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GeschichteBrockhaus 1882

Croy, eine alte, jetzt in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden angesessene Adelsfamilie, deren Stammsitz Croi bei Hesdin im Hennegau liegt. Dieselbe erwarb 1370 die Herrschaft Chimay und teilte sich mit den Brüdern Anton (gest. 1475) und Johann (gest. 1473), welche seit 1470, beiehungsweise 1473 den gräfl. Namen von Chimay Wrthe in zwei Linien. Zu der ältern gehörte ilhelm von C., Herzog von Soria und dArci, err von Chiòvres (gest. 28. Mai 1521), der am ofe Karls V. die höchsten Stellen bekleidete. Dieen beerbte sein Neffe Philipp, 1533 zum Herzog von Arschot und Marquis von Renty ernannt (gest. 1549), dessen Enkelin, Anna de C., einen Teil der Caschen Besitzungen durch Heirat mit Karl von Ligne in das noch blühende Arembergsche Geschlecht brachte. — Ihr Bruder Karl, dritter und lehter Herzog von Arschot aus dem Hause C., geb. 11. Juli 1560, eine Zeit lang Calvinist und An-Pacten Oraniens, wurde nachher ein eifriger Verechter der Politik Philipps II., unter dem er die Stelle eines Großbailli von Hennegau und seit 1597 die eines Gouverneurs von Artois bekleidete. Heinrich IV. von Frankreich erhob 4. Juli 1598 seine Herrschaft C. zu einem Herzogtum. Er starb kinderlos 13. Jan. 1612 und hinterließ Memoiren, die auf die niederländ. Zustände unter Philipp II. manches Licht werfen und 1845 von Reiffenberg für die belg. Bibliophilengesellschaft in Brüssel herausgegeben wurden. Ihm folgte als Herzog von C. sein Vetter, Karl Alexander, Marquis von Havré und Reichsfürst. Die Güter dieser Linie gingen aber bereits 1643 durch Heirat wieder an die jüngere Linie des Hauses C. zurück, an diejenige nämlich, zu welcher die noch lebenden Herzöge in direkter Abstammung gehören, und die sich an Johann von C., seit 14. Jan. 1473 Graf von Chimay, anknüpft. Ein direkter Nachkomme dieses letztern war Philipp, seit 3. Nov. 1590 erster Graf von Solre, dessen erstgeborner Sohn das jetzige Haus C.⸗Dülmen gründete, welches mit dem Grafen Philipp Emanuel Ferdinand 14. Nov. 1677 den Fürstentitel erwarb, . — der jüngere, 1643, infolge der erwähnten Verbindung mit der letzten Erbin der Herzöge von C.⸗Havré, Stammvater der Seitenlinie dieses Namens wurde. — Chef des Zweiges Dülmen ist, seit dem Tode des Herzogs Alfred (14. Juli wer sen 25. Rudolf, geb. 13. März 1823, Witwer seit 23. Juli 1863 von Natalie, Prinzessin von Ligne, Grand von Spanien erster Klasse. Der Zweig Havré starb in der männlichen Linie 12. Nov. 1839 aus in der Person des Herzogs Joseph, der Pair von Frankreich, Grand von Spanien und franz. Generallieutenant war. Zum Erben hatte er den Prinzen Maximilian, geb. 21. Jan. 1821, zweiten Sohn des niederländ. Generalmajors Prinzen Ferdinand (geb. 31. Okt. 1791, gest. 4. Sept. 1865), Bruders des Herzogs Alfred von C.⸗Dülmen; eingesetzt, der als solcher den Namen Havrée Hanb, 0h und 13. Okt. 1865 auf Roelx in Belgien tarb, ohne Kinder zu hinterlassen. Durch den Reichsdeputationshauptreceß von 18083 erhielt der damalige Herzog von C. für seine auf dem linken Rheinufer verlorenen mittelbaren Güter das ehemalige münstersche Amt Dülmen (5,5 Quadratmeilen mit 16000 E.) und wurde durch die Wiener Kongreßakte wegen dieser Besitzung als Standesherr der Krone Preußen unterworfen. Die Linie C.Dülmen besitzt außerdem mehrere Herrschaften in den Niederlanden. Die Linie C.⸗Havreé ist ebenfalls in den Niederlanden und Frankreich begütert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 690Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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