Chiriqui, das westlichste Departement des columbischen Staates Panama auf dem Isthmus zwischen dem Karaibischen Meere und dem Großen Ocean, hat ein Areal von 17000 alem und zählt (1870) 36 783 E. Es ist eine der herrlichsten Landschaften Amerikas, an Mannigfaltigkeit der Oberflächenplastik, Fruchtbarkeit des Bodens und Pracht der Vegetation kaum von einer andern Tropengegend übertroffen, und überdies durch seine wundervollen Naturhäfen und als Transitland von handelspolit. und nationalökonomischer Bedeutung. Die an der Nordküste liegende Chiriquibai ist eigentlich nur eine durch eine Reihe von Inseln vom Meere fast abgeschlossene Küstenlagune, durch drei Straßen zugänglich. Der für den interoceanischen Verkehr überaus günstigen Gliederung des Küstensaums entspricht nicht das plastische Relief, welches dem Durchstich eines Kanals und selbst dem Bau einer Eisenbahn größere Hindernisse darbietet als die Isthmen von Choco, Darien, Panama und Nicaragua. Die Cordillera von Chiriqui, eine sudöstl. Fortsetzung der Hauptcordillera von Costa-Rica, bildet ein alpines Gebirge, mit Steilabfall gegen Norden, mittlerer Kammhöhe von 1800— 1900 und einzelnen Gipfeln bis zu 2800 m, mm Beruun die — — 0 Depressionen nicht unter 900 m heruntergehen. Unter den mit der Hauptkette verbundenen vulkanischen Bergen sind auf der Nordseite der Volcan mit 2900 m, auf der Südseite der Volean de Chiriqui mit 3433 m. C. ist eins der wasserreichsten Länder der Erde, obschon es keine großen schiffbaren Ströme hat. Das Klima ist heiß, aber im Innern gesund. Die Luft ist auf der atlantischen Seite immer feucht und warm, auf der Südseite fünf Monate lang trocken; daher dort üppigerer Baumwuchs als hier. über sieben Achtel des Landes sind mit einer dicken Schicht Dammerde und meist von üppiger Waldvegetation bedeckt. Für die Kolonisation eignet sich am besten die etwa 30 km breite Savannenzone der Südseite. Flora und Fauna sind im ganzen die von Centralamerika. Für Zuckerrohr und Tabak sind Boden und Klima ausgezeichnet; Kakao gedeiht nur auf der Nordseite in feinster Sorte. An nutzbaren Mineralien scheint C., mit Ausnahme der 1843 an der Nord⸗ und 1858 an der Südseite entdeckten ausgedehnten Steinkohlenlager, ärmer zu sein als das übrige Panama. Die Hauptstadt David, 13 km von der Südsee in schöner und fruchtbarer Ebene am Rio David gelegen, meist aus Holz erbaut, hat ein freundliches Ansehen und zählt 7906 E. Die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung ist Viehzucht, Acker-, besonders Tabaksbau, sowie lebhafter Handel, welcher Reis, Kaffee, Sassaparille, Perlen, Häute, Schildpatt, gedörrtes Fleisch und etwas Gold zur Ausfuhr bringt. Als Ausfuhrhafen dient Alanje oder Santiago de Alanje, auch Riochico genannt, am Rio Chico, mit 4982 E. Vgl. Wagner, «Die Provinz C.v, in Petermanns Mitteilungen u. s. w. (Gotha 1863).