reichsten Gutsbesitzer und Kaffeehändler im Lande, der die Staatsangelegenheiten in kaufmännischer Weise mit größter Ordnung und Pünktlichkeit leitete. Einen ehrenvollen Anteil nahm C. unter ihm 1856 —57 an dem Kriege gegen den Flibustier Walker (s. d.) in Nicaragua. Nachdem Mora 8. Mai 1859 zum viertenmal zum Präsidenten erwählt worden, sah sich derselbe ganz unerwartet 14. Aug. gestürzt durch eine Koalition der Liberalen und der Fremden, besonders der Engländer und Deutschen, gegen deren wachsenden polit. Einfluß er wiederholt entschiedenes Mißtrauen gezeigt hatte. Nachdem man ihn hinterlistig gefangen genommen, wurde er nebst seinem Bruder José Joaquim Mora (Oberbefehlshaber der Armee) und seinem Schwager General José Maria Canas (Kriegs⸗ und Finanzminister) nach Punta-Arenas gebracht und von dort nach Guatemala eingeschifft, von wo er sich unter Protesten gegen solchen Gewaltstreich und gegen das Verbannungsurteil, welches der zum provisorischen Präsidenten ernannte Arzt José Maria Montalegre (Schwager des engl. Konsuls) gegen ihn ausgesprochen, nach Neuyork begab. Eine konstituierende Versammlung entwarf eine neue Verfassung, die 27. Dez. 1859 Montalegre vorgelegt wurde. Dieser berief darauf eine legislative Kammer, die Anfang 1860 zusammentrat und ihn definitiv zum Präsidenten ernannte. In demselben Jahre kehrte Rafael Mora nach San-Salvador zurück, dessen Präsident die revolutionäre Regierung in C. nicht anerkannt. Von hier aus landete er 16. Sept. 1860 zu Punta-Arenas, rückte mit etwa 500 Mann ins Innere, wurde aber 28. Sept. überwunden und mit seinem Bruder und dem General Canas von einem Kriegsgericht unter Vorsitz Montalegres zum Tode verurteilt und sofort erschossen. Seitdem hat C. einige Zeit im Innern Ruhe Gunrdi Präsident wurde 1872 General Thomas Guardia, dem im Juli 1876 Vicente Herrera folgte. Vgl. Wagner und Scherzer, «Die Republik C. in Centralamerikap (Lpz. 1856); Peralta, C., its olimate, constitution and resourceso (Lond. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 626Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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