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GeschichteBrockhaus 1882

Chimay, ein in der belg. Provinz Hennegau 7 1486 von Kaiser Maximilian zu Gunsten Karks von Croy errichtetes Fürstentum mit einer Hauptstadt gleiches Namens. Karls Tochter, Anna, brachte es durch Heirat an die Hauptlinie Croy. Vom Hause Croy vererbte es sich 1686 an das Geschlecht der Grafen von Boussu und nach dem Erlöschen desselben, in der Person des Fürsten Phil. Gabriel Moritz, 1804 an die noch blühende franz. Jofenp Riquet (s. d.) de Caraman. — Frangois Joseph Philippe de Riquet, Graf Cäraman, Fürst von C., geb. 21. Nov. 1771, der Neffe und erste Erbe des letzten Fürsten von C. aus dem Hause Boussu, war ein Sohn des Grafen Victor Maurice de Riquet de Caraman. Letzterer hatte sich 1750 mit der Prinzessin Marie Anne de C. vermählt und starb 24. Jan. 1807 zu Paris. Der Sohn und nachmalige Fürst von C. stand beim Ausbruch der Französischen Revolution als Offizier in einem Dragonerregiment und mußte als Anhänger der Bourbons nebst seinen Brüdern Frankreich verlassen. Nach der Restauration wurde er Ludwigsritter, Oberst der Kavallerie und Lieutenant der königl. Wolfsjägerei. Von dem Depart. Ardennen wurde er 1815 in die Deputiertenkammer gewählt, wo er mit der Opposition stimmte, weshalb man ihn nicht wiederwählte. Seitdem lebte er meist in den Niederlanden, wo er das Indigenat erwarb. Hier ernannte ihn der König 1820 zum Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten. Obgleich bereits seit 1804 Besitzer der Chimayschen Domänen, wurde sein Fürstentitel erst 1824 vom König der Niederlande bestätigt. Der Fürst C. starb 2. März 1843. — Seine Gemahlin war Therese, die durch Schönheit ausgezeichnete Tochter des span. Ministers Cabarrus (s. d.). Dieselbe wurde 31. Juli 1773 zu Saragossa geboren und egen ihren Willen mit dem Parlamentsrat de ontenay vermählt, dem sie nach Paris folgte, wo sie sich als eifrige Anhängerin der Revolution bewies und 1793 von ihrem emigrierten Gemahl trennen ließ. In Bordeaux, wohin sie sich zur größern Sicherheit vor der Schreckensregierung begab, lernte sie den Konventsdeputierten Tallien (s. d.) kennen, der sich in sie verliebte und unter ihrem Einflusse die blutigen Dekrete des Konvents weniger streng ausführte. Als Tallien deshalb sich in Paris verantworten mußte, wurde auch seine Geliebte dahin ins Gefängnis abgeführt, von dem aus sie das Schafott besteigen sollte. Der Sturz Robespierres rettete ihr das Leben, worauf sie sich mit Tallien verheiratete. Später lebte sie in freundlichem Umgange mit Josephine Beauharnais, Barras, Hoche und Bonaparte. Als Tallien diesem letztern nach Agypten folgte, ließ sie sich von ihrem Gemahl scheiden. Durch Frau von Stael lernte sie den Fürsten von C. kennen, der sich 1805 mit ihr vermählte. Sie starb zu Brüssel 15. Jan. 1835. Joseph de Riquet, Fürst von Caraman und C., ihr ältester Sohn, geb. 20. Aug. 1808, war 1839—41 belg. Gesandter im Haag, dann ein Jahr lang Gouverneur der belg. Provinz Luxemdurg und von 1846 bis 1847 Gesandter am röm. und an den übrigen ital. Höfen. Im J. 1843 wurde er in die belg. Zweite Kammer gewählt, wo er sich zur kath. Partei hielt. Nachdem er 1856 sein Mandat niedergelegt, lebte er vorzugsweise in Paris, woselbst er mehrere diplomatische Aufträge ausführte. Aus seiner Ehe mit Emilie Pelagrat entsprangen zwei Söhne, von denen der ältere, Joseph, geb. 9. Okt. 1836, längere Zeit Gesandtschaftssekretär in Paris war und während des kath. Ministeriums 1870 —78 als Gouverneur von Jun,2845 fungierte; der jüngere, Eugen, geb. 8. an. 1843, war einige Zeit Mitglied des Provinzialrats von Hennegau. Die einzige Tochter Valentine, geb. 1839, wurde 1861 an den Fürsten Paul von Bauffremont verheiratet, von diesem 1875 in Frankreich gerichtlich getrennt, nach Erlangung des sachsen-altenburg. arolden da in Altenburg geschieden und 24. Okt. desselben Jahres mit dem Fürsten Georg Bibesco vermählt. Letztere Ehe wurde im März 1876 vom Gerichtshof in Paris als Bigamie für nichtig erklärt. Der Prozeß kam indes Ende 1879 vor dem Tribunal von Charleroi, als dem zuständigen Gerichtshof der Familie C., aufs neue zur Verhandlung und dieses entschied 3. Jan. 1880 endgültig dahin, daß die Ehe der Prinzessin mit dem Fürsten Bibesco gültig sei, wies den Fürsten Bauffremont mit seinen Ansprüchen ab und verurteilte ihn zu 15 000 Frs. Schadenersatz an die Prinzessin, sowie in die Kosten (ungefähr 900000 Frs.). Ein Neffe des Fürsten Ne Alphonse, geb. 20. Febr. 1844, ist liberales Mitglied der belg. Kammer der Abgeordneten. Der Fürstentitel vererbt sich nur auf den Erstgeborenen, der ihn jedoch schon zu Lebzeiten des Vaters nebenbei zu führen befugt it. alle männlichen Nachkommen sind Fürsten von Caraman, die weiblichen Gräfinnen von Caraman.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 272Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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